Geislingen Bierbrauer: Ein Jahrtausende altes Handwerk erlernen

Nico Ströhle startet bald ins zweite Ausbildungsjahr bei der Kaiser-Brauerei in Geislingen. Der 22-Jährige lernt für den Beruf des Brauers auch den Umgang mit zahlreichen Maschinen.
Nico Ströhle startet bald ins zweite Ausbildungsjahr bei der Kaiser-Brauerei in Geislingen. Der 22-Jährige lernt für den Beruf des Brauers auch den Umgang mit zahlreichen Maschinen. © Foto: Patricia Jeanette Moser
Geislingen / Patricia Jeanette Moser 31.08.2018
Der Beruf des Brauers und Mälzers vereint Tradition und Moderne. Auszubildende begleiten den umfassenden Prozess bis zum frischen Bier.

Braumeister und Ausbildungsmeister Ulrich Rink zapft in der Filterhalle ein Glas Bier und analysiert mit Azubi Nico Ströhle, wie klar das Getränk ist und wie der Schaum beschaffen ist.  Beide zeigen sich zufrieden mit dem frischen Gerstensaft. Die Kaiser-Brauerei in Geislingen, in der zurzeit zehn Braumeister handwerkliche Tradition und alte Braurezepte zeitgemäß umsetzen, bildet jedes Jahr Auszubildende als Brauer und Mälzer aus. Ein Azubi fürs neue Ausbildungsjahr ist bereits gefunden, für 2019 kann man sich noch bewerben.

Nico Ströhle aus Geislingen, der sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium absolvierte, wechselt dieser Tage vom ersten ins zweite Ausbildungsjahr. Der 22-Jährige wird zurzeit in der Produktion eingesetzt. Das heißt für ihn: den Gesellen helfen, sieden und „schlauchen“. Er arbeitet an den Lagertanks, an der Filtration und bei der Reinigung.

„Der Beruf des Brauers und Mälzers ist sehr gefragt und bietet ein breites Tätigkeitsspektrum“, sagt Christoph Kumpf von der Geschäftsleitung: Ein Brauer überprüft das Getreide, bedient die vielen technischen Geräte im Sudhaus, Kühlhaus, Gärkeller, Lagerkeller sowie in der Abfüllung und arbeitet im Labor. Der Beruf erfordert daher gute Schulleistungen in den Fächern Mathematik, Chemie, Physik und Biologie. Viele Abiturienten und Fach-Abi­turienten streben heute die dreijährige Ausbildung an. Grundsätzlich steht dieses Tor auch Hauptschülern und Realschulabsolventen offen.

Nico Ströhle ist in seiner Ausbildung von Anfang an in alle Prozesse eingebunden und erhält immer mehr eigene Aufgaben, erzählt der 22-Jährige. Die Berufsschule besucht er blockweise in Ulm. Ein Praktikum absolvierte er während der Schulzeit, bevor die Entscheidung für den Beruf Brauer und Mälzer endgültig getroffen war. Das empfiehlt Ulrich Rink Berufseinsteigern: „Wir lernen die Interessenten gern bei einem einwöchigen Praktikum kennen.“ Er bildet seit 1995 den Nachwuchs in der regionalen Familienbrauerei aus und ist selbst seit 35 Jahren im Betrieb. Die Arbeit mit den jungen Menschen macht ihm viel Spaß.

Bier wurde schon von den Römern und Ägyptern getrunken. „Der Beruf des Brauers und Mälzers ist einer der ältesten Berufe der Welt“, sagt Christoph Kumpf. Im Mittelalter braute sich fast jeder sein eigenes Bier. Heute ist der Brauer und Mälzer für volle Fässer und Flaschen zuständig. Im Mittelalter wurden beim Herstellungsprozess zahlreiche „unorthodoxe“ Zutaten beigefügt, so entstand der Begriff „sauer Bier“. Die Tollkirsche als Zusatz zum Beispiel verursachte einen schnellen Rausch. Seit 1516 besagt das Reinheitsgebot, dass in ein Bier Gerste, Hopfen und Wasser gehören. Die Hefe fand stets Verwendung, wurde zunächst als Nebenprodukt betrachtet und erst später in die Zutatenliste aufgenommen.

Das Brauereiwesen ist nach wie vor ein echtes Handwerk, das sich in Anpassung an die Zeit weiter entwickelt. Die handwerkliche Arbeit steht der Computertechnik gegenüber. Wechselnde Geschmäcker und der Zeitgeist bringen neue Produkte hervor, die andere ablösen. Innovation, statt Berufs-Einerlei, macht den Beruf spannend.

„Der Brauer muss für seinen Beruf brennen und Freude am Produkt haben.“ Das weiß Ulrich Rink aus seiner langjährigen Erfahrung. Nico Ströhle bereut seine Entscheidung für den Beruf nicht und verzichtet sogar darauf, dass seine Ausbildungszeit verkürzt wird. Er will alles lernen – ohne Eile.

Bei der Berufswahl an Alternativen denken

Selten hatten junge Menschen so gute Startbedingungen für ihr Berufsleben wie jetzt. Fachkräfte mit einer Ausbildung und aufbauenden Qualifizierungen sind auf dem Arbeitsmarkt extrem gefragt und haben ebenso gute Karrierechancen wie mit einem Studium. Insgesamt gibt es rund 350 Ausbildungsberufe – und in nahezu allen werden Nachwuchskräfte gesucht. Es lohnt sich, neben den „Top 10“ der beliebtesten Ausbildungsberufe auch die nicht so bekannten anzuschauen und attraktive Alternativen für sich zu entdecken. In der Serie stellen wir einige von ihnen vor.

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter bringen Auszubildende und Betriebe zusammen.

Arbeitgeber, die einen Ausbildungsplatz anbieten möchten, erreichen den gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Göppingen und des Jobcenters über die kostenlose Hotline:
Tel. 0800 4 5555 20

Junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, erhalten einen Termin für ein Beratungsgespräch bei der Berufsberatung über die kostenlose Hotline: 
☎ 0800 4 5555 00

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