Porträt Ausbildung bietet Perspektive auf Bleiberecht

Zain Arshad mag seine Arbeit im Pflegeheim des Samariterstifts in den Geislinger Bronnenwiesen. Die Ausbildung zum Altenpfleger bietet ihm zudem eine Perspektive auf Bleiberecht.
Zain Arshad mag seine Arbeit im Pflegeheim des Samariterstifts in den Geislinger Bronnenwiesen. Die Ausbildung zum Altenpfleger bietet ihm zudem eine Perspektive auf Bleiberecht. © Foto: Claudia Burst
Geislingen / Claudia Burst 10.08.2018

Zain Arshad wirkt wie ein anderer Mensch. Als er vor einem guten Jahr davon berichtete, dass sein Einspruch gegen die Ablehnung seines Asylantrags abgelehnt wurde, war er verzweifelt. Heute strahlt der 22-Jährige Optimismus und Glück aus. Er hat neuen Lebensmut und eine Perspektive auf Bleiberecht nach seiner Ausbildung. Der junge Mann aus Pakistan hat im Oktober des vergangenen Jahres eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Altenpfleger begonnen, die er seitdem erfolgreich meistert. Mit der Unterschrift des Samariterstifts und des Evangelischen Fachinstituts für Pflegeberufe in Dornstadt unter seinen Ausbildungsvertrag erhielt er eine sogenannte „Auszubildenden-Duldung“. Bald startet er ins nächste Ausbildungsjahr.

Zu verdanken hat er dies unter anderem dem Einsatz von Sandra Badami, seiner Betreuerin. Die suchte mit ihm einen Anwalt in Ulm auf, der erneut einen Einspruch gegen die zweite Nicht-Anerkennung als Flüchtling einlegte (wir berichteten). Weil dann auch noch Ursula Scheu von der Geislinger Personalverwaltung des Samariterstifts bei der Ausländerbehörde betonte, wie notwendig gute Azubi in der Altenpflege sind, bekam Arshad die Ausbildungsstelle.

Dass er ein guter Azubi werden würde, war vorauszusehen. Immerhin ist Zain Arshad seit fünf Jahren bereits in Deutschland. Er hat den Hauptschulabschluss in der Werkrealschule in Deggingen auf Anhieb bestanden. Ab Februar 2016 machte er ein Praktikum bei der Wilhelmshilfe in Süßen, im April begann er dort eine Ausbildung zum Altenpfleger.

Dann jedoch holte ihn seine Vergangenheit ein: Seine Mutter war in Pakistan ermordet worden, sein Bruder zu jener Zeit entführt, seine Schwester flüchtete zu Verwandten in den Iran. Der Junge machte sich Sorgen, wurde krank, fehlte häufig in der Schule und verpasste den Anschluss. „Ich musste die Ausbildung abbrechen“, erzählt er und davon, wie er Hilfe suchte – und im Kaffeehaus der Diakonie Sandra Badami kennenlernte. Die Gespräche mit ihr und ihre konkrete Hilfe in vielen Belangen taten ihm gut. Auch in der Wilhelmshilfe erhielt er Unterstützung und durfte im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes weiterhin in der Altenpflege tätig bleiben.

Inzwischen hat Arshad erfahren, dass sein Bruder wieder frei ist und dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht, auch seine Schwester scheint nicht mehr in Gefahr zu sein.

Damit hat der 22-Jährige jetzt wieder sowohl die Kraft als auch die Motivation, die neue Ausbildung als zweite Chance zu sehen und zu ergreifen. Der Umgang mit den alten Menschen gefällt Arshad gut. „Ich bin ein geduldiger Mensch. Ich geb’ alles, um den Leuten zu helfen“, sagt er. In Pakistan, meint er, wäre er vielleicht Arzt geworden. Wie sein Vater. Den hat er als kleiner Junge oft in die Praxis begleitet.

Die Schule ist für ihn vor allem wegen der vielen Fachausdrücke eine Herausforderung. Aber der junge Mann lässt sich nicht unterkriegen, büffelt und freut sich inzwischen über gute Noten. Das ist nicht nur für ihn und seine Ausbildung wichtig, sondern überhaupt für seine Zukunft. Denn nur mit einem Notendurchschnitt von 2,5 am Ende seiner Ausbildung wird die Ausbildungsduldung in ein Aufenthaltsrecht umgewandelt.

Monate lang mussten der junge Mann und seine „Mama Sandra“, wie er seine Betreuerin inzwischen liebevoll nennt, ein stetes Wechselbad der Gefühle durchmachen. Mit Freude im Oktober fing es an – da hat sich Zain Arshad in der Geislinger Baptistengemeinde taufen lassen. Dort besucht er die Jugendgruppe, hat Freunde gefunden. „Ich war vorher nur ein Kultur-Moslem“, erklärt er seine Entscheidung für das Christentum.

Der Religionswechsel jedoch hat Folgen: Die pakistanische Botschaft weigert sich, ihm einen neuen Pass auszustellen, mit der Begründung, dass Christen keinen Pass bekommen. Den jedoch benötigt er, um in Deutschland als Flüchtling anerkannt zu werden. „Das ist ein Behörden-Ping-Pong“, klagt Sandra Badami, die jetzt aber auch froh ist, dass das zuständige Amt in Karlsruhe sich für Arshad eingesetzt und ihm eine Aufenthaltsgenehmigung bei guten Noten in der Ausbildung in Aussicht gestellt hat. Für den Pakistani ist das ein „Eingreifen Gottes“ – und mit ein Grund, warum er heute wieder fröhlich lachen kann.

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