Integration Azubis gestalten Broschüre für Neubürger

Sarah Ziegler (von links), Jacintha Anselmo und Daria Moser präsentieren ihre selbst gestaltete Willkommensbroschüre. Die Vierte im Bunde, Eda Aral, war beim Fototermin krank.
Sarah Ziegler (von links), Jacintha Anselmo und Daria Moser präsentieren ihre selbst gestaltete Willkommensbroschüre. Die Vierte im Bunde, Eda Aral, war beim Fototermin krank. © Foto: Rainer Lauschke
Geislingen / Kathrin Bulling 02.11.2018
Seit gut einer Woche liegt die Willkommensbroschüre von vier Auszubildenden der Geislinger Stadtverwaltung vor. Sie soll neu zugezogenen Flüchtlingen und Migranten Orientierung in der Stadt bieten.

Willkommen in Geislingen“ steht auf der Vorderseite der Broschüre, dazu gibt es eine Stadtansicht aus der Vogelperspektive. Wer den Plan auseinanderfaltet, bekommt auf zwei großen Seiten kompakt zusammengefasst alle wichtigen Informationen zum Leben in der Fünftälerstadt vermittelt.

Entwickelt haben die Willkommensbroschüre die Auszubildenden Jacintha Anselmo (22), Sarah Ziegler, Daria Moser und Eda Aral (alle drei 19). Die jungen Frauen sind im zweiten Lehrjahr zur Verwaltungswirtin im mittleren Dienst. Das Projekt, das sie ein Jahr lang beschäftigt hat, ist nicht Teil ihrer Ausbildung, sondern ihr freiwilliges Engagement für die bundesweite Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“, an der sich die Geislinger Stadtverwaltung seit 2014 beteiligt. Weitere Teilnehmer sind unter anderem die Unternehmen WMF und Heidelberg.

Aktionen zum Thema

In der Stadtverwaltung war man sich einig, dass man nicht nur ein Schild aufhängen wolle, sondern Aktionen zum Thema veranstalten werde, erklärt Rudi Ebert, Personalvertretungsvorsitzender und Integrationsbeauftragter. Die Vorgänger der vier jungen Frauen haben in den vergangenen Jahren beispielsweise eine Fotoausstellung mit Flüchtlingen organisiert und einen Film gedreht. Dass die Azubi auch jetzt wieder so fleißig mitmachten, freut Ebert: „Ich finde es gut, was daraus geworden ist.“

Auch die Lehrlinge sind zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich finde so eine Broschüre total praktisch“, meint Daria Moser. „Wenn ich in eine neue Stadt ziehen würde, wäre ich froh über so eine Hilfe.“ Ihre Eltern seien stolz auf sie und freuten sich über das Projekt, erzählen alle vier. „Wir haben so etwas noch nie gemacht, das war schon spannend“, sagt Jacintha Anselmo. Vor allem die Sponsorensuche sei eine Herausforderung gewesen, meint Sarah Ziegler. Dass Firmen und Vereine die Hälfte der Herstellungskosten übernommen haben, freut sie sehr.

Die Lehrlinge schauten sich Beispiele aus anderen Städten an und notierten sich, was sie in „ihrer“ Broschüre unterbringen wollten. Orientiert an den Themenfeldern des Stadtentwicklungsprozesses „Mach5“ gibt es jetzt farblich markierte Schwerpunkte: Neubürger finden die Adressen von Behörden, wichtige Telefonnummern sowie medizinische Zentren und Dienste ebenso wie Freizeit- und Kulturtipps. Ein kurzes Stadtporträt stellt Geislingen vor. Regelmäßig wiederkehrende Feste in der Stadt wie der Hock und der Weihnachtsmarkt sind aufgeführt; Familien, Frauen und Jugendliche erfahren, wo sie Unterstützung und Betreuungsmöglichkeiten finden können.

Den Bedürfnissen von Flüchtlingen und Migranten tragen die Hinweise auf Sprachkurse, Integrationsangebote und Alltagstipps etwa zu Müll, Wohnungssuche und Rundfunkgebühren Rechnung. Auch erfährt man, wo es sich günstig einkaufen lässt und wo Jobcenter und Arbeitsagentur zu finden sind. Auf einer Karte sind alle wichtigen Punkte vermerkt.

Broschüre wurde zweisprachig entwickelt

Die Lehrlinge entwickelten die Broschüre zweisprachig – zunächst 500 Exemplare in Deutsch-Englisch und 500 in Deutsch-Türkisch. Damit, so meinen sie, dürfte man die meisten Menschen erreichen. Die Willkommensbroschüre wird an vielen Stellen in der Stadt ausgelegt, die Neubürger vornehmlich aufsuchen.

Jetzt hoffen die vier, dass ihre Broschüre möglichst vielen Menschen zur Orientierung in der neuen Heimat dient. „Geislingen ist eine bunte Stadt, und auch wir Azubi sind eine bunte Mischung – deshalb lag uns das Thema Integration so am Herzen“, sagt Jacintha Anselmo. Sarah Ziegler meint: „Wir leben schließlich nicht mehr in vergangenen Zeiten, wo man Menschen unterschiedlicher Herkunft nicht akzeptiert hat.“ Das bekräftigt Jacintha Anselmo: „Wir sind ja alle Menschen, egal, welchen Hintergrund oder welche Religion wir haben.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel