Nellingen Angebote „total übertrieben“

Die Firmen im Nellinger Gewerbegebiet „Oppinger Grund“ müssen sich beim Breitbandausbau noch  etwas gedulden.
Die Firmen im Nellinger Gewerbegebiet „Oppinger Grund“ müssen sich beim Breitbandausbau noch etwas gedulden. © Foto: rh
Nellingen / Ralf Heisele 18.07.2018
Der Nellinger Gemeinderat hebt die Ausschreibung für Tiefbauarbeiten für den Breitbandausbau wegen zu hoher Forderungen auf.

Seit drei Jahren forciert die Gemeinde Nellingen den Ausbau des Breitbandes. Die Planungen sind weit gediehen. In einem ersten Schritt sollte nun das Gewerbegebiet Oppinger Grund mit 43 Betrieben sowie der Ortsteil Oppingen an das schnelle Internet angeschlossen werden. Doch der überhitzte Markt im Baugewerbe könnte dem ehrgeizigen Plan einen Strich durch die Rechnung machen: Am Montagabend wurde dem Gemeinderat das Ergebnis der Ausschreibung für die Tiefbauarbeiten samt Einbau der Leerrohre, in die später das Glasfaser verlegt werden soll,   präsentiert – für die Gemeinderäte ein Schock. Die vier abgegebenen Angebote liegen „weit über den derzeitigen, marktüblichen Preisen“, sagte der Geschäftsführer Thomas Scherraus vom Ulmer Ingenieur­büro Wassermüller, das mit der Planung beauftragt ist.

Das „günstigste“ Angebot liegt mit 1,34 Millionen Euro 27  Prozent über der Kostenschätzung von 1,05 Millionen Euro. Das teuerste Angebot lag sogar bei 1,59 Millionen Euro. Hinzu kommen noch die Honorare für Ingenieur­leistungen in Höhe von rund 200 000 Euro. Die Kostensteigerung zeigt sich laut Scherraus vor allem im Bereich der Tiefbauarbeiten. So würden beispielsweise für die Asphaltarbeiten teilweise über 50 Prozent mehr verlangt als das Büro Wassermüller noch im Mai kalkuliert hat.

Unterm Strich entsteht nach Angaben des Kämmerers Werner Zimmermann der Gemeinde dadurch eine Deckungslücke von einer halben Millionen Euro. Kämmerer und Bürgermeister Franko Kopp waren sich einig, die „erhebliche Überschreitung“ der Kostenschätzung nicht hinzunehmen. „Es tut mir unheimlich weh, aber die Finanzierung ist damit nicht gesichert“, sagte der Bürgermeister. Er plädierte für die Aufhebung der Ausschreibung. Gleiches schlug Diplom-Ingenieur Scherraus vor. Dadurch könne man in einem nächsten Schritt die Arbeiten in beschränkter Form erneut ausschreiben und dabei gezielt regionale Firmen ansprechen. Bürgermeister Kopp will so bei der Bauausführung dann einen „zeitlichen Spielraum herausholen, der den Firmen entgegenkommt.“

Doch die Zeit drängt: Der Gemeinde ist für das Projekt ein Zuschuss über 446 000 Euro genehmigt worden. Allerdings muss hierfür der Auftrag bis Ende September vergeben werden. Nun will Bürgermeister Kopp versuchen, die Frist verlängern zu lassen. In seiner 17-jährigen Amtszeit habe er noch nie eine Ausschreibung aufheben müssen, sagte er. Den Kopf in den Sand stecken will Kopp aber nicht. „Wir bleiben an dem Thema dran“, kündigte der Schultes an und hofft dabei auf die erneute, dann aber beschränkte Ausschreibung.

Der Nellinger Gemeinderat stimmte letztlich einstimmig dafür, die jetzige Ausschreibung aufzuheben. Im Gremium gab es kaum Wortmeldungen. Für Herbert Bühler sind die vorliegenden Angebote „total übertrieben“. Und für Werner Staudenmaier  habe man „eigentlich keine andere Wahl, als die Ausschreibung aufzuheben.“

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