Geislingen an der Steige Ausbildungsmesse: Mehr als 70 Unternehmen helfen bei Berufsorientierung

Bäcker stellen im Geislinger Berufsschulzentrum ihr Handwerk vor.
Bäcker stellen im Geislinger Berufsschulzentrum ihr Handwerk vor. © Foto:  
LENA STRAUBINGER 18.04.2016
Mehr als 70 Aussteller haben bei der Ausbildungsmesse im Geislinger Berufsschulzentrum am Samstag für eine Lehre geworben. An Infoständen und bei Mitmach-Aktionen stellten sie ihre Angebote vor.

"Mit der Ausbildungsmesse wollen wir Schüler für eine Ausbildung begeistern, sie über die Berufe informieren und unsere Schularten vorstellen", sagt Manfred Rees. Der Lehrer an der Kaufmännischen Schule verteilt am Eingang Pläne, die die Wege zu den Beratungsangeboten im Schulzentrum weisen.

Die Ausbildungsmesse soll Schülern sowie Eltern zeigen, welche Ausbildungsmöglichkeiten es nach dem Abschluss gibt. Die Vielfalt ist riesig: Die Berufsfelder reichen vom Pflege- und Gesundheitsbereich über technische Berufe in der IT bis zur Elektro- oder Metallbranche und kaufmännischen Berufen. Auch zu Polizei, Gastronomie, Medien- und Bauberufen sowie dem Friseurhandwerk gibt es Informationen.

Die Messe gibt es zum achten Mal - und der große Besucherandrang den ganzen Tag über zeigt, wie beliebt sie ist. In den Fluren drängen sich die Schüler, teilweise begleitet von ihren Eltern, in den Händen Notizblöcke und Prospekte der Infostände.

Vor einigen Ständen bilden sich Warteschlangen. "Es herrscht fließender Verkehr", scherzt Matthias Platzer, der eine Ausbildung bei der Polizei macht. Bei ihm am Stand ist viel los, eine Ausbildung bei der Polizei interessiert viele Schüler.

Etliche der angehenden Schulabsolventen sind aber noch ratlos, was sie später beruflich machen möchten. So etwa die 18-jährige Anna Böpple: "Die Messe finde ich hilfreich, aber leider konnte mich bisher noch kein Beruf überzeugen", sagt sie bedauernd. Die 14-jährige Nele Schemp, die mit ihrem Vater über die Messe schlendert, findet die Idee der Ausbildungsmesse super: "Im nächsten Jahr mache ich meinen Realschulabschluss. Ich will mich rechtzeitig informieren", sagt sie.

An den Infoständen stehen meistens Auszubildende, die die oft gleichaltrigen Schüler von einer Lehre überzeugen wollen. Besonders bei Berufen wie dem des Erziehers oder Bäckers ist das aber oft schwer: "Der Erzieherberuf wird in der Ausbildung leider nicht bezahlt", erklärt Carmen Kaufmann. Die angehende Erzieherin im dritten Lehrjahr weiß, dass es viele abschreckt, drei Jahre lang nichts zu verdienen. Abhilfe schaffen soll die praxisintegrierte Ausbildung (PIA), die von der jeweiligen Einrichtung selbst finanziert wird und die sich mehr und mehr durchsetzt.

Auch Katharina Lehmann erhofft sich von der Teilnahme an der Ausbildungsmesse einen Zuwachs an Azubi im erzieherischen Bereich: Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) und hofft, dass die private Erzieherschule der DAA bekannter wird.

Bäcker-Azubi Patrick Götz stellt fest, dass die Ausbildung zum Bäcker wenig Anklang findet. "Aber der Beruf sollte nicht verloren gehen", sagt er. Er selbst ist ausgebildeter Kfz-Mechaniker. Was ihn dazu gebracht hat, im zweiten Anlauf Bäcker werden zu wollen? "Die Kunst des Bäckerhandwerks und, dass ein Stockwerk unter meiner Wohnung eine Bäckerei ist", erzählt er. Das habe ihm diesen Berufszweig näher gebracht.

Wie Patrick Götz finden auch viele andere nicht auf Anhieb ihren Traumberuf. Ihnen will die Industrie- und Handelskammer (IHK) helfen. "Wir möchten über die Berufsfindung informieren und die Schüler bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz unterstützen", sagt Fachreferentin Karin Missner. Ein Gespräch ist nötig, um in den Beratungspool der IHK aufgenommen zu werden. "Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass man mit einer Ausbildung ebenso gute Berufschancen hat wie mit einem Studium", sagt Missner.

An vielen Ständen werden die Besucher aktiv mit einbezogen: In einem der Klassenräume färben Zahnmediziner die Zähne der Besucher ein - so kann jeder prüfen, wie ordentlich er seine Zähne geputzt hat. Im Innenhof können Besucher mit einem Hammer Nägel in ein Brett schlagen. Zimmermann-Azubi Yannick Lasslop und seine Kollegen bauen nebenbei eine Fachwerkkonstruktion nach. So wollen sie interessierten Jugendlichen einen Eindruck von den Aufgaben ihres Berufes vermitteln.