Geislingen an der Steige Beim ersten veganen Brunch lassen es sich 50 Besucher schmecken

Einen Frankfurter Kranz (links) und vieles mehr gibt es beim veganen Brunch zum Nachtisch.
Einen Frankfurter Kranz (links) und vieles mehr gibt es beim veganen Brunch zum Nachtisch. © Foto: Stefanie Schmidt
Geislingen an der Steige / STEFANIE SCHMIDT 15.02.2016
Dass vegane Ernährung keinen Verzicht bedeuten muss, stellten gestern die Organisatoren des ersten veganen Brunch im Mehrgenerationenhaus unter Beweis. Etwa 50 Besucher ließen sich das Büfett schmecken.

Die meisten Gäste, die am Sonntag zum veganen Brunch ins Mehrgenerationenhaus kommen, haben ein selbst gemachtes Gericht für das Büfett mitgebracht - auch wenn sie selbst keine Veganer sind, was für etwa die Hälfte der Besucher gilt. "Die Leute haben einfach Spaß am Kochen und Ausprobieren", meint Mitorganisatorin Karin Bäurle. Werner Haas von der gleichnamigen Weinhandlung etwa, der für die große Auswahl an veganen Säften und Weinen beim Brunch verantwortlich ist, hat im Vorfeld Rezepte gewälzt. Seine Linsen- und Pastasalate stehen nun neben schwäbischem Krautsalat, Burgern, Pizzaschnecken, Couscousgerichten und deftig belegten Brotscheiben auf den Tischen. Eine Hälfte des Büfetts ist dem Nachtisch gewidmet: Dort hat man die Auswahl zwischen Donauwellen und Frankfurter Kranz in veganer Variante, Muffins und verschiedenen Blechkuchen.

Die Idee für den veganen Brunch hat Karin Bäurle aus Aalen mitgebracht, wo eine Gruppe der Animal Rights Watch regelmäßig eine solche Veranstaltung durchführt. Über Facebook hat sie dafür nun auch in Geislingen Mitstreiter gefunden. Sie und ihre Familie leben seit etwa einem Jahr vegan. "Daheim läuft das super", meint sie. Nach einer Umstellungsphase von ein bis zwei Wochen, in der man im Supermarkt länger braucht, weil man alle Etiketten besonders genau liest, sei auch das Einkaufen wieder zur Routine geworden. "Dann hat man wieder seine Gewohnheiten." Nur wenn man auswärts essen will, werde es etwas schwierig. Oft bleibt da nur die Pizza ohne Käse beim Italiener. Havva Cömert hat eine Alternative aus dem "Taksiim" in der Bahnhofstraße mitgebracht: Cigköfte (türkisch für "rohe Frikadelle"), die aus Weizengrütze und verschiedenen Kräutern und Gewürzen zubereitet werden. Man isst sie zum Beispiel zusammen mit Eisbergsalat und Tomaten als Wrap.

In den USA hätten es Veganer viel einfacher, wenn sie essen gehen wollen, erzählt Amierah Motaal aus eigener Erfahrung. "Dort lassen sich die Köche etwas einfallen und zaubern auch spontan ganz tolle Sachen." Dabei brauche es nicht viel, um ihr im Restaurant entgegenzukommen: "Ein bisschen gegrilltes oder gekochtes Gemüse schön angerichtet - und ich bin glücklich." Seit ihrem elften Lebensjahr war die 42-Jährige Vegetarierin. Vor fünf Jahren hat sie sich auf veganes Essen umgestellt. "Als Vegetarier tut man nicht viel Gutes, um Tierleid zu verhindern", meint sie und spielt damit unter anderem auf das Schicksal von männlichen Küken und Kälbern in der Landwirtschaft an. Verzicht bedeute vegane Ernährung dabei überhaupt nicht, betont Birgit Harpain, die mir ihrem Mann Arno zum Brunch gekommen ist. "Veganer nagen nicht nur ein bisschen an Karotten rum." Im Gegenteil, nach ein bisschen Beschäftigung mit dem Thema habe sie immer mehr Möglichkeiten entdeckt. Gabriele Späth pflichtet ihr bei: "Mich fasziniert das breite Spektrum der veganen Ernährung", sagt die 56-jährige Vegetarierin, die seit vergangenem Jahr daheim für sich und Ehemann Karlheinz, der Veganer ist, nur noch ohne Tierprodukte kocht. Ihre veganen Semmelknödel, für die sie die Eier durch Sojamehl ersetzt, hätten schon etliche Gäste begeistert. Und noch einen Vorteil von veganem Essen hat Gabriele Späth inzwischen ausgemacht: "Man ist zwar satt, fühlt sich aber nicht so voll."

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