Geislingen Geldstrafe, weil Dackel in überhitztem Auto stirbt

Geislingen / Jochen Horndasch 09.04.2018
Verfahren wegen Tierquälerei gegen Geldbuße eingestellt: Rentnerin hatte Hunde bei großer Hitze im Auto zurückgelassen.

Eine Geldbuße von 500 Euro an die Tierherberge bei gleichzeitiger Einstellung des Verfahrens wegen Tierquälerei sind das Ergebnis einer Verhandlung vor dem Geislinger Amtsgericht. Dort stand der Tod einer fünfjährigen Dackeldame sowie der Fall einer Mischlingshündin, die nur knapp dem Tod entgangen ist, im Mittelpunkt dieser Verhandlung. Unter dem Vorsitz von Richterin Gabriela Stuhler ging es um den Vorwurf der Tierquälerei. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte eine 68-jährige Rentnerin, dass sie ihre beiden Hunde im März 2017 in zwei Hundeboxen mehrere Stunden im geparkten Auto eingesperrt hatte. Wegen hoher Temperaturen sowie fehlendem Wasser und frischer Luft sei einer der beiden Hunde gestorben, der zweite konnte gerade noch gerettet werden, so der Vorwurf. Dies sei ein Vergehen, das unter Tierquälerei eingeordnet wird, weil den Tieren erhebliches Leid, Schmerzen und Qualen zugefügt wurden.

Für die Angeklagte waren diese Vorwürfe alles andere als nachvollziehbar. Sie hätte zwar über mehrere Stunden eine Bekannte im Wiesensteiger Pflegeheim besucht, doch im Lauf des Nachmittags hätte sie mehrfach nach ihren Hunden gesehen. Sie habe sie aus ihren Hundeboxen geholt und im Freien laufen lassen. Dabei hätte sie nichts Ungewöhnliches und Auffälliges bemerkt. Möglicherweise hätten die Tiere bei ihrem Freigang einen Giftköder gefressen, der zum Tod des einen Hundes geführt habe. Denn beide Hunde hätten sich auch erbrochen. Als sie gegen 17.30 Uhr nach Hause fahren wollte, lag die Dackeldame apathisch in ihrer Hundebox, der andere Hund hechelte. Sie erkundigte sich daraufhin bei einer Mitarbeiterin des Pflegeheims, ob es in Wiesensteig einen Tierarzt gibt. Als dies verneint wurde, ging sie in Begleitung von zwei Pflegerinnen des Heims, die den Vorfall bei der Polizei anzeigten, zum Auto zurück und fuhr direkt zu einem Fachtierarzt nach Göppingen.

Letzterer war als Zeuge geladen. Er kennt die Angeklagte seit Jahren, da er ihre Hunde behandele. Bei ihrem Besuch am Abend des 27. März vergangenen Jahres hätte er nur noch den Tod der Dackeldame feststellen können, wobei der andere Hund gesund und munter gewesen sei. Er attestierte der Angeklagten weder Fahrlässigkeit noch Rücksichtslosigkeit im Umgang mit ihren Tieren.

Der Tierarzt erinnerte sich noch, dass es an jenem Tag schwül-heiß war bei Temperaturen knapp unter 30 Grad. „Im  Auto eingesperrte Hunde können dann schnell überhitzen“, so der Tierarzt. Doch offensichtlich ist diese vermeintliche Binsenweisheit nicht allen Menschen bekannt. Richterin Gabriela Stuhler schlug deshalb den Vertretern von Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße vor. Aufgrund der finanziellen Situation der Angeklagten, die eine Rente von bescheidenen 562 Euro bezieht, einigte man sich auf 500 Euro Strafe, die in sechs Raten an die Tierherberge Donzdorf bezahlt werden muss.

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