Geisterstunde. Der Donner grollt, Blitze zucken über den Bühnenhimmel der Jahnhalle. Während die Erbschleicher Karl und Marie Fröschle (Rolf Glauner und Lene Zimmermann) überall nach dem verschollenen Lottoschein suchen, rockt Elvis aus dem Radio plötzlich mit dem "Jailhouse Rock", das Bild an der Wand, die Schubladen der Kommode tanzen Rock'n'Roll. In der fast voll besetzten Jahnhalle brüllen die Leute vor Lachen. Zu komisch diese unerwartete Wendung im Stück "Dr Hemmel wardat ed!" der Laienspielgruppe des SV Aufhausen.

Es ist nicht die erste Pointe, die im Publikum krachend explodiert und Gelächter auslöst. Die acht Schauspieler schaffen es von der ersten Szene an, die Mundwinkel ihrer Zuschauer auf Nasenhöhe zu halten und das Publikum den ganzen Abend lang zu amüsieren.

Die Aufhausener haben es (unter der Regie von Sonja Deskar) erneut geschafft, sich ein Theaterstück auszusuchen, das aus der Reihe üblicher Schwänke tanzt und die Zuschauer immer wieder überrascht. Keine Verwechslungen, kaum Liebesgetändel, keine boshaften Charaktere. Na ja, bis eben auf die Fröschles. Die kommen schleimig-freundlich daher und haben nichts anderes als Erbschleicherei und ihren Vorteil im Kopf. Das "Paar" spielt seine Rolle genauso überzeugend komisch wie seine Mitstreiter.

Das beginnt bereits in der ersten Szene, bei der Ex-Polizist Scheiffele (Arnold Herzog) im Vorzimmer zum Himmel sitzt - in langer Feinripp-Unterhose plus Diensthemd mit Krawatte. Ein Schlaganfall hat ihn hinweggerafft, als er sich gerade umzog. Leichenblässe überzieht sein Gesicht (dank "Masken-Mann" Joachim Dizinger). Scheiffele muss aber erst noch eine Aufgabe erledigen, bevor er in den Himmel darf: Er soll den ebenfalls gerade verstorbenen Schreinermeister Hämmerle (Jürgen Häberle) gen Himmel geleiten.

Was sich einfach anhört, entpuppt sich als Herausforderung. Zu viel läuft schief im Haushalt Hämmerle. Der Meister im Schlafanzug kann sich nicht vom Leben und seinen Lieben trennen. Und so kommt's, wie's kommen muss: Scheiffele und Hämmerle übertreffen einander in Schauspielkunst, umwerfender Mimik und Situationskomik. Ihre Hilflosigkeit, weil sie als "Geister" überhaupt gar nichts bewirken können, ihre Verzweiflung, Hoffnung, Wut - alles setzt das Duo in Ganzkörper-Schauspielerei um und zündet die Gelächtersalven.

Herzogs und Häberles Vorteil: Sie spielen mit sechs leidenschaftlichen und talentierten Schauspielern, die dem Geister-Duo in nichts nachstehen. Herrlich, Schnapsdrossel Berta (Sabine Rümelin) mit knallroter Alkoholikernase und glaubhaft hohem Promillepegel. Mimik und Gestik ziehen die Aufmerksamkeit im Saal selbst noch auf sich, wenn Berta im Hintergrund darauf wartet, wieder zur Hochform aufzulaufen. Volltreffer auch die Fröschles mit ihrer Gier. Oder Haushälterin Lisbeth (Annette Aigner) mit ihrer Hingabe an Schundromane und den gutmütigen Eugen (Peter Kaißer). Und nicht zuletzt Anna (Monika Kaißer) als trauernde Tochter Hämmerles.

Nach der Aufführung am Dienstag traten die Aufhausener noch am Mittwochabend auf. Der Erlös dieser Aufführung geht an die GZ-Weihnachtsaktion "Gemeinsam geht's besser". Mit schmissigen Melodien umrahmte die Stadtkapelle Geislingen die Veranstaltung.
 


Nach den beiden Vorstellungen am Dienstag und an Dreikönig in der Geislinger Jahnhalle geben die Aufhausener Laienspieler ihr Stück "Dr Hemmel wardat ed" noch am Freitag um 19.30 und am Samstag, 9. Januar, um 14.30 und um 19.30 Uhr zum Besten. Alle Aufführungen finden im Gemeinschaftshaus in Türkheim statt. Karten gibt es aber nur noch für die Nachmittagsvorstellung am Samstag um 14.30 Uhr.

Die Laienspielgruppe Böhmenkirch tritt am 9. und 16. Januar mit "Wenn der Affe dreimal bellt" zugunsten der GZ-Aktion in der Gemeindehalle in Böhmenkirch auf. Beide Aufführungen beginnen jeweils um 20 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es unter Telefon: (07332) 9 23 06 20.