Es war die erste Gelegenheit für sie, ihr Schwerpunktthema "Grüne Baupolitik" im beginnenden Bundestagswahlkampf einmal im Zusammenhang vorzustellen: Annette Weinreich, Architektin, Ulmer Stadträtin und grüne Bundestagskandidatin im Wahlkreis Ulm/Alb-Donau, war auf Einladung der Grünen im Helfensteiner Land zu deren Stammtisch gekommen.

"Planen - Bauen - Wohnen": Entlang dieses Dreischritts fächerte Weinreich das ganze Spektrum grüner Baupolitik auf - um dabei gleich noch mit aus ihrer Sicht Klischees aufzuräumen. So sei das Leben auf dem Lande keineswegs immer billiger und ökologischer als in der Stadt: Günstige Grundstückspreise erkaufe man sich oft durch höhere Erschließungskosten und eine höhere Abhängigkeit vom Autoverkehr, was wiederum größere Kosten und Zeitverluste zur Folge habe, einhergehend mit Folgeschäden für Klima und Natur. Gewerbliche Neuansiedlungen im ländlichen Raum seien durchaus auch für Grüne erstrebenswert, vorausgesetzt allerdings, Landschaftsverbrauch und Verkehrsaufkommen hielten sich in angemessenen Grenzen - und es führe tatsächlich zu entsprechend mehr Arbeitsplätzen.

Beim Bauen müsse immer darauf geachtet werden, dass schnell umgesetzte und staatlicherseits geförderte Energiesparmaßnahmen nicht auf lange Sicht mehr Schäden als Nutzen erbrächten: "Wir können nicht jedes Haus in Styropor einwickeln." Die langfristigen Folgen, insbesondere bei der Entsorgung von Dämmstoffen, dürften nicht ignoriert werden. Quartiersbezogene Sanierungen seien oftmals individuellen Lösungen vorzuziehen. Die Hälfte der Deutschen wohne zudem zur Miete: "Deutschland ist Mieterland und grüne Baupolitik immer auch Sozialpolitik", fasste Weinreich zusammen. Mit der Föderalismusreform 2006 habe sich der Bund aus dem Sozialen Wohnungsbau verabschiedet, mit katastrophalen Folgen.

Insgesamt seien Planen und Bauen Schlüsselthemen des "Green New Deal", der von den Grünen propagierten Wirtschaftspolitik, die Umweltschutz als Innovations- und Wachstumsspritze für die Wirtschaft begreife. Eine Einsicht, für die sie, Weinreich, oft auch in ihrer Partei noch werben müsse.