Geislingen an der Steige Als Frau zurückgesteckt

Am Vorabend des Weltfrauentags sprachen Ulrike Haas ( links), Martina Brandl (2. von rechts) und Brigitte Lösch (rechts) mit Jessica Meininger. Foto: Stefanie Schmidt
Am Vorabend des Weltfrauentags sprachen Ulrike Haas ( links), Martina Brandl (2. von rechts) und Brigitte Lösch (rechts) mit Jessica Meininger. Foto: Stefanie Schmidt
Geislingen an der Steige / STEFANIE SCHMIDT 09.03.2013
Es war eine lockere und humorvolle Runde: Am Vorabend des Weltfrauentags unterhielten sich Martina Brandl, Ulrike Haas und Brigitte Lösch in der Geislinger Rätsche über "Karriere, Kita, Kabarett".

Die Kabarettistin Martina Brandl, die Kommunalpolitikerin und Referatsleiterin Ulrike Haas und die Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch kennen sich seit ihrer Jugend in Geislingen. Privat und beruflich gingen sie zwar getrennte Wege, landeten aber schließlich alle bei den Grünen. Mit Moderatorin Jessica Messinger unterhielten sie sich am Vorabend des Weltfrauentags in der Rätsche im Geislinger Schlachthof über Frauen und Männer, Beruf und Familie, Macht und Quote, Sexismus und Feminismus.

"Wäre eure Karriere als Mann anders verlaufen?", fragte Jessica Messinger ihre Gäste zum Einstieg. Brigitte Lösch antwortete: Erst in der Landespolitik habe sie zu spüren bekommen, dass es einen Unterschied mache, eine Frau unter vielen etablierten Männern zu sein. Im Moment liege der Frauenanteil bei beschämenden 18 Prozent. "Die Old-Boys-Netzwerke gibt es wirklich, da tut man sich als Frau schwer." Deswegen sei sie eine leidenschaftliche Quoten-Verfechterin: "Denn ohne eine gesetzliche Regelung wird sich nichts ändern."

Eine Quote hätte Kabarettistin Martina Brandl in ihrem Wirkungsbereich auch gerne. So gebe es Absagen von Veranstaltern mit der Begründung: "Tut mit leid, wir haben diesen Monat schon eine Frau." Auch würden weibliche Kabarettistinnen oft mit der Erwartung engagiert, das Programm einfach nur "aufzuzuckerln". Seien Künstlerinnen nicht nett und putzig, würden sie schnell als kantig und zickig abgestempelt. "Als Mann wäre ich sicher schneller und weiter aufgestiegen", glaubt Brandl.

Eine weitere Perspektive bringt Ulrike Haas - die einzige Mutter unter den Diskutantinnen - in das Gespräch mit ein: "Meine Mutterrolle hat meine Karrieremöglichkeiten sicherlich eingeschränkt." Betreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr habe es vor 25 Jahren im Filstal noch nicht gegeben. Ihr Glück sei es gewesen, dass ihr Mann 50 Prozent der Familien- und Hausarbeit übernommen habe und sie sich zudem ein privates Netzwerk von Unterstützern aufbauen konnte.

Sexismus ist den drei Frauen allen schon in unterschiedlicher Form begegnet. Dass Rainer Brüderles Verhalten gegenüber einer Journalistin eine Debatte angestoßen hat, begrüßen sie. Der Erfolg von Komikern wie Mario Barth beleuchte den Stand der Emanzipation in Deutschland, meint Brandl: "Teilweise gehen wir wieder rückwärts."

Als Feministin sieht sich jede der drei Frauen. "Auch wenn es die Jungs geschafft haben, den Begriff zum Schimpfwort zu machen", betont Martina Brandl.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel