Eine Plane deckt das stillgelegte Außenbecken ab. Der Durchgang ins Hallenbad ist für Schwimmer geschlossen. Noch immer müssen Badegäste auf die Sanierung des Außenbeckens des 5-Täler-Bads warten, weil es noch zu viele ungeklärte Rechtsfragen gibt.

Die Geislinger Stadtverwaltung wirft dem Architekten Planungsfehler vor. So steht es in den Akten des Stuttgarter Landgerichts, wie dessen Pressesprecher Bernhard Schabel auf Nachfrage der GEISLINGER ZEITUNG sagt. Im November hatte die Stadtverwaltung ein sogenanntes selbständiges Beweisverfahren beantragt. Das Ziel: Vor einer möglichen und vielleicht langwierigen Verfahrensdauer sollen die Mängel am Außenbecken klar erkannt und Beweise gesichert werden, sagt Schabel. Ist dann ersichtlich, warum es die Schäden im Becken gibt, könnte ein Gerichtsverfahren sogar verhindert werden – „wenn sich die Seiten arrangieren können.“

Gutachterin schon vorher beauftragt

Aus „Gründen der Sorgfalt“ hätten die Stadtwerke bereits vor dem Antrag im November eine Sachverständige mit einem Gutachten beauftragt. Das berichtet Martin Bernhart, Werkleiter der Stadtwerke und Geschäftsführer der Energieversorgung Filstal (EVF). Bernharts Ziel: möglichst schnell mit der Sanierung beginnen zu können.

Im Gutachten habe die Sachverständige schriftlich festgehalten, dass wegen der falschen Reihenfolge der Dichtschichten Spannungen entstehen, die zur Zerstörung des Beckenkopfes führen könnten. Zudem gebe es keine Kapillarsperre, um den Beckenkopf vor aufsteigender Feuchtigkeit zu schützen.

Wie hoch die Kosten der Sanierung ausfallen, ist abhängig von der „angestrebten Sanierungsart“, sagt Bernhart. Er rechnet momentan mit etwa 300 000 Euro für den Rück- und Neuaufbau des Beckens mit Fliesen oder mit 500 000 Euro für den Einbau eines Edelstahlbeckens. Das Landgericht in Stuttgart muss klären, ob ein Gewährleistungsfall vorliegt. Dann wird darüber gesprochen, wer die Kosten trägt.

Kein Kommentar des Architekten

Über das Gutachten wollen die Architekten öffentlich kein Wort verlieren. Überhaupt lehnen sie es ab, eine Aussage zu machen, „solange das Verfahren noch läuft“, wie der Bauleiter in Absprache mit den Architekten sagt, die in der Region Stuttgart angesiedelt sind. Sie sollen bis zum 31. Januar über ihren Rechtsanwalt eine Stellungnahme abgeben, sagt Pressesprecher Schabel vom Landgericht. Mit anderen Worten: „Vor Anfang Februar tut sich nichts.“

Kommt es zum Gerichtsprozess, ist es laut Pressesprecher sehr wahrscheinlich, dass es ein zweites Gutachten geben wird. Andernfalls könnte der Rechtsanwalt der Angeklagten von einem „Parteigutachten“ sprechen – immerhin war die Sachverständige von der Geislinger Stadtverwaltung beauftragt worden.

Außenbecken im nächsten Winter wieder geöffnet?

Ab wann Badegäste wieder durch das beheizte Außenbecken schwimmen können, weiß Martin Bernhart derzeit nicht. Ein Ziel hat der Werkleiter der Stadtwerke allerdings: Er hofft, dass das Außenbecken zum Start der kommenden Wintersaison wieder geöffnet wird. „Eine seriöse Vorhersage ist aber nicht möglich“, betont er.

Noch im Sommer 2017 hatte es EVF-Chef Bernhart für denkbar gehalten, dass das Außenbecken für ein Jahr gesperrt bleibt (wir berichteten). Sommer und Herbst vergingen, der Winter kam, das Außenbecken blieb weiterhin gesperrt. Nun könnte es also noch einmal ein Dreivierteljahr dauern.

OB Frank Dehmer ist überzeugt vom 5-Täler-Bad

Das Geislinger Kombibad sei wegen des noch stillgelegten Außenbeckens kein „Problembad“, sagt Oberbürgermeister Frank Dehmer. Er ärgert sich, wenn es öffentlich so wahrgenommen wird. Der Rathauschef erinnert an die internationalen Deutschen Meisterschaften: Im November waren deutsche Schwimmmeister auf der Jagd nach Rekordzeiten durch die Becken im Hallenbad geschwommen.

Ihm hätten Sportler und Organisatoren „unaufgefordert gesagt, dass das 5-Täler-Bad ein tolles Bad sei, das sie so in einer Stadt unserer Größenordnung nicht erwartet hätten“. Dehmer legt Wert auf die Meinung von Kennern, die „in Deutschland schon in vielen Bädern herumgekommen sind.“

Sehr zufrieden sei er zudem mit dem Freibad des Kombibads: „Wir brauchen uns da vor niemandem verstecken – weder mit den Preisen noch mit dem Angebot“, betont der Oberbürgermeister. Dehmer hofft genau wie auch Bernhart darauf, dass in der kommenden Wintersaison die Badegäste wieder aus dem Hallenbad hinaus ins beheizte Außenbecken schwimmen können.

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