Geislingen an der Steige Ampeln zeigen mal rot, mal Grün

Geislingen an der Steige / RODERICH SCHMAUZ 04.10.2014
Zehn grüne Ampeln, fünf rote und neun gelb-rote: Das beschreibt nicht die vertrackte Verkehrslage in Geislingen; mit Ampelfarben signalisiert der neue Nachhaltigkeitsbericht, wo die Stadt diesbezüglich steht.

Es geht um die wesentlichen Lebensbereiche und kommunalen Handlungsfelder: Ökologie, Ökonomie, Soziales und Teilhabe. Diese Bereiche nimmt der neue Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Geislingen auf seinen 72 Seiten unter die Lupe. Insgesamt 44 sogenannte Indikatoren werden dargestellt und bewertet; je nachdem, wie weit die Stadt in einzelnen Sektoren ist, wird das im Bericht mit grünen, gelben oder roten Ampelpunkten signalisiert. Die roten zeigen, wo Defizite liegen und dringender Handlungsbedarf besteht.

Die städtische Umweltbeauftragte Sonja Pfau stellte den nach 2006 und 2010 nunmehr dritten Nachhaltigkeitsbericht am Mittwoch dem Geislinger Gemeinderat vor. Die Erarbeitung und das Zusammentragen von statistischem Material als Basis für objektive Bewertungen übernahmen zwei Studentinnen der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, die in Nürtingen den Masterstudiengang Umweltschutz belegt haben.

Einige wenige Beispiele zum konkreten Inhalt des Nachhaltigkeitsberichts:

Wenn es um Mobilität geht, wird untersucht, wieviele Fahrzeuge in Geislingen auf 1000 Einwohner kommen, wie sich die Motorisierung entwickelt hat - und welche Ansatzpunkte es für umweltverträgliche Fortbewegungsformen gibt.

Bei der Ökonomie wird aus dem Bereich Arbeitsmarkt der Anteil der Langzeitarbeitslose oder die Arbeitslosigkeit von Frauen und Männern untersucht.

Sein Augenmerk legt der Nachhaltigkeitsbericht auf die zunehmende Überalterung der Einwohner und einen in den meisten Jahren negativen Wanderungssaldo.

Im Bereich Teilhabe weist der Bericht auf die miserable Wahlbeteiligung bei den jüngsten Kommunal - und OB-Wahlen hin. Hier wie in anderen Punkten heißt es dann allerdings nur lapidar, man müsse "geeignete Maßnahmen" ergreifen.

Oberbürgermeister Frank Dehmer und Sonja Pfau verwiesen darauf, dass sich manches aus dem Bericht mit den Handlungsfeldern deckt, die sich bei "Mach 5", dem bürgerschaftlich Beteiligungsprozess als wichtig herauskristallisiert haben. Gemeinderäte griffen unterschiedliche Aspekte heraus. CDU-Stadtrat Peter Maichle vermisst in dem Bericht Aussagen dazu, dass eine gute Verkehrsanbindung für die Wirtschaftsentwicklung unabdingbar ist. Sein Fraktionskollege Holger Scheible bemängelte, dass auf übergewichtige Kinder eingegangen wird, aber mit keinem Wort auf die groß angelegte Aktion "Bewegte Kommune". Die Handlungsempfehlungen seien oft viel zu unkonkret, meinte Thomas Reiff (SPD). Sein Kollege Dr. Hansjürgen Gölz wurde noch deutlicher: Der Nachhaltigkeitsbericht sei eine Ansammlung von Plattitüden, verfasst von Studentinnen, die nicht in Geislingen wohnen und sich in der Stadt nicht auskennen.

Dem widersprach Dehmer. Er und Sonja Pfau sagten zum weitern Fortgang, dass man die Vorschläge aus dem Mach5-Prozess derzeit noch aufbereite. Zusammen mit dem Gemeinderat solle im kommenden Jahr eine Prioritätenliste samt Fahrplan erarbeitet werden.

Konkretes Beispiel

Dass Geislingen seiner Meinung nach "ein verdammtes Imageproblem" hat, erläuterte CDU-Stadtrat Professor Dr. Werner Ziegler, der frühere Rektor der Hochschule Nürtingen-Geislingen, jüngst im Gemeinderat in seiner bekannt anschaulich-humorvollen Art so: "Angenommen, ich gehe in Nürtingen in eine Kneipe und sage: Ach, wie hässlich ist doch dieses Nürtingen, da ist doch alles schlecht. Da werde ich Probleme haben, noch lebendig aus dem Lokal zu kommen. Wenn ich in Geislingen in einer Kneipe sage: In Geislingen ist alles mies, dann stimmen mir alle im Raum zu."

SWP