Akustik Auf den akustische Spuren Daniel Straubs

Die beiden Klangkünstler Peter Schubert und Andreas Usenbenz wollen die Momente ihres Klangkunststücks „maschinenfabrik“ interessierten Hörern zugänglich machen.
Die beiden Klangkünstler Peter Schubert und Andreas Usenbenz wollen die Momente ihres Klangkunststücks „maschinenfabrik“ interessierten Hörern zugänglich machen. © Foto: klanggold
Eva HEER 13.01.2018

Zum 200. Geburtstag von Daniel Straub hat der Geislinger Klangkünstler Peter Schubert 2015, gemeinsam mit Andreas Usenbenz aus Ulm, das Stück „maschinenfabrik“ produziert.  Jetzt ist eine CD mit überarbeiteten Aufnahmen erschienen. Sie soll die Geschichte von Daniel Straub in akustischer Form für die Nachwelt zu archivieren.

Für wen  ist diese akustische Spurensuche interessant?

Peter Schubert: Die Arbeit ist für alle Interessierten von klangkünstlerischen oder zeitgenössischen Werken interessant. Auch für Interessenten aus den Bereichen „Fieldrecording“, also die Aufnahme von Umgebungsgeräuschen und -klängen vor Ort oder Phonografie kann die Arbeit von Bedeutung sein. Und am Ende auch für diejenigen, die einfach nur gerne genau oder auch anders hinhören. Sicherlich ist die Arbeit nicht für jedermanns Ohren konform, jedoch kann es auch für den ein oder anderen interessant sein zu erforschen, wie wir uns dem Thema akustischer Umsetzung“ genähert haben. Einige der für die ausschließlich aus Field Recordings erarbeiteten Kompositionen haben im Original auch den Weg auf die Seite der Hörkarte unter www.heimart.org gefunden, welche ja seit Jahren quasi als eine Art akustischer Datenbank für die relativ ländliche Gegend rund um Geislingen fungiert.

 Gibt es Sammler akustischer Kunst? Wie kann man sich das vorstellen?

Weltweit gibt es eine rege Community, welche sich der Klangkunst seit den 1950er Jahren verschrieben hat. Man muss nur an die Werke von Pierre Schäffer, Henri Chopin oder Karlheinz Stockhausen denken, welche bis in die heutige Zeit ihre Spuren hinterlassen haben. Natürlich ist es schwierig, ein Klangkunstwerk mit einer Skulptur oder einem Gemälde zu vergleichen. Ein Bild oder eine Figur als Unikat hat sicherlich einen anderen Stellenwert im Vergleich zu einer CD, Schallplatte oder Kassette. Vor allem auch, weil diese Medien problemlos zu reproduzieren sind. Trotz allem gibt es Kleinstauflagen mancher Werke in künstlerisch wertvoll gestalteten Umverpackungen, welche durchaus zu gesuchten Sammlerstücken zählen, deren Verkaufswert den Wert des eigentlichen Mediums weit übertrifft.

Bei der Aufführung des Stücks zur Eröffnung des Geislinger Kulturherbstes waren auch die visuellen Effekte sehr beeindruckend. Warum eine CD und keinen Film, der Akustisches und Visuelles verbindet?

Die Frage ist relativ simpel zu beantworten. Wir hatten versucht das Projekt als CD- und DVD-Paket über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter zu finanzieren, jedoch gelang es uns bei zwei Versuchen nicht, die geplanten finanziellen Ziele zur Unterstützung zu erreichen. So war es für uns schlichtweg nicht machbar, solch ein Paket zu schnüren und es blieb die „einfache“ Variante der CD.

Wird es von Ihnen weitere Klangkunst in Geislingen geben?

Nicht nur in Geislingen. Andreas Usenbenz überarbeitet im Moment seine Klanginstallation „Resonanz“ für eine Sammelausstellung in der Städtischen Galerie Rosenheim. Außerdem erarbeiten wir eine Klanginstallation zum Thema „Fils“ zur kommenden Langen Kunstnacht in Bad Ditzenbach im Mai. Für Geislingen stehen aktuell erste Gespräche an, dazu kann ich allerdings noch nichts Finales vermelden. Es könnte aber spannend werden. Und ich denke, spätestens zum Kunstfrühling 2019 wird es wieder irgendwo klingen.

Info Die CD „plaqué“ ist in der Geislinger Buchhandlung Ziegler oder über das Ulmer Label „klanggold“ erhältlich. Sie kostet 9 Euro.

Das Klangkunst-Projekt „maschinenfabrik“

Die Klangtüfftler Andreas Usenbenz aus Ulm und der Geislinger Peter Schubert begaben sich 2015 auf die Spuren des Geislinger Metallwarenfabrikanten Daniel Straub (1815 – 1889). Sie fertigten Tonaufnahmen, sogenannte Field Recordings, aus Geislingen und der Umgebung an. Fern jeglicher Studio-Technik besuchten sie Orte, die in unmittelbarem Zusammenhang zu Daniel Straub standen und heute noch stehen. So wurden in der Rohrach, im  Naturschutzgebiet, wo heute noch die Mühle von Straubs Vater steht, Wasser- und Unterwasseraufnahmen gewonnen. Sie dienten als akustische Fotografie (Phonografie) des Ortes, an dem Straub lebte.