Schulneubau Bienen und Ziegen schon da

Drei kleine Thüringer Waldziegen sind am künftigen Waldorf-Schulgelände im Zillerstall eingezogen. Diese Rasse, die auf der Roten Liste steht und als besonders erhaltungswürdig gilt, ist vom Aussterben bedroht.
Drei kleine Thüringer Waldziegen sind am künftigen Waldorf-Schulgelände im Zillerstall eingezogen. Diese Rasse, die auf der Roten Liste steht und als besonders erhaltungswürdig gilt, ist vom Aussterben bedroht. © Foto: Markus Windstoßer
Geislingen / SWP 15.08.2018
Der Spatenstich für die neue Waldorfschule am Zillerstall in Geislingen verzögert sich. Noch nicht genügend Echsen sind umgesiedelt. Dafür leben aber schon drei Ziegen am Gelände.

Eigentlich sah die Planung so aus, dass im Herbst der Spatenstich für die neue Waldorfschule Sankt Michael im Zillerstall erfolgen sollte und die Baugrube ausgehoben wird. Dem ist leider nicht so, meldet die Schule auf ihrer Homepage im Internet. Das Gelände dort wurde Anfang des Jahres bereits vorbereitet, um ein Ersatzhabitat für Eidechsen zu schaffen.

Dieses Gärtle für die Echsen ist nicht nur mit einem Schutzzaun gesichert, sondern es wurden dort auch Steinhaufen, Sandinseln, Reisighaufen und Wurzelstubben als sogenannte Strukturelemente modelliert, damit sich die Tiere im umzäunten Gelände wohlfühlen, ungestört bleiben und nicht vertrieben werden während der Bauarbeiten. Mittlerweile bewohnen viele dieser Tiere bereits diesen Schutzraum. Aber wohl noch nicht genug.  Es fand wohl eine erste Sammelaktion im Frühsommer statt, jedoch war die Anzahl der gefangenen Zauneidechsen für die Umweltbehörde zu gering. Dies bedeutet für die Schule, es muss eine zweite Sammelaktion, voraussichtlich im September stattfinden.

Bis dahin darf nichts Größeres auf dem Grundstück geschehen. Dennoch teilte die Schule jüngst mit,  dass die Kaulquappen im zukünftigen Schulteich bereits zu kleinen Fröschen geworden sind, dass es an vielen Stellen auf dem Gelände blüht.

Gartenbaulehrerin Tanja Lingscheidt ist aber bereits mit kleinen und großen Helfern am Gelände aktiv geworden, die Schulgemeinschaft hat seit einigen Wochen neue „Mitglieder“, die ihre „Wohnung“ am Zillerstall bereits bezogen haben. So stehen schon vier Bienenvölker an ihrem neu eingerichteten Platz und erfreuen sich an der üppigen Blütenpracht. Fleißig sammeln sie den ganzen Tag über Nektar und Pollen, um die Schüler irgendwann mit Honig zu verwöhnen. Umsorgt werden sie dabei unter anderem von der fünften Klasse, deren Thema im Gartenbau in diesem Jahr die Bienen sind.

„Gartenbau ist eines der ab­wechslungsreichen Fächer an der Waldorfschule, eines bei dem man manchmal ganz vergisst, dass man in der Schule ist“, heißt es in der Mitteilung der Schule.

Schon einige Tage vor den Bienen sind drei kleine Ziegen in ihren Stall im Zillerstall eingezogen, die nun dem „Goißatäle“, an dessen Eingang sie wohnen, alle Ehre machen. Noch bleiben sie im Stall und warten –  genau wie alle anderen Mitglieder der Schulgemeinschaft –, dass aus Sicht des Naturschutzes das Gelände betreten werden darf.

Die Zicklein haben sich mittlerweile schon recht gut eingelebt, werden von Tag zu Tag frecher und gedeihen prächtig. Sie sind Thüringer Waldziegen, eine Rasse, die auf der Roten Liste steht und als besonders erhaltungswürdig gilt, da vom Aussterben bedroht. Die ersten Schüler haben sie schon begrüßt, andere warten noch darauf.

Mit den Tieren kommen neue Erfahrungen, aber auch Aufgaben auf die wachsende Schulgemeinschaft zu. Sie müssen gehegt und gepflegt werden, und zwar nicht nur an sonnigen und warmen Tagen, sondern natürlich auch wenn es schneit oder Ferien sind. Wer Lust und Freude hat, sich an einem Arbeitskreis zur Versorgung der Tiere zu beteiligen, darf sich bereits jetzt im Schulbüro melden. Lehrerin Tanja Lingscheidt hofft auf eine große Zahl an Freiwilligen, mit denen sich die verantwortungsvolle Aufgabe gemeinsam stemmen lässt. „Die Ansiedelung der Tiere ist einer von vielen Schritten, welche die neue Schule für die Schüler nicht nur zu einem Ort des Lernens, sondern zu einer Heimat werden lassen soll“, heißt es abschließend.

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