Geislingen/Deggingen Bald neun Familienpaten zwischen Geislingen und Wiesensteig

Viel Lernmaterial und ein wenig Bürokratie: Wolf-Dieter Endres aus Deggingen betreut seit einem halben Jahr eine Familie in Deggingen.
Viel Lernmaterial und ein wenig Bürokratie: Wolf-Dieter Endres aus Deggingen betreut seit einem halben Jahr eine Familie in Deggingen. © Foto: Patricia Jeanette Moser
Geislingen/Deggingen / PATRICIA JEANETTE MOSER 20.04.2016
Drei Familienpaten gibt es derzeit im Filstal zwischen Geislingen und Wiesensteig, sechs weitere lassen sich derzeit im Haus der Familie ausbilden. Wolf-Dieter Endres aus Deggingen ist seit einem halben Jahr tätig.

"Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf", sagt Hilde Huber, die vor einigen Jahren die Familienbegleitung in Göppingen gegründet hat. Der Handvoll lebenserfahrener Menschen, die jetzt zum ersten Schulungsabend für Familienpaten ins Geislinger Haus der Familie gekommen ist, will sie damit jedoch nicht Angst machen. Im Gegenteil: An sechs Abenden erfahren die Interessenten nun, welche Herausforderungen nun auf einen Familienhelfer zukommen - und wie sie diese meistern können.

Die Anwärter sind meist bereits sozial engagiert. Eine ehemalige Sekretärin berichtet von bisher drei sozialen Einsätzen, die ihr alle viel Freude gemacht hätten. Eine Göppingerin kümmert sich derzeit um 21 Asylbewerber aus Gambia und will sich zur Familienpatin ausbilden lassen, um sich nach einer weiteren Schulung als Integrationspatin zu qualifizieren. "Im Ruhestand etwas Sinnvolles machen", sagen andere Teilnehmer. Ein Ehepaar aus einem Geislinger Stadtbezirk dagegen will erst einmal schauen, was da auf es zukommt.

Was Familienpaten zu leisten haben, ist tatsächlich nicht wenig: Sie sollen Familien unbürokratische Hilfestellung und emotionale Unterstützung im Alltag geben, sie sollen sie begleiten und stärken und zur Selbsthilfe befähigen, sie sollen Eigenkompetenz und zusätzliche Ressourcen entwickeln und kräftigen. Diese Liste präsentiert Hilde Huber den Gekommenen gleich zu Beginn. Gesteuert und finanziert wird das alles vom Bundesministerium für Familien, koordiniert wird das Ganze aber letztlich auf lokaler Ebene. Im Kreis Göppingen steht das Kreisjugendamt hinter der Ausbildung der Familienpaten und Karin Schnapka vom Mehrgenerationenhaus in Geislingen ist Ansprechpartnerin für alle, die einen Familienpaten brauchen oder selbst Familienpate werden wollen.

Meist seien es Alleinerziehende, die die Hilfe in Anspruch nehmen. "Hilfe zu holen ist legitim", macht Huber ihnen Mut. Aufgabe der Familienpaten sei es nicht zuletzt, einen Lichtblick in ihre Familien zu bringen. Wolf-Dieter Endres aus Deggingen, der seit einem halben Jahr eine alleinerziehende Mutter und ihren Sohn betreut, geht mit dem Jungen zum Beispiel öfter schwimmen, um ihm wenigstens für eine gewisse Zeit einen männlichen Gegenpart zu bieten.

Andere Familienpaten spielen mit den Kindern, um die Mutter ein bisschen zu entlasten; sie gehen mit ihnen zum Arzt, damit die Mutter nicht Urlaub nehmen muss, oder sie reparieren etwas in der Wohnung, damit die Familie nicht wegen jedem kleinen Schaden einen Handwerker holen muss. Den drei Kindern einer geschiedenen Frau hat ein Familienpate auch schon mal bei den Hausaufgaben geholfen, weil es in der Gemeinde keine andere Möglichkeit gab.

Entlohnt werden die Familienpaten für ihre Tätigkeit nicht, sie erhalten nur vier Euro Fahrtgeld pro Besuch - ein symbolischer Betrag, den die Familie selbst bezahlen muss. Doch um Geld geht es den Helfern ohnehin nicht. Endres macht es viel Freude, seine Zeit mit einem Jugendlichen zu verbringen, und den anderen Familienpaten geht es in dieser Hinsicht ähnlich. Durchaus dürfen die Familien dabei auch Wünsche äußern. Es soll schließlich eine "Wohlfühlzeit" für beide Seiten werden. Und manchmal entsteht daraus sogar eine Freundschaft auf Dauer. "Es ist ein geringer Einsatz mit großem Gewinn", sagt Hilde Huber.

Bei der weiteren Schulung werden die Aspiranten etwas über Konfliktlösungen und Kommunikation mit der Familie erfahren. Nähe schaffen, wo es geht und Distanz wahren, wo es nötig ist - das wird ein weiteres Thema sein. Die Bürokratie wirkt im Hintergrund: Karin Schnapka koordiniert die Einsätze und legt die vertraglichen Details fest. "Ich brenne für diese Aufgabe, sagt Wolf-Dieter Endres. Der Vater von zwei erwachsenen Töchtern achtet bei seiner Urlaubsplanung inzwischen sogar wieder auf die Termine der Schulferien, obwohl er das eigentlich gar nicht müsste. Er will seine Patenfamilie nicht unnötig im Stich lassen. "Und wenn es passt, dann bedeutet das viel Freude und Gewinn für beide Seiten", sagt Hilde Huber. "Wenn es aber nicht passt, dann wird das Ganze schnell beendet. Solche Fälle sind aber mehr als selten."

Info Koordinatorin Karin Schnapka ist unter Telefon: (07331) 440363 zu erreichen.

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