In Baden-Württemberg soll es am 18.5.20 wieder mit der Außengastronomie losgehen und auch der Betrieb auf Campingplätzen darf wieder starten. In Geislingen, Hohenstadt und Westerheim ist die Vorfreude nach wochenlanger Schließung groß. Ein Lagebericht:

Es ist still Anfang Mai auf dem Campingplatz in Geislingen, wo sonst meist Geselligkeit und fröhliches Treiben vorherrschen: Auch im Längental wurde Mitte März aufgrund des Coronavirus-Risikos die Schließung des Campingplatzes angeordnet. Eine finanzielle Herausforderung für den Verein 5-Täler-Camping Geislingen, der den mehr als 50 Jahre bestehenden Platz seit Februar 2014 betreibt: „Strom, Telefon, Grundsteuer, Versicherung, Pacht – die Fixkosten bleiben“, erklärt der Vorsitzende Rainer Stuhler im Gespräch mit der GZ. Doch ein Aus drohe nicht: „Es ist nicht so, dass wir am Hungertuch nagen.“

Campingplatz in Geislingen: Vorfreude auf Öffnung zu Pfingsten

Dass die Campingplätze wieder öffnen dürfen, erwartet man im Längental mit Freude: „Wir gehen davon aus, dass der Betrieb bald wieder läuft“, sagt Stuhler. Der Tourismus ist stillgelegt; Dauercamper dürfen normalerweise ganzjährig, momentan nur zur Pflege ihrer Parzelle auf den Platz, Übernachtungen sind nicht erlaubt.

Die Vorbereitungen auf die Wiedereröffnung sind in Gange, der Kiosk wird „geputzt und gestriegelt“, die Terrasse wird wieder bestuhlt und – das größte Projekt – der Innenbereich des Waschraums wurde komplett erneuert, berichtet der Vereinsvorsitzende: Die Elektronik wurde ausgetauscht, der Raum neu verputzt und gefliest sowie LED-Sparlampen eingebaut. Nach aktuellem Stand (7. Mai) fürfen die Sanitärbereiche der Anlagen allerdings zunächst noch nicht öffnen (siehe Infobox).

Wandern auf Löwenpfaden: Gäste aus Bayern in Geislingen

Außer den Dauercampern erwartet Stuhler auch touristische Übernachtungsgäste, hauptsächlich Stammgäste, die unter anderem aus Bayern kommen. Für Juni und Juli seien bereits einige Reservierungen eingegangen: „Den Leuten gefällt es, Ausflüge und Wanderungen zu machen“, weiß der Verantwortliche. Löwenpfade und Aussichtspunkte in Geislingen wie die Burgruine Helfenstein, der Ödenturm und das Ostlandkreuz sind nur einige beliebte Ziele.

Kreis Göppingen

Aufgrund der Corona-Verordnung müssen auch Campingplatz-Betreiber mit Einschränkungen rechnen: „Wir beachten die Vorschriften des Ordnungsamts“, sagt Stuhler.

Camping Waldpark Hohenstadt: Ungeduld bei Dauercampern

Im Waldpark Hohenstadt ist die Anspannung nach der Zwangspause groß: „Wir konnten nichts planen, weil die Landesregierung nichts rausgelassen hat – das ist fatal“, beklagt Eigentümer Axel Röhm, der sich frühzeitiger Informationen etwa zum Öffnungsdatum gewünscht hätte. Bei den etwa 100 Dauercampern mache sich die Ungeduld breit, da für viele der Campingplatz auf der Alb der Haupt-Aufenthaltsort sei und sie dort nun bloß tagsüber bleiben dürfen: „Die Camper verstehen das nicht und ich auch nicht“, sagt Röhm. Einige drohten schon, ihre Miete auszusetzen. Der Verantwortliche dreht jeden Abend eine Runde über den Platz, um so manchen widerwilligen Camper zum Verlassen des Waldparks zu bewegen. Die meisten Gäste hielten sich aber an die Regeln.

Dabei ließen sich im Freien Corona-Regeln wie etwa der Mindestabstand leicht einhalten, meint der Campingplatz-Betreiber. Vorkehrungen zum Infektionsschutz habe man bereits an der Rezeption und in den Sanitäranlagen getroffen. „Wir können von jetzt auf nachher loslegen“, sagt Röhm im Hinblick auf eine baldige Wiedereröffnung.

Reisewarnung – „Run auf Camping-Branche“

Touristen machen im Waldpark Hohenstadt laut Röhm etwa 50 Prozent des Umsatzes aus. Die Hoffnung auf einen „Run auf die Camping-Branche“ durch Reisende aus Deutschland ist aufgrund der weltweiten Reisewarnung groß. So könne man die durch die Corona-Krise bedingten „ordentlichen Umsatz-Einbußen“ möglicherweise kompensieren.

Alb-Camping Westerheim: „Flut an Reservierungen“ erwartet

Nachdem das „komplette Ostergeschäft weggefallen“ ist und zahlreiche Übernachtungen storniert wurden, hofft man nun auch beim Alb-Camping Westerheim auf einen großen Andrang ab der Wiedereröffnung und vor allem über Pfingsten. Man rechne mit so einer „Flut an Reservierungen“ für touristische Übernachtungen, dass man „mit Sicherheit nicht jede Anfrage positiv beantworten“ könne, berichtet Elmar Thanner. Der Betriebsleiter meint: „Die Sehnsucht rauszukommen ist größer als die Angst vor dem Virus.“ Auf dem Campingplatz in Westerheim werden außer dem Zelt-Angebot auch mobile Häuser und weitere Einrichtungen vermietet.

Die mehr als 750 Dauercamper zeigen laut Thanner viel Verständnis für die Situation und hielten sich an die Regeln: „Die Leute waren froh, dass sie überhaupt wieder auf den Platz dürfen – vor allem bei dem guten Wetter.“ Der Zuspruch der Stammgäste an die Betreiber sei groß gewesen.

Swimming-Pool bleibt wohl geschlossen

Um die Ausbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen, werden auch in Westerheim „strengste Auflagen“ gelten. Einen Großteil der Voraussetzungen erfülle man bereits, nachdem im Herbst 2019 unter anderem kontaktlose Seifen- und Desinfektionsmittel-Spender eingerichtet wurden, erklärt Thanner: „Das kommt uns zugute.“ Zwischen den Parzellen seien zudem ohnehin zwei Meter Abstand im Sinne des Infektionsschutzes. Wann die Camping-Gäste dann auch den Swimming-Pool wieder nutzen können, ist noch ungewiss. Das Land schreibt vor, „Angebote mit gemeinschaftlicher Nutzung“ zunächst nicht zu öffnen.

Campingplätze dürfen ab 18.5.20 öffnen


Campingplätze in Baden-Württemberg haben ab dem 18.5.20 die Möglichkeit, wieder schrittweise öffnen zu können, wie die Landesregierung mitteilt. Campingplätze dürfen für touristische Übernachtungen im Caravan, im Reisemobil oder in festen Mietunterkünften sowie für das Dauercamping geöffnet werden, sofern sie eine autarke Versorgung sicherstellen. Die Sanitärbereiche der Anlagen bleiben zunächst geschlossen. Gleiches gilt für Wohnmobilstellplätze.