Projekt Aufhausener bekommen SOS-Dosen für den Notfall

Aufhausen / Isabelle Jahn 13.07.2018
In Aufhausen gibt es jetzt kostenlos SOS-Dosen für die Bürger. Sie enthalten einen Bogen, der ausgefüllt lebenswichtige Informationen für den Notfall liefert.

Jemand verliert im Treppenhaus das Bewusstsein, und es ist kein Angehöriger zu Hause. Der Nachbar alarmiert den Rettungsdienst. Den Helfern, die kurze Zeit später eintreffen, fehlen wichtige Informationen. Hat die Person Vorerkrankungen? Nimmt sie Medikamente ein? Wer ist der zuständige Hausarzt, und wen sollen die Rettungskräfte noch benachrichtigen?

Der Fall ist konstruiert, aber realistisch. Deshalb gibt es in Aufhausen jetzt die SOS-Dose – „die Dose, die Ihr Leben retten könnte“, wie ein Info-Flyer verspricht. Die SOS-Dose, für die der Lions Club Hanau die Markenrechte besitzt, beinhaltet einen Papierbogen. Dort trägt der Besitzer persönliche Daten ein, die im Notfall wichtige Informationen darstellen.

„Es ist beruhigend, so etwas zu Hause zu haben“, sagt Hilde Brüstle. Die 78-Jährige bekam am Mittwoch als erste Aufhausenerin die SOS-Dose von Ortsvorsteher Ludwig Kraus überreicht. Für ihren Mann Heinz nahm sie auch gleich eine mit.

Sylvia Rösler, die das Pflegeheim Sonnenblick in Aufhausen leitet, hatte die Idee, die Dose im Stadtbezirk anzubieten. Im Rahmen des Projekts „Sozial im Dorf“ passe die Aktion auch zur Bürgerinitiative „Unser Dorf – unsere Zukunft“, sagt Rösler. Die Dose sei für jeden sinnvoll, nicht nur für ältere und allein lebende Menschen. Auch für Angehörige sei diese außerdem eine Entlastung, wenn diese keine genauen Angaben machen könnten: „Man nimmt die Dose aus dem Kühlschrank und gibt sie den Einsatzkräften mit“, erklärt Rösler.

Auch Hilde Brüstle ist meistens nicht alleine, da sie neben ihrem Mann auch noch mit ihren Kindern und Enkeln zusammen wohnt. „Aber manchmal bin auch nur ich zu Hause“, erzählt die 78-Jährige. Darum findet die Aufhausenerin es gut, ab jetzt die SOS-Dose im Kühlschrank zu haben.

Bürger aus dem Stadtbezirk können die kostenlosen Behältnisse täglich – auch am Wochenende – von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr im Pflegeheim Sonnenblick abholen. Pro Haushalt werden fürs Erste höchstens zwei Dosen ausgegeben, erklärt Rösler. Mitarbeiter können beim Ausfüllen des Fragebogens helfen.

Damit Rettungskräfte wissen, wo sie die vielleicht lebenswichtigen Informationen finden, hat die SOS-Dose im Haus oder in der Wohnung ihren festen Platz: in der Innentür des Kühlschranks. „Jede Wohnung hat eine Küche und in jeder Küche steht ein Kühlschrank“, erklärt Rösler und ergänzt: „Die Helfer haben keine Zeit, alles zu durchsuchen.“ Damit die Rettungskräfte wissen, dass die hilfsbedürftige Person eine solche Dose besitzt, beinhaltet das SOS-Paket auch Aufkleber, die zum einen an der Innenseite der Wohnungs- oder Haustür und zum anderen außen an der Kühlschranktür angebracht werden.

Die SOS-Dose gibt es im Kreis Göppingen seit Februar in Ebersbach, aber im Raum Geislingen bislang noch nicht. Die Rettungsdienste werden per Post darüber benachrichtigt, dass es die SOS-Dose nun auch in Aufhausen gibt, erklärt Rösler. Sie ist zuversichtlich, dass sich das Projekt, dessen Finanzierung die Volksbank Deggingen und der Lions Club Geislingen unterstützen, auch im Dorf herumspricht und bei den Bürgern Anklang findet. So sollen möglichst alle 250 Dosen noch in diesem Jahr ihre Besitzer finden. Vom Erfolg des Projekts ist auch Ludwig Kraus überzeugt: „Wenn es der eine hat, kriegt’s der andere mit.“ Der Ortsvorsteher hofft, dass sich Nachahmer im Umkreis finden werden und sich die SOS-Dose weiter verbreitet. „Es geht um Menschenleben“, betont Kraus.

Der Verein Pflegeheim Sonnenblick, der das Projekt in Aufhausen startet, will den Bürgern etwas zurückgeben, sagt Kraus als Vorsitzender des Vereins. Als das Pflegeheim vor Jahren kurz vor der Zwangsversteigerung stand, haben die Aufhausener 2012 einen Verein gegründet und die Sanierung und Modernisierung in die Hand genommen. Kraus ist nach wie vor dankbar: „Das konnten wir nur mit der Hilfe der Bürger stemmen.“

So kann man die SOS-Dose nutzen

In der Dose ist ein Blatt mit Fragen – zum Beispiel zur Einnahme von Medikamenten und Vorerkrankungen – hinterlegt, die der Besitzer beantwortet. Die Dose wird in der Innentür des Kühlschranks aufbewahrt, sodass sie Rettungskräfte leicht finden. Ein Aufkleber an der Wohnungs- oder Haustür zeigt den Helfern, dass jemand eine SOS-Dose besitzt.

Im Pflegeheim Sonnenblick bekommen Aufhausener die Dose kostenlos, pro Haushalt werden fürs Erste höchstens zwei Dosen verteilt. Hierfür gelten bestimmte Uhrzeiten: von Montag bis Sonntag jeweils von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr. Dort bekommt man auch Hilfe beim Ausfüllen des Bogens. 

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