Geislingen Besuch in Schloss und Kirche

Geislingen / Jochen Horndasch 08.08.2018
42 Teilnehmer besichtigten mit Gästeführerin Heidi Rigl das Eybacher Schloss und die Kirche Mariä Himmelfahrt in Eybach.

Der Blick hinter die Kulissen eines Adelsgeschlechts ist nach wie vor ein Publikumsmag­net. Den Beweis dafür lieferten 42 Gäste, die sich trotz brütender Hitze auf den Weg machten, um einen Grafen sowie dessen Schloss und Park hautnah zu erleben. Möglich machten es die Stadt Geislingen und Gästeführerin Heidi Rigl, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sommer der Ver-Führungen zu einem Besuch bei blaublütiger Aristokratie eingeladen hatten.

In Eybach, nur rund fünf Kilometer vom Zentrum Geislingen entfernt, residiert seit Hunderten von Jahren das Geschlecht derer von Degenfeld. Einer der adligen Überbleibsel ist Graf Ferdinand von Degenfeld-Schönburg, stolzer Eigentümer des von dicken Mauern umgebenen Schlosses aus dem 18. Jahrhundert sowie einem knapp ein Hektar großen Park. Über die zum Anwesen gehörenden Ländereien verrät er augenzwinkernd nur so viel: „Wenig, aber es reicht“.

Die Familie von Degenfeld wurde erstmals 1270 erwähnt. Sie hatten ihren Wohnsitz im gleichnamigen Dorf nahe Schwäbisch Gmünd. 1456 kamen sie nach Eybach, nachdem sie den Ort und die umliegenden Ländereien für 8000 Gulden gekauft hatten. Die Burg Hoheneybach auf der Albhöhe beim Himmelsfelsen war bis Mitte des 16. Jahrhunderts ihr Stammsitz. Dann entstand am Standort des heutigen Schlosses ein Renaissanceschloss, das nach der Zerstörung von Hoheneybach im Dreißigjährigen Krieg Hauptwohnsitz wurde.

In den Jahren 1766 bis 1775 ­erweiterte der württembergische Landesbauinspektor Johann Adam Groß dieses Renaissancegebäude um den Hauptbau und den Ostflügel zu seiner heutigen Größe.

Das Leben als Schlossherr hat nicht nur Sonnenseiten. Nach den Worten des Grafen von Degenfeld-Schönburg laufe der ständige Erhaltungsaufwand mächtig ins Geld und auch das Wohnen im Schloss mit seinen über vier Meter hohen Räumen sei mit dem in einem modernen Haus nicht vergleichbar. Trotz einer neuen modernen Hackschnitzelanlage sei man im Winter von wohliger Wärme weit entfernt. Dafür entlohnt die wärmere Jahreszeit mit dem wunderschönen,  knapp einen Hektar großen Park, der sich direkt an die Repräsentationsräume im Erdgeschoss anschließt. Vom klassizistischen Gartensaal mit seinen grünen Wänden, an denen große Bilder von ehemaligen Aristokraten verschiedener Adelshäuser hängen und mit seinem gusseisernen Ofen aus den Hüttenwerken von Wasseralfingen hat man einen faszinierenden Ausblick zum Park.

Bis zu 200 Jahre alte Eiben, Tulpenbäume, Ulmen, Ahorn und Kastanien spenden dort Schatten und laden zu einem Spaziergang über knirschende Kieswege ein. Selbst vier Umweltmammutbäume, sogenannte Metasequoie ragen in den Himmel. Diese bis zu 50 Meter hohe Nadelbäume wurden erst 1941 in einer abgelegenen Region in China entdeckt und sind zurecht der ganze Stolz des Grafen.

Auf den Besuch beim Adel folgte ein Besuch der Mariä Himmelfahrt Kirche in Eybach. Dieses Gotteshaus wurde Mitte des 15. Jahrhunderts im spätgotischen Stil erbaut und stand zwischen 1648 und 1968 beiden Konfessionen zur Verfügung.  1970 erfolgte ein grundlegender Umbau der Kirche und vor vier Jahren wurden diese massiven Eingriffe für 900.000 Euro rückgängig gemacht. Dabei orientierten sich die Architekten an der früheren klassischen Ausrichtung der Baumeister aus dem Jahr 1460.

Kunst verschiedener Epochen

Nach den Worten von Gästeführer und Kirchenkenner Peter Rall beherbergt die Kirche eine beeindruckende Anzahl von Kunstwerken verschiedener Zeitepochen. Mehrere restaurierte Epitaphe, also alte Grabsteine und Gedenktafeln sowie die vier Evangelisten zieren die Wände. Das aus Sandstein bestehende fast 600 Jahre alte und fünf Meter hohe Tabernakel steht neben dem gewaltigen Steinaltar, in dem die Reliquien von Heiligen beigesetzt sind. Wie Rall weiter betont, hätte der Stuttgarter Künstler Wilhelm Geyer die drei Kirchenfenster im Chor erschaffen und Helmut, Andreas Paul Grieshaber aus Reutlingen, kurz HAP Grieshaber gestaltete den aus 14 ab­strakten Bildern bestehenden Kreuzweg der Versöhnung.

Und eine aus dem Jahr 1320 stammende gotische Pieta sowie eine Christusfigur aus dem 1500 Jahrhundert runden das Ganze ab und machen die Kirche zu einem christlichen Museum von herausragender Bedeutung.

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