Bildung Chemiesaal wird nach 49 Jahren renoviert

Die Chemielehrer an der Daniel-Straub-Realschule in Geislingen packen mit an beim Ausmisten des 49 Jahre alten Unterrichtsraums (von links): Stefanie Heim, Christian Conrad, Nigel Grupp und Marina Füner.
Die Chemielehrer an der Daniel-Straub-Realschule in Geislingen packen mit an beim Ausmisten des 49 Jahre alten Unterrichtsraums (von links): Stefanie Heim, Christian Conrad, Nigel Grupp und Marina Füner. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Claudia Burst 13.08.2018
In der Daniel-Straub-Realschule wird der Chemiesaal renoviert und auf den neuesten Stand gebracht. Dafür ist viel Spezialwissen vonnöten.

Die Chemielehrer der Daniel-Straub-Realschule wirbeln auf andere Art und Weise als sonst in ihrem Fachbereich. Stefanie Heim, Nigel Grupp, Christian Conrad und Marina Füner entrümpeln den Chemiesaal: Sie werfen Material weg, das sich über Jahrzehnte angehäuft hat, schleppen Apparaturen in den Nebenraum, sortieren Chemikalien aus, die sie nicht mehr benötigen und sichern all die Flaschen und Behälter, die sie auch in Zukunft wieder brauchen. „Wir machen Tabula rasa hier, der Chemiesaal wird hinterher nicht mehr wiederzuerkennen sein“, sagt Christian Conrad. Die Vorfreude auf einen neuen und modernen Chemiesaal, der allen aktuellen Sicherheitsvorschriften entspricht, ist ihm anzumerken.

Die bisherige Einrichtung des Unterrichtsraums war auf dem Stand von vor 49 Jahren – als die Daniel-Straub-Realschule erbaut wurde. Einige der Chemikalien, die sie aussortierten, haben weder die vier Lehrer noch ihre Vorgänger in der Schule je benötigt. „Die gehörten damals wohl zum Grundstock eines Chemiezimmers, aber in der Praxis haben wir sie nie gebraucht. Andere dagegen dürfen wir wegen neuer Vorschriften nicht mehr verwenden, wieder andere dürfen nicht mehr in Glasflaschen aufbewahrt werden“, erzählt Stefanie Heim.

Da die Chemikalien Gefahrstoffe sind, werden sie von speziell ausgebildeten Mitarbeitern der ETG (Entsorgungs- und Transportgesellschaft) abgeholt. Einer davon ist der chemisch-technische Assistent Thorsten Beigelbeck, der die Chemikalien in Holzheim sortiert und vorschriftsmäßig entsorgt. Nicht nur Lehrer, sondern immer wieder auch helfende Schüler haben alles bewegliche Gut aus dem Chemiesaal und dessen Schränken sowie aus dem Chemie-Vorbereitungsraum nebenan hinausgeschleppt.

Dann ging es Schlag auf Schlag weiter – so hat es German Wehle vom ausführenden Stadtbauamt geplant: Der Elektriker baute die Kabel aus den Chemie-Arbeitstischen aus, danach wurden die Gasleitungen herausmontiert, dann das Mobiliar entsorgt. Da die neuen Vorschriften einen größeren Abstand zwischen den Arbeitstisch-Reihen der Schüler verlangen, gibt es in Zukunft statt fünf nach hinten ansteigenden Tischreihen nur noch vier, an denen je acht Schüler sitzen. Dafür müssen die Podeste, die das Klassenzimmer wie Treppen durchziehen, angepasst werden. Hinzu kommt ein neuer Fußboden.

Eine Spezialfirma ist für die Einrichtung des modernen Chemiesaals zuständig. Dazu gehören be- und entlüftete Schränke für die Säuren und Laugen, die außerdem mit säurefesten Wannen ausgerüstet sind. Auch für die Gasflaschen gibt es in Zukunft spezielle Schränke, und ein neuer Gas-Abzug muss her. Gas und Strom für Experimente und Versuche an den Schüler-Arbeitstischen gibt’s über ein Schienensystem an der Zimmerdecke.

Die vier Chemielehrer sind genauso wie Schulleiter Franz Sommer sehr zufrieden über die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. „Man hat uns immer gefragt, was wir für sinnvoll erachten“, betont Christian Conrad. Wichtig sei ihnen gewesen, dass die Schränke fürs Schüler-Material in Zukunft nicht mehr so viel Platz einnehmen und dass es bessere Möglichkeiten zum Hände- und Materialreinigen gibt. „Waschbecken für jede Arbeits-Reihe wären toll gewesen – aber Luxus, das gebe ich zu“, sagt Conrad – und ist auch mit den umsetzbaren Verbesserungen „vollkommen zufrieden“. Immerhin hat die Stadt Geislingen 180 000 Euro für die Renovierung des Chemiesaals im Haushalt eingestellt. „Was es genau kostet, wissen wir erst hinterher. Denn Bauen im Bestand birgt immer Überraschungen“, sagt German Wehle.

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