Religion Angeregte, respektvolle Diskussion beim interreligiösen Dialog

Geislingen / Claudia Burst 14.12.2017
Das Thema war Weihnachten beim interreligiösen Dialog am Dienstag in Sankt Maria.

Wie wird Heiligabend bei Christen gefeiert? Und warum? Worin liegt der Unterschied zwischen evangelisch und katholisch? Und wie ist das mit der Heiligen Dreifaltigkeit? Es waren viele Fragen, die am Dienstagabend im Rahmen des Interreligiösen Dialogs in der Kirche Sankt Maria von den türkischen Mitbürgern gestellt wurden. Das Thema des Abends war Weihnachten – aber schnell wandten sich die Fragen tiefgründigen Unbegreiflichkeiten des christlichen Glaubens aus muslimischer Sicht zu.

22 Christen und Muslime waren gekommen, um durch Gespräche und Fragen gegenseitiges Verständnis aufzubauen und sich auf diese Weise näher zu kommen. Es war die sechste Veranstaltung dieser Art in diesem Jahr, jede hatte an einem anderen Ort – mal mit christlichen, mal mit muslimischen Gastgebern – stattgefunden. In Sankt Maria herrschte den ganzen Abend über eine entspannte Stimmung. Die Fragen wurden in neugierig-interessiertem Ton gestellt und sachlich beantwortet.

Isabella Weber, die Gemeindereferentin von Sankt Maria, hatte zur Begrüßung darauf hingewiesen, dass Weihnachten erst seit dem dritten Jahrhundert gefeiert wird – als Christen den römischen Sonnengott, dem am 25. Dezember gehuldigt wurde, mit Jesus Christus als dem „Licht der Welt“ ersetzten.

Mit ihrer Frage, ob auch Nichtchristen in Deutschland Weihnachten feiern, eröffnete sie den Dialog. „Ja“, meinte eine Frau, ihr gefalle der Christbaum, deshalb stelle auch sie einen solchen auf. „Und ich schenke meinem Neffen und meiner Nichte etwas, weil das so festlich ist.“ Was der Unterschied zwischen dem Nikolaus und dem Weihnachtsmann ist, wollte jemand wissen und wie Christen Heiligabend feiern. Dekan Martin Ehrler gab die Antworten und auch Antworten auf andere Fragen zu Weihnachten. Er beschrieb den Gästen, die im April bereits in der Stadtkirche gewesen waren, die Besonderheiten einer katholischen Kirche. Wie etwa die Kniebänke, den Weihrauch-Duft oder warum in der Adventszeit nur ein Adventskranz, aber noch kein Baum die Kirche schmückt. Er erläuterte den Glauben an die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, beschrieb das Tabernakel und beantwortete eine Frage zu den Heiligen Drei Königen. Diese brachte einen der türkischen Gäste auf die Heilige Dreifaltigkeit – er fragte nach, was es damit auf sich habe. Ehrler sagte, dass diese Frage schwer erklärbar sei, versuchte aber, diese komplizierte Theologie begreifbar zu machen. Einer der deutschen Teilnehmer versuchte es mit dem Beispiel „Wasser, Eis und Dampf“ und „trotzdem ist alles dasselbe Element“.

„Bei uns ist Gott Gott und Jesus ist ein Prophet“, erläuterte der Fragensteller sein Verständnisproblem. „Ja, das ist der große Unterschied“, antwortete Martin Ehrler, „ wir glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist.“ Wie Jesus denn Sohn sein könne und gleichzeitig Gott, hakte ein anderer nach und ob mit dem Tod Jesu dann auch Gott getötet worden sei. Diese Diskussion zog sich eine Weile hin.

Zum Abschluss gab’s eine „weihnachtlichen Stärkung“ im Gemeindesaal.

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