Zu: Kein Geld für das Sozialticket; 28. 11. 2012 Ausdruck praktizierter Nächstenliebe

SWP 01.12.2012

Frau X, wohnhaft in Aichelberg, ist Empfängerin von Arbeitslosengeld II. Die kinderlose Witwe ist 55 Jahre alt und verlor unverschuldet ihren Arbeitsplatz vor zwei Jahren bei der Firma Schlecker. Der Regelsatz für Verkehrsdienstleistungen gewährt ihr monatlich 18,11 Euro. Dies entspricht den Fahrtkosten von zwei Fahrten im Verkehrsverbund Filsland nach Göppingen und zurück. Sie kann sich ein reguläres Nahverkehrsticket schlicht nicht leisten.

Das allen Bundesbürgern zustehende Grundrecht auf Mobilität ist ihr damit verwehrt. Doch die Pflege sozialer Kontakte, kulturelle Begegnungen, Arztbesuche, Versorgungsfahrten, Fahrten zum Jobcenter beziehungsweise für Arbeitssuche und so weiter sind für die Teilhabe an der Gesellschaft unerlässlich. Das Grundgesetz ordnet deshalb das Recht auf angemessene Mobilität der staatlichen Daseinsfürsorge ebenso zu wie den Anspruch auf eine bezahlbare Gesundheitsversorgung sowie den uneingeschränkten Zugang zu Nahrung, Wasser und Energie.

Es gibt vergünstigte Monatskarten für Schüler, Studenten, Senioren und Arbeitnehmer (Firmenticket). Warum auch nicht für diejenigen, die am wenigsten haben? Für 13 000 Anspruchsberechtigte, für die Ärmsten in unserem Landkreis? Das Erschütternde in einem reichen Land wie Deutschland ist: Die Zahl derer, die nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, weil ihnen das Geld fehlt, wächst. Und es kann jeden treffen. Ein Sozialticket ist Ausdruck von praktizierter christlicher Nächstenliebe und solidarischem Miteinander.

Arnulf Wein , SPD-Kreisrat Süßen

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