Buchbesprechung August Häberle stochert diesmal im Nebel

Geislingen / Bettina Verheyen 15.02.2018
Manfred Bomm aus Eybach legt mit „Nebelbrücke“ seinen 18. Krimi mit Lokalkolorit vor.

Da haut’s diesmal nicht nur Linkohr das Blech weg: In Manfred Bomms 18. Krimi geschehen Dinge, die nicht so leicht wegzustecken sind. Mysteriöse Dinge. Walter Temming bekommt E-Mails, die scheinbar von seinem verstorbenen Bruder kommen; die antike Standuhr bleibt stehen; die Waldhütte der Familie geht in Flammen auf. Diese Geschehnisse bestätigen vor allem Temmings Frau Gisela, die dem Übersinnlichen gegenüber offen ist. Weil die Firmen- und Familienehre auf dem Spiel steht, erfährt die Polizei nichts von alledem.

Kommissar Häberle, Linkohr und Kollegen haben es dagegen mit Handfesterem zu tun: Sie werden auf den Friedhof im Geislinger Rorgensteig gerufen, wo Leichenbestatter Leichtle einen Erschossenen gefunden hat.

Schnell lässt Bomm die beiden Erzählstränge aufeinander zulaufen. In dem er sie geschickt ineinander verflicht, thematisiert er gleichzeitig zwei seiner Leib- und Mageninteressen: Die Auseinandersetzung mit Dingen zwischen Himmel und Erde, die die Schulweisheit nicht erklären kann einerseits und der Darstellung von Polizeiarbeit bis ins kleinste Detail andererseits. Das liest sich interessant, und der Spuk löst sich tatsächlich erst am Ende der gut 500 Seiten auf; passenderweise „zwischen Himmel und Erde“, nämlich auf der Seilhängebrücke „highline 179“ bei Reutte in Tirol.

Eingefleischte Fans des Autors finden auch in „Nebelbrücke“ alle typischen Bomm-Elemente: ein unerschrockener Häberle, der über die „Sesselfurzer“schimpft und zuhause von Ehefrau Susanne umsorgt wird; ein Testosteron-gesteuerter Linkohr, der diesmal hin- und hergerissen ist zwischen einer sympathischen Zeugin, einer hübschen Kollegin und einer aufregenden Verdächtigen; genau recherchierte und beschriebene Handlungsorte rund um Geislingen aber auch in Tirol; local heroes, wie etwa der flapsig daherredende Peter Leichtle, den Bomm kurzum zu Walter Temmings Jugendfreund macht, oder ein besonders nerviger Informant von Bomms Alter Ego, dem Krimi schreibenden Journalisten im Ruhestand Georg Sander.

Ewig wippender Pferdeschwanz

Genauso werden die unverbesserlichen Kritikerinnen von Bomms Frauenbild wieder fündig: etwa, wenn wieder einmal munter die Pferdeschwänze wippen oder  wenn die Sekretärin dem Junior-Chef einen erotischen Augenaufschlag schenkt und, was die Kleidung anbelangte, nicht mit ihren weiblichen Reizen geizt ...

Wer sich sein eigenes Bild machen will: „Nebelbrücke“, Häberles 18. Fall, gibt es jetzt im Buchhandel, und morgen liest Bomm das erste Mal aus der Neuerscheinung vor.

Krimi-Abende mit Lesung aus „Nebelbrücke“

16. Februar: Geislingen, Gewölbe­keller von Blumen Burr, Bahnhof­straße 72, Anmeldung erforderlich. Tel. (07331) 6 12 67
20. Februar: Ebersbach, Stadtmuseum Alte Post, 20 Uhr
23. Februar: Böhmenkirch, Pizzeria neben der Gemeindebücherei, 19 Uhr
7. März: Deggingen, Bürgersaal, 19 Uhr
17. März: Geislingen, Musical-Theater im Sägewerk, Roggensteig 21
21. März: Salach Buchhandlung Dölker.