Bleibt es bei der Impf­aktion Mitte Mai in Geislingen mit rund 600 Impfterminen für über 70-Jährige oder muss alles wieder abgeblasen werden? Verwirrung und Ärger in der Geislinger Stadtverwaltung waren am Dienstag groß, nachdem das Sozialministerium des Landes mitgeteilt hatte, die Belieferung der Impfzentren mit Impfdosen drastisch zu reduzieren. Dafür sollen Hausarztpraxen und Betriebsärzte mehr Lieferungen erhalten. Das Impfzentrum in Ulm hatte deshalb zwischenzeitlich angekündigt, zahlreiche bereits vereinbarte Impftermine abzusagen; mittlerweile scheint sich aber eine Lösung abzuzeichnen.

Oberbürgermeister Frank Dehmer ärgert sich über Sozialministerium

Von der Regelung schien zunächst auch das sogenannte Geislinger Pop-up-Impfzentrum betroffen zu sein: Ein mobiles Impfteam aus Ulm will dort, im Vereinsheim des TV Altenstadt, am 18. und 19. Mai rund 600 Geislinger über 70 Jahren gegen das Coronavirus impfen.
Oberbürgermeister Frank Dehmer versetzte die Nachricht aus dem Sozialministerium nach eigenem Bekunden in Wut. In einer am späten Nachmittag verschickten Pressemitteilung teilt er mit: „Das kann doch wohl nicht wahr sein.“ Man könne doch nicht erst kurzfristig ein solches Angebot machen und dann noch kurzfristiger alles absagen.
Geislinger Ordnungsamt und Mehrgenerationenhaus hätten bereits viel Zeit in die Vorbereitungen investiert, Räumlichkeiten ausgesucht, Abläufe geplant und Personal akquiriert. Rund 3900 impfberechtigte Geislinger seien angeschrieben worden, mit der IT-Abteilung habe man eine Telefonhotline eingerichtet und Mitarbeiter aus anderen Bereichen dafür zusammengezogen; zudem habe die Feuerwehr Umbauarbeiten am geplanten Pop-up-­Impfzentrum vorgenommen. Erste Anmeldungen seien bereits entgegengenommen worden. „Die Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürger machen in der Corona-Pandemie schon sehr viel mit und sind auch bereit, viel zu tun“, sagt Dehmer. „So kann man mit uns aber nicht umspringen!“

Raum Geislingen

Am Nachmittag sei dann die Wende erfolgt, so Dehmer: „Der Druck aus den Kommunen scheint etwas gebracht zu haben. Soeben haben wir die Information erhalten, dass wir die 600 Impfdosen doch bekommen und das Impfzentrum im Mai eröffnen kann.“ Er entschuldige sich ausdrücklich bei allen Bürgerinnen und Bürgern für die Verunsicherung durch die zwischenzeitlichen Überlegungen, ausgelöst durch Presseverlautbarungen des Sozialministeriums und aus dem Impfzentrum Ulm, so der OB. Dehmer dankt der Kreisverwaltung und dem Impfzentrum Ulm für die bisherige Zusammenarbeit in Sachen Pop-up-Impfzentrum. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort leisten eine hervorragende Arbeit. Sie können nichts für das Hin und Her des Sozialministeriums.“

So funktioniert die zweitägige Impfaktion


Impftermine für das Pop-up-Impfzentrum am 18. und 19. Mai können zwischen 9 und 15 Uhr unter Telefon (07331)­24-433 gebucht werden. Das Mehrgenerationenhaus hat ein Call-Center mit fünf städtischen Mitarbeitern eingerichtet, um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können.

Die Zahl der Impftermine ist auf 600 begrenzt, die Termine werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben. Die Stadtverwaltung bittet um Verständnis, dass diese Anzahl voraussichtlich nicht für alle Impfwilligen reichen werde. Man wolle auf jeden Fall versuchen, das Impfteam noch einmal nach Geislingen zu holen, sofern die Möglichkeit bestehe.

Für die Zweitimpfung stehen die Termine bereits fest: 22. und 23. Juni. Über-70-Jährige können sich nur anmelden, wenn sie beide Termine wahrnehmen können. Geimpft wird mit dem Impfstoff Moderna.