Natur Bei den Kleingärten wird das Wasser knapp

Geislingen / Isabelle Jahn 03.08.2018
Die Kleingärtner im Längental sind bei der Hitze vor allem mit Gießen beschäftigt. Aber die Mühe lohnt sich: Diese Temperatur bringt gute Erträge mit sich.

Aus der Gießkanne kommen nur noch ein paar Tropfen Wasser, das reicht nicht einmal für ein Pflänzchen. Deshalb heißt es für Vanessa Lange und Daniel Minder am bisher heißesten Tag des Jahres: Mit Regentonne auf der Schubkarre den nicht gerade kurzen Weg zum Bächlein und mit 200 Litern Wasser im Gepäck wieder zurück zu ihrer Gartenanlage. So läuft es bei diesen Temperaturen jeden Abend, berichten die beiden.

Doch das Paar aus Geislingen, das seit April Pächter einer Parzelle der Gartenfreunde im Längental ist, lässt sich die Anstrengung nicht anmerken. Vielmehr überwiegt die Freude über das erste eigene Fleckchen im Grünen: „Wir dachten uns: Man braucht ja ein Hobby, bei dem man sich bewegt und rauskommt“, sagt Vanessa Lange. Die 25-Jährige und ihr Freund Daniel wohnen in einer Wohnung in Geislingen – „ohne Balkon und im fünften Stock“. Da sei das Gartenstückchen ein angenehmer Ausgleich: „Es ist so schön ruhig hier.“ Außerdem ernähre man sich gesünder, da man ständig Gemüse ernte: „Wir essen jeden Tag einen Salatkopf“, sagt Lange und lacht.

Auf dem Grundstück, das zur neuen Anlage gehört und bisher nicht gepflegt wurde, haben die beiden mit Unterstützung ihrer Familien in den vergangenen Wochen Beeren, Salat und noch mehr Obst und Gemüse gepflanzt. Außerdem haben sie eine Gartenhütte und einen Grillkamin aufgestellt. Als nächstes ist eine Terrasse geplant. „Hier war nur Wiese – meterhoch Gras“, berichtet Daniel Minder. Das meiste haben sie gebraucht gekauft oder sogar geschenkt bekommen, was die Umsetzung ihrer Vorstellungen erleichterte: „Man merkt erst, was das alles kostet, wenn man’s wirklich mal braucht“, sagt der 30-Jährige.

Karsten Kuschela, der Vorsitzende der Gartenfreunde, freut sich über den Nachwuchs im Verein und darüber, dass die neuen Pächter so engagiert sind. Genauso schätzt er aber auch die langjährigen Mitglieder – sie seien der Beweis dafür, dass sich die Kleingärtner im Längental wohlfühlen.

Zu den Alteingesessenen zählt Siegfried Sommer: Der 77-Jährige hat schon als Kind auf dem Gartenstück seiner Eltern gespielt, bis er die Gartenpflege irgendwann selbst in die Hand nahm. Das „Sachsenhäusle“, dessen Name an die Herkunft der Familie erinnert, und die vielen Pflanzen und Bäume neben der Laube sind Sommers zweites Zuhause: „Ich bin den ganzen Tag hier und übernachte auch mal hier“, erzählt der Rentner, der in Geislingen wohnt.

Zusammen mit seinem Lebenspartner Gerhard Sommer genießt der 77-Jährige die lauen Sommerabende – wenn gerade mal nicht gegossen oder geerntet werden muss. Vor allem die Kürbisse brauchen viel Wasser, berichten die beiden beim Rundgang durch den liebevoll gestalteten Garten. Die Hitze erfordert es, mindestens einmal am Tag Obst, Gemüse und Pflanzen zu gießen. Aber die Mühe wird belohnt: „Dieses Jahr sind die Erträge gut“, berichten die Sommers. Gut, dass das „Sachsenhäusle“ ganz nah am Bach liegt, da sind die Fässer schnell gefüllt.

Doch der Wasserstand des Bächleins ist recht niedrig, wenn es wochenlang kaum regnet. Deshalb sollen die Kleingärtner sparsam damit umgehen – damit es für jeden reicht, sagt Karsten Kuschela. So mancher Gartenfreund nutzt die Wasserstelle noch für einen anderen Zweck: Um sich bei fast 40 Grad selbst zu erfrischen.

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