In die falsche Richtung geht nach Ansicht von Gerti Stiefel die Energiewende. Die Vorsitzende des neu gegründeten Vereins "Mensch-Natur" hält zwar den Ausstieg aus der Atomenergie für richtig, glaubt aber, dass der Ausbau von Fotovoltaik-, vor allem aber von Windkraftanlagen der falsche Weg ist. Weder Sonne noch Wind würden im großen Maßstab zuverlässig Strom erzeugen, beide regenerative Quellen seien also nicht grundlastfähig. Es müssten daher weiterhin Gas-, Kohle- und Wasserkraftwerke in ausreichender Kapazität bereitgestellt werden.

Die Diplom-Ingenieurin kämpft mit ihren Mitstreitern in der Bürgerinitiative (BI) Stauferland gegen den von der Landesregierung vorangetriebenen Ausbau der Windkraftnutzung. Die Initiative will verhindern, dass im Schurwald Windkraftanlagen installiert werden. Für dieses Anliegen hat "Stauferland" mehr als 1700 Unterschriften gesammelt. Im März hat sich die BI mit den Bürgerinitiativen Adelberg, Ebersbach, Berken und Pro Schurwald zum Verein "Mensch-Natur" zusammengetan. Der Verein hat seinen Sitz in Göppingen.

"Energieerzeugung muss ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein; sie muss vor allen Dingen auch natur- und menschenverträglich sein", fordert der Verein. Unter dieser Prämisse sieht Stiefel kaum eine Möglichkeit in Deutschland die Windenergie zu nutzen, weder an Land noch zur See.

"Wir haben zu wenig Wind"

In Baden-Württemberg reiche die Auslastung bei Weitem nicht. Um wirtschaftlich zu arbeiten, bräuchten Windräder auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald 2000 Volllaststunden im Jahr. Erreicht würden im Land aber nur 1150 Stunden, sagt Stiefel. "Wir haben zu wenig Wind", ist die Birenbacherin überzeugt. Daher sei es nicht zu rechtfertigen, dass Menschen und Natur durch die rund 200 Meter hohen Anlagen belastet werden. Windräder seien hochmoderne Industrieanlagen. Zusammen mit Stromtrassen und Speicherkraftwerken bedeute dies die Industrialisierung der Landschaft, sagen die Windkraftgegner.

Nach Angaben der Vorsitzenden müssten für jedes Windrad im Wald bis zu 10 000 Quadratmeter Fläche abgeholzt werden. Zudem würden Vögel und Fledermäuse durch die Rotoren massenhaft getötet. Gerti Stiefel verweist dabei auf eine Studie von Forschern des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Demzufolge würden jährlich mehr als 200 000 Fledermäuse, die von und nach Nordosteuropa durch Deutschland ziehen, an Windkraftanlagen verunglücken. Dabei würden die Tiere nicht von Rotorblättern "zerhäckselt". Vielmehr würden ihre Lungen und andere Organe wegen der starken Druckschwankungen platzen.

Die Windkraftgegner haben sich auch Gedanken über Alternativen gemacht. Sie fordern ein Innehalten, weil die beschleunigte Energiewende planlos sei. Stiefel und ihre Mitstreiter setzen auf eine dezentrale Energieversorgung in Kommunen oder gar Häusern. Dann müssten auch keine gewaltigen Überlandleitungen gebaut werden. Ein Niedervoltnetz soll Haushalte und Büros mit einem Großteil des benötigten Stroms versorgen. Zudem könne noch viel Strom eingespart werden, zum Beispiel durch den Einsatz von LED-Technik und dem Verbot von Stand-by-Schaltungen.