Geislingen / Kathrin Bulling  Uhr
Beim Geislinger Ultralauf trotzen 247 Teilnehmer Gewitter und Hagel. Großes Lob gibt’s für die Veranstalter.

Als Andreas Thumm am Samstag um 14.11 Uhr die Ziellinie im Stadtpark überquert, prasselt der Regen nur so nieder. Aus dunkelgrauen Wolken blitzt und donnert es. „Ja, am Schluss ist es etwas schattig geworden“, sagt der Altdorfer unbekümmert und wischt sich das klatschnasse Gesicht ab. „Aber bis auf die letzten 30 Minuten war es super. Das ist ein ganz tolles Event.“

Sieger des Halb-Traums: Andreas Thumm

Mit 5:11 Stunden hat der Sieger des Halb-Traums die Vorjahreszeit von Paul Tezlaw (verletzungsbedingt nicht am Start) mit 5:39 Stunden sauber geknackt. Zusammen mit Thumm haben sich um 9 Uhr 172 weitere Teilnehmer auf die 57 Kilometer lange Strecke mit ihren 1700 Höhenmetern gemacht.

Darunter ein Team mit bekannten Namen: Der Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer wandert zusammen mit seinem Sohn, mit Isabell Noether, Geschäftsführerin der Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf, der Schlater Bürgermeisterin Gudrun Flogaus und Holger Bäuerle, dem Tourismusbeauftragten des Landkreises.

Landrat Edgar Wolff muss passen wegen Knochenhautentzündung

Eigentlich wollte auch Landrat Edgar Wolff mit auf die Strecke gehen, doch beim Training hatte er sich eine Knochenhautentzündung zugezogen – und feuert deshalb nur beim Start an der Jahnhalle an. „Es geht mir zwar wieder besser, aber ich will lieber nichts riskieren“, sagt er. Den Benefiz- Ultralauf hält er für eine beeindruckende Aktion und eine klasse Sache für den Landkreis, der sich mit seiner schönen Landschaft dabei bestens präsentieren könne.

Gründungsmitglied Frank Dehmer in freudiger Erwartung

Das sieht auch Frank Dehmer so, der selbst Gründungsmitglied des ausrichtenden Vereins Alb-Traum100 ist und bei der Premiere 2018 noch an der Verpflegungsstation im Eybacher Tal die Läufer mit Obst, Käse und Cola versorgte. Er sei „in freudiger Erwartung“ erklärt der OB vor dem Start und bekennt: „Ja, klar, ich bin auch aufgeregt.“ 19 Stunden Zeit haben er und seine Mitwanderer für die 57 Kilometer. Am Ende muss Dehmer wegen Knieproblemen aussteigen, die anderen schaffen es ins Ziel.

Alb-Traum: 115 Kilometer und 3400 Höhenmeter

Noch mal eine ganz andere Nummer haben sich die 74 Starter des Alb-Traums seit 4 Uhr morgens vorgenommen. Sie wollen in 24 Stunden 115 Kilometer mit 3400 Höhenmetern hinter sich bringen. „Ich werde ganz ehrfürchtig, wenn ich so etwas sehe“, meint Kerstin Michels. Sie gehört zu Ralf Fetzers Team – Freunde und Bekannte der Organisatoren –, das seit zirka halb fünf bei der Wallfahrtskirche Ave Maria die Stellung hält, Läufern und Wanderern die Wasserschläuche füllt, Melonenschnitze schneidet, Wurst, Schokolade und Kekse reicht.

Kerstin Michels läuft selbst, ein Halbmarathon sei bisher „das Höchste der Gefühle“ gewesen, erzählt sie – „und dann kommen hier die Läufer an, und die haben gar kein außergewöhnliches Equipment, keine besonderen Laufschuhe. Da bin ich einfach total beeindruckt. Wissen die, was sie noch vor sich haben?“

Manuel Schmied weiß es. Ein paar Kilometer Luftlinie von Ave Maria entfernt, am Parkplatz Kuchberg bei Oberböhringen, kommt der Schwäbisch Gmünder um kurz nach 13 Uhr an der Verpflegungsstation an. Als erster der Alb-Träumer, mit großem Abstand zum Zweiten und einem Lächeln im Gesicht. „Läuft super bisher“, meint er zwischen zwei Schlucken Wasser. „Aber jetzt kommt dann das Spannende.“

„Ich finde es schön, wie freundschaftlich alle Läufer miteinander umgehen“

Eine Halb-Träumerin neben ihm lacht trocken: „Echt? Ich finde es schon seit 30 Kilometern spannend.“ Karen Straubmüller und Christine Lamparter vom ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser schauen sich das Gewusel an ihrem Stand zufrieden an. Zusammen mit den Kollegen – haupt- wie ehrenamtlich – vom Hospiz in Faurndau betreiben sie diese Station sowie jene am Gairenbuckel. „Ich finde es schön, wie freundschaftlich alle Läufer miteinander umgehen“, meint Straubmüller. „Alle sind hoch motiviert und sehr freundlich.“ Den Benefizlauf findet sie großartig, „es ist selbstverständlich, dass wir hier helfen, wir profitieren schließlich auch davon – jeder Läufer hier legt sich für uns ins Zeug“.

Erster des Alb-Traums: Manuel Schmied

Manuel Schmied ist schon wieder unterwegs. Nach 11:58 Stunden wird er als Erster des Alb-Traums mit fast zwei Stunden Vorsprung ins Ziel kommen; das Wetter hat sich wieder beruhigt. Sein Fazit: „Ich hatte mir die zwölf Stunden als Ziel gesetzt, das hat punktgenau hingehauen. Was hier auf die Beine gestellt wird, ist eine tolle Sache, und die Verbindung mit dem Spenden aspekt ist super.“

Dieser Artikel stammt aus der gedruckten Ausgabe der GEISLINGER ZEITUNG vom 20. Mai 2019.