Bei strahlend blauem Himmel kamen die Ausflügler am späten Samstagvormittag im idyllischen Bebenhausen mitten im Naturpark Schönbuch an. Mit von der Partie war Maria Stollmeier von der Schwäbischen Landpartie, die den Ausflug für die GEISLINGER ZEITUNG organisiert hatte. Sofort ging es los zur Erkundung von Schloss und Kloster Bebenhausen, das zu den besterhaltensten Klosteranlagen in ganz Süddeutschland gehört.

Gestiftet wurde das Kloster 1183 von Pfalzgraf Rudolph von Tübingen als Grablege für seine Familie. "Er wollte hier im Kloster beerdigt werden", erklärt Führerin Iris Hennig. Ein Grab an einem solch heiligen Ort habe als beste Chance gegolten, direkt in den Himmel zu kommen. Wenige Jahre nach der Gründung wurde das Kloster von Zisterziensern übernommen, die die Anlage ausbauten. Bebenhausen entwickelte sich rasch zu einem der reichsten Klöster des Landes.

Im Jahr 1543 mussten die Mönche jedoch weichen: Herzog Ulrich I. von Württemberg führte in seinem Territorium die Reformation ein, das Kloster Bebenhausen wurde zur evangelischen Klosterschule. Friedrich I., der erste König von Württemberg, ließ die theologische Schule 1806 schließlich auflösen. Der begeisterte Jäger hatte aber Gefallen an der Anlage mitten im Schönbuch gefunden und nutzte das Abthaus des ehemaligen Klosters als Jagdsitz. Sein Enkel Karl I. schließlich ließ das ehemalige Gästehaus des Bebenhausener Klosters zum Jagdschloss umbauen und das Obergeschoss für sich und seine Frau Olga im historischen "Retro-Stil", der sich an Gotik und Renaissance orientierte, einrichten.

Regelmäßig luden die württembergischen Landesherren immer wieder hohe Gäste zur Jagd nach Schloss Bebenhausen ein. Wilhelm II. von Württemberg beherbergte oft 30 bis 40 Jagdgäste zugleich - darunter zum Beispiel den deutschen Kaiser Wilhelm II. "Für seine Gäste war dem württembergischen König nichts zu teuer", erzählt Iris Hennig. Er selbst mochte es eher bescheiden: Während seine Gäste in den Genuss französischer Küche kamen, war das Lieblingsgericht des Königs rote Wurst mit Kartoffelsalat. Seine Gemahlin Charlotte dagegen achtete auf ihre Linie und bevorzugte die "Champagnerdiät".

Die Kunstliebhaber Wilhelm II. und Charlotte behielten den historistischen Einrichtungsstil von Karl I. bei und fügten weitere Um- und Ausbauten hinzu. So entstand in der ehemaligen Infirmerie, der Krankenstation, auf einer Fläche von 240 Quadratmetern eine moderne Großküche mit Silberputzkammer und Speiseaufzug.

Die Appartements der Königin wurden während des Ersten Weltkriegs modernisiert, elektrifiziert und mit einer Dampfheizung und einem auch heute noch modern wirkenden Badezimmer ausgestattet. Wie der Rest des Schlosses sind auch Charlottes Gemächer über und über mit Jagdtrophäen dekoriert. "Charlotte war eine moderne Frau, die Kutsche, Ski und Fahrrad fuhr und auch selbst auf die Jagd ging", sagt Iris Hennig.

Bei der Umsetzung ihres "Jagdmotivs" schreckten Wilhelm und Charlotte auch nicht vor Kitsch zurück. So sorgten eine im Flur, dem "Hirschgang", aufgestellte präparierte Eule mit beleuchtbaren Augen und ein ausgestopfter Bär mit Bierkrug in der Tatze für Erheiterung bei den Teilnehmern des GZ-Ausflugs. Für die Reisenden aus Geislingen gab es aber auch ein ganz besonderes Ausstellungsstück in den königlichen Gemächern: Das Schachspiel aus Walrossbein, das der Geislinger Elfenbeinschnitzer Johann Friedrich Knoll 1913 als Meisterarbeit anfertigte. Im Geislinger Heimatmuseum gibt es nur eine Tuschzeichnung des wertvollen Stücks zu sehen. Auch nach seiner Abdankung im Jahr 1918 behielten Wilhelm und Charlotte Schloss Bebenhausen bis zu ihrem Tod als Wohnsitz. Hier in seinen Privatgemächern unterschrieb Wilhelm auch seine Abdankungsurkunde.

Für die GZ-Ausflügler ging es nach der Besichtigung von Schloss Bebenhausen weiter zum Mittagessen in die quirlige Studentenstadt Tübingen. Im Gasthaus "Casino" direkt am Neckar gab es für alle Linsen und Spätzle. Vor der Rückfahrt nach Geislingen blieb noch genügend Zeit für einen kleinen Bummel durch die malerische Universitätsstadt.