Gläserne Produktion Bioland-Siegel garantiert stabile Preise

Sontbergen / Von Jochen Horndasch 09.07.2018

Völlig unbeeindruckt kaut die Kuh seelenruhig ihr Kleegras. Auch die anderen Stallgefährtinnen lassen sich durch die vielen Menschen nicht aus der Ruhe bringen. Vielleicht spüren sie, dass sie heute im Mittelpunkt stehen und gut 2000 Besucher aus nah und fern nur ihretwegen gekommen sind. Auch Prominenz, wie der Heidenheimer Landrat Thomas Reinhardt, Ministerialdirektorin und stellvertretende baden-württembergische Landwirtschaftsministerin Grit Puchan, der Geschäftsführer von Bioland Dr. Christian Eichert, Landtagsabgeordneter Martin Grath sowie Christian Ziegler vom Kreisbauernverband Heidenheim besuchten gestern die Kühe und präsentierten den Landkreis Heidenheim und einige angrenzende Gemeinden als Bio-Musterregion.

Dass dies alles in der 120-Seelen-Gemeinde Sontbergen bei Gerstetten geschah, hat einen einfachen Grund:  Der dort ansässige Biohof Dauner, ein 110 Hektar großer Milchviehbetrieb, hatte am Sonntag seine Stalltüren geöffnet. Im Rahmen der alljährlich stattfindenden Aktion „Gläserne Produktion“ des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums war der Blick hinter die Kulissen eines nach den Kriterien von Bioland geführten Bauernhofes frei.

Das Thema Bio, die Herstellung und der Verkauf von Bioprodukten und Lebensmitteln standen im Mittelpunkt. Wie Dr. Christian Eichert vom Biolandverband sagte, gehöre zu Bio beispielsweise das Verbot von Spritzmittel, der Verzicht auf chemisch-synthetische  Stickstoff-Düngemittel und Pestizide sowie gentechnisch veränderte Organismen. Auch die artgerechte Tierhaltung ist eines der sieben Prinzipien der Landwirtschaft nach Bioland.

Davon profitieren die 75 Milchkühe und gut 100 Stück Jungvieh auf dem Biohof Dauner, die allem Anschein nach rundum zufrieden sind. Die Stallführung mit Ernst und Sohn Manuel Dauner lässt daran jedenfalls keinen Zweifel. Wenige Tage alte Kälbchen dösen in einem dick eingestreuten Auslauf in Großraum-Iglus vor sich hin. Nach sechs Wochen werden die kleinen Bullen aussortiert und zur Mast verkauft. Die Mädel bleiben auf dem Hof, werden groß gezogen und bekommen im Alter von zwei Jahren erstmals ein Junges. 284 Tage trägt eine Kuh und kurz vor der Niederkunft geht es gemeinsam mit anderen tragenden Kühen in die eigens eingerichtete Abkalbebucht, was insbesondere für die Geburtshygiene wichtig ist.

Zuständig für den vierbeinigen Nachwuchs auf dem vor vier Jahren auf Bio umgestellten Hof der Dauners ist Bulle Martin. 80 bis 90 Kälber im Jahr gehen auf sein Konto. Im Schnitt wird jedes weibliche Rind alle 21 Tage brünstig, was Martin zwangsläufig aus der Reserve lockt. Nach den Worten von Manuel Dauner bringt eine gute Kuh etwa 30 Liter Milch am Tag. Durch den weitgehend konstanten Preis, der bei der ökologischen Milchproduktion bezahlt werde, herrsche Planungssicherheit und die Biolandwirtschaft werde lukrativ.

Strenge Auflagen

Allerdings müssen im Vergleich zur konventionellen Bewirtschaftung einige Forderungen erfüllt werden, die mehr Geld und Aufwand kosten. So können die Kühe der Dauners nach Belieben vom Stall auf die neun Hektar große Kurzrasen-Weide, die ihnen von Frühjahr bis Herbst zur Verfügung steht. Im Winter sind sie im Laufstall untergebracht und können sich dort nach Belieben bewegen und rumlaufen. Jeweils morgens und abends herrscht Andrang am Melkstand, den sich acht Kühe teilen. Dort wird Bio-Milch gezapft, die gemäß wissenschaftlicher Untersuchungen in Sachen Nährstoffqualität herkömmlicher Milch deutlich überlegen ist. Wie Ministerialdirektorin Grit Puchan betont, liege dies nicht zuletzt an der artgerechten Haltung mit Weidegang und Grünfutter, für die der Verbraucher längst bereit ist, mehr zu bezahlen.

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