Kurz vor 18 Uhr am Sonntagabend in Bad Ditzenbach: In einem Haus an der Lindenstraße haben sich an mehreren Fenstern Menschen mit Musikinstrumenten in der Hand positioniert. Manuela Semilia mit ihrer Tochter Lavinia und ihrem Sohn Alessio, ihre Schwester, ihre Mutter und ihr Vater sowie ihr Bruder und seine Freundin sind bereit. Dann kann’s losgehen: Gemeinsam spielen sie um Punkt 18 Uhr das Stück „Freude schöner Götterfunken“. Auch die kleine Lavinia bläst kräftig in eine Spielzeugtrompete.

Italien hat‘s vorgemacht: Dort singen und spielen die Menschen auf Balkonen und an Fenstern, um in Zeiten der Corona-Krise ein Zeichen zu setzen und sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Hierzulande gibt es zwar noch keine komplette Ausgangssperre. Trotzdem hat man die Aktion aufgegriffen und sich über die sozialen Netzwerke für Sonntagabend zu einem Balkon- und Fensterkonzert in den jeweils eigenen vier Wänden verabredet.

Manuela Semilia: Aktion als Zeichen der Zuversicht

Der Kreisverbandsdirigent Gunnar Merkert hatte über Facebook dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen, erzählt Franziska Kraus, Mitglied der Musikkapelle Bad Ditzenbach. Sie hat sich daraufhin mit den anderen Mitgliedern ausgetauscht – und diese waren begeistert von der Idee. „Es finden ja momentan keine Proben statt, und wir vermissen das Musizieren jetzt schon“, sagt Manuela Semilia, die ebenfalls der Bad Ditzenbacher Musikkapelle angehört. Man wolle mit der Aktion in dieser Ausnahmesituation ein Zeichen der Zuversicht setzen, die Bevölkerung aufmuntern, die Menschen und auch sich selbst mit der Musik erfreuen.

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Bad Ditzenbach

Das bestätigt Markus Duwe, Vorstandsmitglied der Bad Ditzenbacher Musikkapelle: „Es ist eine gute Idee, um den Leuten zu zeigen: Man ist nicht alleine“, sagt der Degginger. Auch ihm fehlt das gemeinsame Musizieren mit den anderen. Durch das Balkon- und Fensterkonzert könne man wenigstens für eine kurze Zeit zusammen spielen – wenn auch mit großem Abstand zueinander.

Beteiligt haben sich am Sonntag zwischen 15 und 20 Mitglieder der Musikkapelle Bad Ditzenbach, sagt Franziska Kraus. Auch in anderen Orten im Raum Geislingen traten Musiker an Fenster und auf Balkone, zum Beispiel in Deggingen, Gosbach und Böhmenkirch. Sie würden sich freuen, wenn es – je nachdem, wie lange die derzeitige Situation noch andauert – nicht bei dieser einmaligen Aktion bliebe. Mitmachen könne übrigens jeder, betont Markus Duwe: Wer kein Instrument besitzt, könne auch singen oder einfach auf Kochtöpfe trommeln.