Türkheim / Von Isabelle Jahn  Uhr
Von der Biogasanlage im Gewerbepark bei Türkheim gehen starke Gerüche aus, die sich auf die Luft im Ort auswirken. Das haben professionelle Schnüffler ermittelt.

Nach jahrelangen Geruchsproblemen in und um Türkheim steht jetzt die Ursache fest: Von der Biogasanlage gehen so starke Gerüche nach Vergorenem aus, dass der Betreiber Schradenbiogas Maßnahmen ergreifen muss. Dies ergab die sogenannte Immissionsrasterbegehung, wie die Geislinger Stadtverwaltung im Gespräch mit unserer Zeitung mitgeteilt hat. Aus den Gärrest-Becken, in denen sich vergorene Lebensmittel-Abfälle mit Wasser mischen, entweichen Gerüche, die auch in Türkheim wahrgenommen werden.

Geschulte Personen beurteilten ein halbes Jahr lang an mehreren Messpunkten Geruchsimmissionen, die erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit verursachen. Das Geruchsgutachten hat der Zweckverband Gewerbepark Schwäbische Alb in Auftrag gegeben – Kosten etwa 35 000 Euro.

Es stinkt zu oft nach Vergorenem

Der entscheidende Faktor, der Schradenbiogas zum Handeln verpflichtet, ist das Messergebnis am Standort im Gewerbepark Schwäbische Alb mit 25 Prozent Geruchsstunden im Jahr: In einem Gewerbegebiet sind nach der geltenden Richtlinie höchstens 15 Prozent zulässig. Das heißt: Es stinkt zu oft nach Gärrest.

Ein Foliendach soll Abhilfe schaffen

Nun sollen die drei Gärrest-Behälter der Biogasanlage mit einem Foliendach abgedeckt werden, wie das Regierungspräsidium Stuttgart auf Nachfrage der GZ mitteilte. Die Abluft der Behälter werde künftig abgesaugt und über einen Biofilter gereinigt. Das Genehmigungsverfahren für die Maßnahme nehme einige Wochen in Anspruch, einen Zeitpunkt zur Umsetzung nennt das RPS aktuell nicht.

Oberbürgermeister Frank Dehmer hofft, dass bald gehandelt wird: „Ich schlage mich seit viereinhalb Jahren mit dem Problem herum.“ Die Grundidee einer Biogasanlage sei gut – „aber nur, wenn’s funktioniert und sie die Bürger nicht belastet“.

Am Dienstag, 21. Mai, findet ab 19 Uhr im Türkheimer Gemeinschaftshaus eine Informationsveranstaltung für die Bürger statt. Dort werden die Ergebnisse der Rasterbegehung vorgestellt.

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Wie werden die Gerüche „gezählt“?

Der Belästigungsgrad durch Gerüche wird anhand der mittleren jährlichen Häufigkeit von Geruchsstunden beurteilt. Das diente der iMA Richter & Röckle GmbH & Co. KG als Grundlage für die Rasterbegehung in Türkheim. Eine Geruchsstunde liegt vor, wenn Anlagen-typischer Geruch während mindestens sechs Minuten innerhalb einer Stunde wahrgenommen wird.