Geislingen an der Steige Aushalten und Haushalten

Geislingen an der Steige / EVA HEER 20.02.2016
Der erste Weltkrieg ist in der Berichterstattung der GEISLINGER ZEITUNG im Februar 1916 allzeit präsent. Noch immer wird der "Eiserne Helfensteiner" genagelt, eine Aktion, um Spenden für Soldaten zu sammeln.

Mit "Militärdienstnachrichten" beginnen die täglichen Meldungen "Aus Stadt und Kreis Geislingen" im Februar 1916. Hier vermeldet das Blatt militärische Beförderungen und Auszeichnungen. Nach wie vor "nageln" die Geislinger ihren "Eisernen Helfensteiner", eine drastische Aktion, um Geld für den Krieg zu sammeln. "Die Zeichen mehren sich, dass auch das Land dieser guten Sache nicht abseits stehen will, und das ist erfreulich. Denn die Hälfte des Ergebnisses vom "Eisernen Helfensteiner gehört dem Roten Kreuz, dessen Segnungen den ausmarschierten Bezirksangehörigen ebenso zugute kommen, wie den Kameraden aus der Stadt".

In der Wochenrundschau hält das Blatt zur Mäßigung an: "Aushalten und Haushalten ist für uns die Losung. Wie haben keinen Überfluss, aber genug, wenn wir es uns nur einteilen und sich endlich auch in den Kreisen, die es trotz Mahnungen immer nicht lernen wollten, zu einer Vereinfachung der Lebensweise aufschwingen. Es ist noch gar nicht lange her, dass unsere Vorfahren ohne den heutigen Luxus und in weiser Beschränkung auf das Jahrhundert Bewährte ihre ganze Lebensführung auf solidem und einfachem Stand hielten."

Auch die Kultur ist auf Krieg getrimmt: Während die Kapelle des Bataillons Nr. 13 aus Ulm im Sonnensaal ein großes Militär-Streichkonzert gibt, zeigt das Welt-Kino Geislingen den Film "Das Volk steht auf!", das "große historische Kriegsschauspiel in sechs Akten aus den Freiheitskriegen 1806 bis 1813".

Unter der Überschrift: Die Jugend und die Kriegsinvaliden" appelliert die GEISLINGER ZEITUNG am 9. Februar an die Bevölkerung, den zurückkehrenden Kriegsverletzten ein "mitfühlendes, pietätvolles Verhalten entgegenzubringen. "Die Jugend ist bekanntlich gnadenlos und flatterhaft, ja neigt vielfach dazu, sich über Leute mit sichtbaren Gebrechen und von auffallendem Benehmen lustig zu machen. Solches Betragen wäre nicht nur undankbar, sondern auch sehr roh, sündhaft und strafwürdig.

Trotz des Krieges trieben die Menschen regen Handel auf dem Geislinger Pferdemarkt am 15. Februar. 50 bis 60 Tiere waren aufgestellt, der Pferdestand blieb aber weit hinter der Zahl früherer Jahre zurück.

Indessen begehen die Geislinger am 25. Februar "Königs Geburtstag" mit einem gemeinschaftlichen Kirchgang, zwei Festgottesdiensten, Festmahl und gemeinschaftlicher "Nagelung des eisernen Helfensteiners" in der Turnhalle.

Am 21. Februar 1916 begannen die deutschen Truppen mit ihrem Angriff auf Verdun an der Westfront zwischen Frankreich und Deutschland. Die GEISLINGER ZEITUNG berichtet in ihrem überregionalen Teil ausführlich über die Kämpfe.

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