Im Kreis Göppingen laufen viele Aktionen an, mit denen älteren Menschen die Unterstützung bei Alltagserledigungen angeboten werden. Das geht in großem Stil auf Facebook, wo sehr viele Menschen erreicht werden können. Es geht aber auch im Kleinen vor Ort: Der Wiesensteiger Jonas Beisenwenger startete einen Aufruf in YouTube: „Bleibt zu Hause und haltet Abstand.“ Damit halte er sich an die Vorgaben der Regierungen zu befolgen. Das sei absolut nötig, um unser Gesundheitssystem vor Überlastung sowie die Risikogruppen zu schützen.

Beisenwenger: Nachbarschaftshilfe ist einfach möglich

Er ist sich jedoch darüber im Klaren, dass das Daheimbleiben nicht so einfach ist. Daher bietet er  – zumindest für Wiesensteig – eine Lösung an. Eine Form der Nachbarschaftshilfe und der  Solidarität, wie sie in einer kleinen Kommune einfach möglich werden könnte.  „Jetzt sollten möglichst viele Menschen, die viel Freizeit haben, denen ihre Hilfe anbieten, die wegen Corona zu Hause bleiben müssen, sollen, wollen oder in besonderem Maß eingeschränkt sind“, sagt Jonas Beisenwenger.

Ihnen könnte das Einkaufen und Abholen von Medikamenten abgenommen werden. Außerdem kann man mit dem Hund Gassi gehen, oder Eltern entlasten, die sich nur eingeschränkt um ihre Kinder kümmern können. „Die Leute wissen am besten, wie man ihnen helfen kann, ich bin gespannt, welche Wünsche sie haben“, sagt Beisenwenger. Er könne sich durchaus vorstellen, dass einige einfach mal jemandem zum Zuhören brauchen. Zu viele treibe die Existenzangst um, andere befürchteten an Corona zu erkranken. Nicht wenige würden unter der gesellschaftlichen Isolation leiden, schließlich seien sämtliche soziale Kontakte herunterzufahren. Erst recht, wer unter Quarantäne ist und im Haus bleiben muss, dürfte sich alleine und abgeschnitten von der Außenwelt fühlen. „Wenn wir die gute Botschaft rüberbringen können, dass wir alle in einem Boot sitzen, aber niemand alleine sein muss, haben wir viel gewonnen“, sagt der Wiesensteiger.

Situation miteinander durchstehen

Jonas Beisenwenger ist überzeugt: Diese außergewöhnliche Situation meistere man nur dann gut, wenn man sie miteinander durchstehe. Daher verteilte er in Wiesensteig Formulare, mit denen sich Helfer und Menschen, die Unterstützung benötigen, melden können. Die beiden Pfarrer vor Ort von der katholischen und der evangelischen Kirche hat er ebenfalls überzeugt: Beim katholischen Pfarramt können sich Unterstützer sowie jene melden, die Hilfe benötigen. Auch Bürgermeister Gebhard Tritschler konnte Jonas Beisenwenger für seine Sache gewinnen. Helfer und Hilfesuchende können sich unter der Telefonnummer (07335) 5224 oder der Mailadresse ralf.baumgartner@drs.de anfragen. Außerdem bei der evangelischen Kirchengemeinde in Wiesensteig unter der Nummer (07335) 7197 können Helfer sowie Hilfesuchende anfragen.

Aktion „Geislingen hilft“ startet

In Geislingen startet die Aktion „Geislingen hilft“, wie Oberbürgermeister Frank Dehmer in einer Videoansprache berichtete. Interessierte können sich bei Christine Pfundtner vom Mehrgenerationenhaus unter der Nummer (07331) 440 363 melden.

Facebook-Gruppe: Zusammenhalt im Kreis Göppingen

 Auf Facebook hat sich eine Gruppe mit dem Namen „Zusammenhalt Kreis Göppingen“ gebildet. Dort hat die Initiatorin, Stephanie Wahl aus Rechberghausen, für die Kreisgemeinden „Ortsgruppen“ erstellt, in denen Menschen sich koordinieren können, wenn sie vor Ort Hilfe suchen oder Hilfe anbieten. Insgesamt waren übers Wochenende fast 1000 Einträge zu verzeichnen. „Das ist eine überwältigende Resonanz, mit der ich nicht gerechnet habe“, sagt Stephanie Wahl, die seither viel Zeit in die Administration der Gruppe gesteckt hat. Sie empfindet es als ermutigendes  Zeichen.

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Stuttgart

Auf der Plattform wird aber auch immer wieder diskutiert, wie die zur gefährdeten Gruppe gehörenden Senioren, die oft kein Internet und Facebook haben, von diesem digitalen Helfernetzwerk überhaupt erfahren können. Die Initiatorin hat sich deshalb an die Kirchen und die karitativen Einrichtungen gewandt mit der Bitte, das Angebot auch außerhalb des Internets bekannt zu machen. Die Kirchen haben bereits reagiert und zugesagt, es an die Kirchengemeinden weiterzugeben, berichtete Stephanie Wahl kürzlich. Anfragen sollen dann auf der Facebook-Seite in die Ortsgruppen weiter gegeben werden. Dafür kämen natürlich auch computeraffine Bekannte der Hilfesuchenden infrage. Eine weitere Idee ist es, dass die Facebook-Gruppenmitglieder auch in Häusern und Supermärkten Zettel mit Nachrichten aufhängen, die auf die Facebook-Ortspostings hinweisen. Stephanie Wahl meint, angesichts der Befürchtung, dass sich die Lage in den kommenden Wochen zuspitzen wird, „ist es gut zu wissen, dass sich hier so viele Helfer in Wartestellung finden.“

Auch Jusos und JU helfen

Auch die Jugendorganisationen von CDU und SPD im Kreis wollen konkrete Hilfe leisten.  Wer einer Risikogruppe angehört und dringend Hilfe bei Einkäufen und Besorgungen braucht, wird nach Angaben der  Jusos unter Telefon (07161) 9661742 an Helfer, die in der Nähe wohnen, vermittelt. „Dies ist ein Angebot an alle Menschen!“, heißt es in der Mitteilung. Potenzielle Helfer können sich mit einer kurzen Mail mit ihren Daten an hilfe@ jusos-gp.de wenden. Auch die Junge Union vermittelt Nachbarschaftshilfe: Gesunde, jüngere Menschen und Hilfesuchende können sich auf der Homepage www.die-einkaufshelden.de registrieren. Dort vermittele die Junge Union dann die Nachbarschaftshilfe. Diese Aktion sei parteiunabhängig. Jeder könne mitmachen, so JU-Kreisvorsitzende Sonja Grässle.