Türkheim Blick auf die Welt und ihre Menschen

Clemens Bittlinger, begleitet von David Kandert (Perkussion) und Eberhard Rink (Akkordeon und Keyboard) begeisterten in der Sankt Vitus Kirche in Türkheim ihr Publikum mit feiner Musik, vielen geistigen Impulsen und mit Humor.
Clemens Bittlinger, begleitet von David Kandert (Perkussion) und Eberhard Rink (Akkordeon und Keyboard) begeisterten in der Sankt Vitus Kirche in Türkheim ihr Publikum mit feiner Musik, vielen geistigen Impulsen und mit Humor. © Foto: Patricia Jeanette Moser
Türkheim / Von Patricia Jeanette Moser 20.07.2018
Clemens Bittlinger lockte das Publikum zahlreich in die St. Vitus Kirche in Türkheim und bot Musik mit Tiefgang.

Punkt acht startete Clemens Bittlinger, der „Rockpfarrer“, wie er auch genannt wird, in den Konzertabend. Zwei Stunden brachte er Altbekanntes und neue Lieder, die demnächst auf einer neuen CD zu hören sein werden. „Unerhört“, so lautet der Titel seines Programms und den passenden Titel gibt es gleich dazu. Clemens Bittlinger begleitet sich auf mehreren Konzertgitarren selbst und wird dabei von zwei Vollblutmusikern unterstützt.

David Kandert ist dem Publikum gut bekannt mit seinem  einfühlsamen Gesang und den vielen perkussiven Instrumenten. Er gibt alles, trommelt mit Händen und Füssen, während sein Körper dabei rhythmisch mitschwingt. Ein neues Instrument hat er an diesem Abend dabei, die „Handpan“. Die Klänge lassen dabei an die Karibik denken.

Als zweiter musikalischer Begleiter sitzt Eberhard Rink am Keyboard, singt solo und unterstützt stimmungsvoll und virtuos mit dem Akkordeon so manchen Titel. Der Vollblutmusiker und Musikproduzent arbeitete unter anderem musikalisch mit dem Kinderliedermacher Rolf Zu­ckowski zusammen, wie Clemens Bittlinger wissen lässt.

Mit dem Titel „Komm herein, ruh´ dich aus“ heißt der Sänger sein Publikum willkommen. Es folgt ihm an diesem Abend von Anfang bis zum Ende mit viel Aufmerksamkeit und der Bereitschaft, mitzusingen und mitzudenken.

Das Repertoire bietet reichlich Gelegenheit dazu. Als Pfarrer ruht der Blick von Clemens Bittlinger auf der Welt und ihren Menschen. Mit den Reliefs von Martin Luther und Philipp Melanchton im Rücken, erzählt er von Kirchentagen, von Reisen mit christlichem Weitblick und von der Freundschaft mit dem Dresdner Friedenspfarrer Christian Führer. Ein Blick zurück ins Jahr 1981, als die ersten Friedensgebete die spätere Maueröffnung ankündigen, berührt ihn heute noch sichtlich. Clemens Bittlinger wird auch politisch in seinen Liedern, seinen Texten und seiner Moderation.

Das Publikum in der Sankt Vitus Kirche lauscht ihm gerne und singt engagiert bei vielen Liedern mit. Die erklärende Überleitung zu Bibelstellen wird interessiert angenommen. Aussagekräftig sind alle seine Texte und nie manipulativ. Das Publikum folgt Bittlingers Worten im Lied und in seiner Moderation gerne, wie die Reaktionen zeigen. Gemeinsame Grundlage dabei ist der Glaube,  das ist offensichtlich. Der Abend zeigt sich eingerseits nachdenklich und tiefgründig, lässt den Humor andererseits nicht vermissen.

Bei rhythmischen Mutmach-Liedern singen die Gäste mit. Beim Titel „Aufstehn“ folgt das Publikum spontan der Aufforderung, klatscht und singt auch hier leidenschaftlich mit. „Damit ihr Hoffnung habt“ ist ein weiterer Titel, der erbauend auf die Zuhörer wirkt. Begeisterung greift im Kirchenraum um sich.

Beim Titel „Trüber Gast“ vertont Clemens Bittlinger ein Goethe-Zitat. Der Titel „Manche Not kommt aus dem Vergleich“ orientiert sich an einem Zitat des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. Der Ausflug in die geistig philosophische Welt gefällt dem Publikum sichtlich, es fühlt sich ernst genommen und belohnt den Sänger und seine Begleitmusiker mit Aufmerksamkeit und viel Applaus. Die Zugaben fallen üppig aus. Die Nationalhymne am Ende des Abends, mit eigenem „Bittlinger-Text“,  warnt vor Wut, die Gefahr in sich birgt und plädiert für den Frieden. Eine weitere Zugabe mit dem Titel „Forever“ widmet sich dem Tätowier-Trend der Gegenwart und weckt Heiterkeit. Mit „Sei behütet“ entlässt Clemens Bittlinger sein Publikum stimmungsvoll und gesegnet. Mitsingende Zuschauer bekreuzigen sich und verlassen danach erfüllt die Sankt Vitus Kirche und das Konzert.

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