Raum Geislingen / KARSTEN DYBA  Uhr
Alle Welt redet über unkontrollierte Einwanderung. Keine Grenzen, keine Zäune halten sie auf. Wie soll man nur dem Problem Herr werden?

Die illegal Eingereisten vagabundieren durch unsere Wälder und über Felder, immer entlang der Flüsse oder der Autobahn, an deren Verlauf sie sich orientieren. Keiner weiß, wie viele kommen. Meist weiß man auch nicht, warum sie kommen und wohin sie wandern.

Nein, Gott bewahre, von Menschen ist ausnahmsweise einmal nicht die Rede. Auf der Schwäbischen Alb sind es Flora und Fauna, die so manches Geheimnis bergen – zum Beispiel die überraschende Präsenz von Tierarten, die längst als ausgestorben galten. Eine kleine Sensation war es, als bei Merklingen ein echter Wolf gefunden wurde – zwar überfahren und tot, aber echt. Wo er herkam, ließ sich nur vermuten. Inzwischen wissen wir, dass sein Bruder auf der Autobahn bei Karlsruhe endete.

Jetzt registriert das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz einen neuen Einwanderer: Friedl, ein einsam umherwandernder Luchs, vermutlich auf Brautschau, hat es ebenso wie den namenlosen Wolf erst aus der Schweiz und dann vom Schwarzwald her auf die Alb verschlagen. Zwischendurch war er durchs Neckartal und dann über die Alb bis nach Ulm gewandert, um entlang der Autobahn 8 und über Kirchheim/Teck ins Obere Donautal zurückzukehren. 1600 Kilometer habe er im Ländle bereits zurückgelegt.

Halsband sendet Aufenthaltsort

Warum das Ministerium das so genau weiß? Luchs Friedl ist als Einwanderer registriert und unterliegt sozusagen behördlicher Überwachung. Denn seine Position verrät ein Halsbandsender, den er bei seiner Registrierung am 9. April im „Hot Spot“ Elztal verpasst bekommen hat. Einmal am Tag versucht sich das Halsband in das Handynetz einzuwählen, um die erhobenen Daten per SMS zu verschicken – sofern es ein Netz bekommt. Das erlaubt den Forschern seit gut 260 Tagen „spannende Einblicke in das Leben der seltenen Pinselohren“, schreibt das Ministerium.

Die Forscher suchen dann nach Resten von Beutetieren. Landwirte können beruhigt sein: Friedl mag vor allem Rehe und Gemsen. Dass er Schafe und Ziegen erbeutet, sei eher die Ausnahme. Die Forscher informieren und so „einer Romantisierung des Beutegreifers einerseits und einer Dämonisierung andererseits entgegenzuwirken“. Zuletzt soll sich Friedl im Bereich des Oberen Donautals aufgehalten haben. Sein Streifgebiet ist etwa 20 Kilometer groß. Wir können Entwarnung geben: Eine Notunterkunft wird er nicht benötigen.