Geislingen Bahnhof bleibt noch länger ohne Aufzüge

Auch mit viel Gepäck kommen Reisende am Geislinger Bahnhof zu fast allen Gleisen nur über die Treppe. Daran ändert sich voraussichtlich so schnell nichts: Vor 2022 soll es noch keine Fahrstühle geben.
Auch mit viel Gepäck kommen Reisende am Geislinger Bahnhof zu fast allen Gleisen nur über die Treppe. Daran ändert sich voraussichtlich so schnell nichts: Vor 2022 soll es noch keine Fahrstühle geben. © Foto: Markus Sontheimer
Geislingen / Isabelle Jahn 24.04.2018
2020 werden offenbar noch keine Aufzüge am Geislinger Bahnhof fahren. Der Bau verzögert sich, was Verärgerung auslöst.

Ob mit schwerem Koffer, Kinderwagen oder wenn das Gehen nicht leicht fällt – für viele Bahnreisende wären Aufzüge am Geislinger Bahnhof eine Erleichterung. Eine Erleichterung, mit der so bald nicht zu rechnen ist, weil die Umsetzung des Projekts sich weiter verzögert (wir berichteten). „Es stinkt mir unsäglich“, sagt Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer auf Nachfrage der GZ zu der Hiobsbotschaft, die ihn vor wenigen Tagen von Seiten der Deutschen Bahn erreicht hat. Der Umbau verschiebt sich um mehrere Jahre nach hinten: Die erst für 2019 und dann für 2020 anberaumte Inbetriebnahme ist nicht vor 2022 zu erwarten, weiß Dehmer aus dem Gespräch mit der Bahn.

Der Grund sei, dass das aufwendige Planfeststellungsverfahren ungefähr dreimal solange dauert wie das Plangenehmigungsverfahren. Der kürzere Weg wird offenbar den Bedingungen nicht gerecht, zu denen unter anderem die Lage des Geislinger Bahnhofs in einem bewohnten Gebiet zählt. Dehmer kann das nicht nachvollziehen: „Für einen Bahnhof ist es nicht ungewöhnlich, dass er in der Stadtmitte liegt.“ Es sei kein Einzelfall, dass sich ein Bauprojekt verzögere – aber nicht in diesem Ausmaß, meint der OB. 2014 hatte der Geislinger Gemeinderat einer Modernisierung des Bahnhofs zugestimmt, im Jahr darauf trafen sich Bahn, Land und Stadt Geislingen, um das Projekt voranzutreiben.

Nachdem der Gemeinderat im März 2016 dafür stimmte, dass die Stadt 15 Prozent der Kosten übernimmt, und die Vorplanung abgeschlossen war, schien ein großer Schritt geschafft. „Damit waren wir auf dem guten Weg“, betont Dehmer. Doch seitdem stagniert das Vorhaben offenbar wieder und eine Umsetzung rückt nur noch weiter in die Ferne. „Und das wegen zwei Aufzügen – das kann man sich nicht plausibel erklären“, sagt Dehmer und spricht von einem „riesen Ärger“.

Das sieht auch der Geislinger Landtagsabgeordnete und Stadtrat Sascha Binder (SPD) so, der einst Bahn, Land und Stadt an einen Tisch brachte, um das Projekt voranzutreiben. „Ich bin sehr verärgert“, sagt Binder. 2014 habe man sich für die „Barrierefreiheit light“ entschieden – abgesehen von den Aufzügen sollen langfristig für einen barrierefreien Zugang zum Zug auch die Bahnsteighöhen angepasst werden. Der Gedanke hinter diesem „Kompromiss“ sei ein bestimmter gewesen: Dass es mit den Aufzügen schnell geht.

Auch Binder wundert sich, dass die Lage des Bahnhofs plötzlich Umstände bereitet: „Mir fehlt so langsam das Verständnis.“ In einem bislang unbeantworteten Brief an die Bahn fordert der SPD-Politiker Aufklärung darüber, „warum ursprünglich davon ausgegangen wurde, dass ein Plangenehmigungsverfahren ausreichen könnte“. Binder bittet außerdem darum, „alle möglichen Maßnahmen zu prüfen und zu ergreifen, um im bisherigen Zeitplan bleiben zu können“. Auf die Nachfrage der GZ antwortete die Bahn gestern bis Redaktionsschluss nicht.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht der Menschenwürde“, sagt Reinhard Grams, Vorstandsmitglied vom Geislinger Stadtbehindertenring STeiGle. Während die Stadt mit der finanziellen Beteiligung ihren Teil erfüllt habe, habe die Bahn ihr Versprechen gebrochen, die Aufzüge bis 2020 bauen zu lassen. „Wir fühlen uns hingehalten und betrogen“, sagt Grams vertretend für den Stadtbehindertenring, der das Thema gestern in einer Sitzung besprochen hat. Es sei ein „jahrelanger Kampf“, und der Prozess dauere ohnehin zu lange – „aber wir haben stillgehalten“. Nun befürchten die STeiGle-Mitglieder, dass die stufenfreie Erreichbarkeit des Bahnhofs dem umfassenden Bahnprojekt Stuttgart 21 zum Opfer gefallen ist, sagt Grams, der selbst im Rollstuhl sitzt.

Barrierefreiheit bleibt noch ein Wunsch

Der Geislinger Bahnhof ist einer der wenigen in der Region, die nicht barrierefrei sind. Darauf macht der Geislinger SPD-Landtagsabgeordnete und Stadtrat Sascha Binder in seinen Schreiben an Bahn und Regierungspräsidium aufmerksam. Es gibt keine Aufzüge, wodurch die meisten Gleise nur über Treppen erreichbar sind. Außerdem ist es vor allem für Rollstuhlfahrer schwierig, in die Züge zu gelangen, da der Abstand zum Bahnsteig zu groß ist.

Die Modernisierung des Bahnhofs ist in Geislingen schon seit Jahren Thema. Bis 2020 sollten zwei Fahrstühle gebaut werden, was sich nun verzögert. Ein Grund ist laut Deutscher Bahn die Lage des Bahnhofs in bewohntem Gebiet.