Es ist Freitagabend kurz nach 18 Uhr: Schrill heult die Sirene am Türkheimer Rathausdach. Im Obergeschoss des dahinter liegenden Kindergartens ist ein Feuer ausgebrochen, das auch auf den nahegelegenen Bauernhof übergreift. Rauchwolken dringen bereits aus den unteren Betreuungsräumen des Kindergartens, in denen ein Dutzend Jungen und Mädchen jäh aus ihrem lustigen Spiel gerissen werden.

Der Rauchmelder an der Decke hat rechtzeitig Alarm geschlagen, worauf die Kindergartenleiterin, Eva Neuwirth, über die Notrufnummer 112 die Feuerwehr verständigt. Dann bringt sie mit ihrer Kollegin Sabine Bühlmaier alle Kinder geordnet Hand in Hand in Sicherheit.  Gott sei Dank ist dies kein Ernstfall, sondern das Szenario der alle zwei Jahre stattfindenden Feuerwehrhauptübung.

Ausgedacht hat sich die ziemlich real gespielte Lage Löschzugführer Ulrich Hartinger von der Türkheimer Wehr. Kaum fünf Minuten sind vergangen, als das Löschfahrzeug der Ortsfeuerwehr eintrifft und vom Kommandanten der Ruf „Wasser marsch“ zu hören ist. Nach und nach erscheinen auch die Wehren Aufhausen und Wittingen, um den Brand zu bekämpfen. Aus der Scheune des nicht mehr betriebenen landwirtschaftlichen Anwesens kommen Hilferufe eines von den Flammen dort Eingeschlossenen. Dieser, wie auch eine weitere Person (ein Dummy), die sich in einem schlecht zugänglichen Silo befindet, werden über eine mitgeführte Sprossenleiter sicher geborgen. Das DRK Geislingen hat unweit einen Behandlungsplatz eingerichtet, der insgesamt fünf Verletzte aufnimmt. Darunter auch einen Feuerwehrmann, dem sein Atemschutzgerät versagte und der selbst gerettet werden muss.

DRK-Einsatzleiter Raimund Matosic beschreibt die Erstbehandlung: Die acht Sanitäter, aufgeteilt in zwei Behandlungsmodule, kümmern sich in erster Linie um die Sauerstoffversorgung der „Patienten“, die in der Regel an Atembeschwerden leiden. „Zuvor findet  natürlich ein sorgfältiger Bodycheck statt“, sagt der erfahrene Sanitäter, wobei der DRK-Einsatzleiter vor allem ein prüfendes Auge auf seine jungen Schützlinge richtet, die derzeit ausgebildet werden.

Die Geislinger Wehr ist mit etlichen Kräften ebenfalls im Einsatz. Allerdings kann  die mitgeführte große Drehleiter nur bedingt eingesetzt werden. Ansonsten läuft alles wie am Schnürchen. Im Einsatz sind auch elf Feuerwehrmänner aus Kuchen. Da die Feuerwehr von Geislingen bereits durch einen anderen Einsatz gebunden war, so die Übungsvorgabe, eilen die Kuchener  mit zwei Einsatzfahrzeugen den Brandbekämpfern auf der Alb zur Hilfe.

Etliche Zuschauer sowie Kinder mit ihren Eltern beobachten das angekündigte Schauspiel. Darunter auch die Elternbeirätin Simone Greeß, deren fünfjähriger Noah mit weiteren Kindergartenkindern im Geislinger  Feuerwehrmagazin bereits auf dieses Geschehen vorbereitet wurde und es „super“ fand. Die zwölf Buben und Mädchen sind die ganze Zeit „ganz entspannt gewesen“, meint die Erzieherin.

Nach der Übung sind der stellvertretende Kommandant der Geislinger Wehr, Andreas Baumholzer, wie auch Löschzugführer Ulrich Hartinger bei Bratwurst und diversen Durstlöschern im Feuerwehrmagazin voll des Lobes – über das Zusammenspiel der Einsatzkräfte und natürlich über die Kindergartenkinder, die toll mitgespielt haben.