Raum Geislingen Alb-Traum100: Premiere gelungen, Fortsetzung geplant

Raum Geislingen / Kathrin Bulling 14.05.2018
Beim Ultralauf auf dem Albtraufgänger gewinnt Uli Calmbach auf der langen Strecke, die Geislingerin Katja Kust ist schnellste Frau über 57 Kilometer.

Eine mit Salz bestreute Gurkenscheibe und ein paar kräftige Schlucke Wasser: Mehr braucht Uli Calmbach nicht, um sich an Verpflegungsstelle 6 am Gairenbuckel für die letzten 34 Kilometer zu stärken. Dass er bereits 81 Kilometer in den Beinen hat, ist dem Donzdorfer nicht anzusehen: Mit leichtem Lächeln und fokussiertem Blick zieht er zügigen Schritts an ein paar Wanderern vorbei den Stich Richtung Wasserberg hoch.

Den Helfern am Stand – haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizes in Faurndau und des Kinder- und Jugendhospizdienstes der Malteser – bleibt nur, fasziniert den Kopf zu schütteln. „Ich habe mir das Höhenprofil angeschaut“, erzählt Helfer Hans- Joachim Krippendorf: „Mannomann.“

115 Kilometer und 3400 Höhenmeter

Uli Calmbach ist einer jener hartgesottenen Läufer, die am liebsten die Ultradistanzen unter die Sohlen nehmen. Kein Asphalt, dafür Trails – und Berge. In diesem Fall: 115 Kilometer und 3400 Höhenmeter auf dem Albtraufgängerweg. Keine Zuschauermassen wie bei den Stadtmarathons, dafür Vogelgezwitscher, der Wind in den Blättern und das eigene Keuchen in den Ohren.

Trailläufe haben Konjunktur. Immer mehr Läufer reizen die langen Distanzen in der Natur, der Willenskampf, den die knochenharten Strecken einem abverlangen, aber auch die freundschaftliche Atmosphäre in der Trail-Familie – man kennt sich und geht lieber gemeinsam über die Ziellinie, als auf den letzten Metern um Plätze zu sprinten.

Manch einer kapituliert

Die Macher des Alb-Traum100 kennen all dies, weil die meisten von ihnen selbst auf den Langdistanzen und in den Bergen zahlreiche Läufe bestritten haben. Dass an diesem Wochenende 53 Alb-Träumer auf ihrer Strecke unterwegs sind und 122 Halb- Träumer die „kurze“ Runde mit 57 Kilometern und 1700 Höhenmetern in Angriff nehmen, erfüllt sie mit Stolz.

Nicht alle kommen im Ziel an, sie scheitern an den Zeitvorgaben oder krampfenden Beinen. Zum Beispiel der blinde Dietmar „Didi“ Beiderbeck, der es mit Laufbegleitung bis Kilometer 80 schafft und angesichts der Cut-off-Zeiten kapituliert. Oder die mit riesigen Rucksäcken ausgerüsteten „5 Baura-Buaba“, die die große Strecke wandern wollten und etwa bei Kilometer 40 die Segel strecken. Auch wenn sich mancher zwischendurch kurz verläuft – alle schaffen es wohlbehalten nach Hause, größere Verletzungen gibt es nicht.

„Geilster Ultratrail, den ich je gelaufen bin“

Einer, der ankommt – und zwar richtig schnell –, ist Paul Tezlaw: Der für den DJK Schwäbisch Gmünd startende Halb-Träumer erreicht um 14.39 Uhr, nach 5:39 Stunden, als allererster das Ziel im Geislinger Stadtpark. Zwar ist er noch etwas außer Atem, eins aber will er sofort loswerden: „Das war der geilste Ultratrail, den ich je als Wettkampf gelaufen bin.“ Es sei die geniale Mischung aus Anstiegen, Trails, breiteren und flachen Wegen, die die Strecke so attraktiv machten, sagt Tezlaw.

Das bestätigen in den kommenden Stunden alle Teilnehmer, schwärmen von den Ausblicken am Albtrauf, den schönen Wegen, der tollen Verpflegung und den freundlichen Helfern. „Das ist einfach eine tolle Sache“, sagen auch Grünen-Gemeinderat Bernhard Lehle und Oberbürgermeister Frank Dehmer, die im Eybacher Tal Äpfel schneiden und Cola bereithalten. Dehmer ist selbst Gründungsmitglied des Vereins, schaut immer wieder im Stadtpark vorbei und singt abends mit „Campfire“ im Rahmenprogramm.

Uli Calmbach erreicht am Samstag um 16.24 Uhr das Ziel; von VP6 hat er noch knapp vier Stunden gebraucht, 12:24 insgesamt. Die Organisatoren freuen sich mit ihm – und am Sonntagnachmittag darüber, dass alle heil ins Ziel gekommen sind und sie nun nach monatelangen Vorbereitungen ausspannen können. Premiere gelungen, Fortsetzung 2019 fest geplant.

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