Musik Aja Soul Group: Weit weg vom süßlich-glatten Soulpop

Die Vorarlberger Aja Soul Group (im Bild Sängerin Aja und Bassist Stephan Rheintaler) hebt sich mit originellen Akkordriffs, jazzigen Harmonien und leicht schrägen klanglichen Ideen vom aktuellen süßlich-glatten Soulpop ab.
Die Vorarlberger Aja Soul Group (im Bild Sängerin Aja und Bassist Stephan Rheintaler) hebt sich mit originellen Akkordriffs, jazzigen Harmonien und leicht schrägen klanglichen Ideen vom aktuellen süßlich-glatten Soulpop ab. © Foto: Stefan Renner
Geislingen / Stefan Renner 20.03.2017

Dass Österreich weit mehr in Sachen Musik zu bieten hat als Austropop ist bekannt. Zu denken wäre da etwa im Bereich Jazz an die Muthspiel- oder Pilcher-Brüder. Auch die fünf Mitglieder der Aja Soul Group, allesamt virtuose, technisch beschlagene und sich sensibel einbringende Musiker, stellten dies am Freitag bei der Rätsche eindrücklich unter Beweis. Zur Band, deren Debütalbum 2010 erschien, gehören mittlerweile Benny Omerzell an den Tasten, Stephan Rheintaler am E-Bass, Christian Eberle an den Drums, der mit unglaublichem Timing,  geschmeidigem Anschlag und großer Soundvielfalt aufwartende Gitarrist Toni Eberle und allen voran Aja – eine stimmlich facettenreich und vielfarbig agierende Souljazzsängerin, die ihrem Publikum als mitreißende und mitgehende Vokalistin mit großem Ausdruck begegnet.

Mit dem Titelstück „Territory“ steckte das Quintett gleich zu Beginn sein musikalisches Revier ab. Die Musiker entwickelten eine persönliche Soul-Position, die sich wohltuend vom aktuellen allzu süßlichen, geglätteten und mutlosen Soulpop abhebt. So arbeiteten sie Funk, raffinierte, teils laid back, teils verschleppt, teils vertrackt oder auch straight gespielte Rhythmen, markante Licks und feinsinniges Songwritertum ein. Originelle Akkordriffs, jazzige Harmonien, Unisono-Passagen zwischen Gitarre und Stimme sowie leicht schräge solistische und klangliche Ideen rundeten neben dem unvergleichlichen Gesang diese eigenständige Mixtur ab.

Die hervorragend eingespielte Band bot diesen Stil mit einem unglaublichen Flow dar sowie mit einer Direktheit und feinsinnigen Rauheit, die vielen neueren Bands abgeht; man kennt einen solch direkten, mit großer Könnerschaft entwickelten musikalischen Ausdruck etwa von den frühen Alben Merry Claytons.

„Nu Soul“ bezeichnen die Musiker diesen Stil, und ihnen bei diesem zuzuhören war ein Genuss. Die Sängerin wand sich stimmlich, sang mit klarer sowie angerauter Stimme und zog frei über die rhythmischen Strukturen. Locker, leicht und geschmeidig glitt ihr Gesang über mehrere Oktaven und durch die sich raffiniert verzahnenden Einfälle der Band; die Stimme war Instrument und Klangelement, gab aber auch feine Texte wieder. So geht es etwa in „Push“ um Leistungsdruck, in anderen Texten um Beziehungen und alltägliche Beobachtungen. „Human“, „Fresh“, „Beauty“ sowie die hitverdächtigen Songs „European Heart“ und „Way We Feel“ lieferten zudem „catchy melodies“ mit Widerhaken. Alle Stücke stammen von Aja und Toni Eberle und zeichnen sich durch einen großen Wiedererkennungswert aus. Von der Gitarre und den Keys kamen immer wieder wertvolle, den Gesang ergänzende und unterstützende Kommentare, die das feinsinnige Zusammenspiel unterstrichen und berührende Momente anklingen ließen.

Im Publikum schloss manch ein Besucher die Augen und wippte verzückt auf seinem Stuhl mit. Das, was an diesem Abend von der Aja Soul Group geboten wurde, war ebenso beseelt und berührend wie beeindruckend und präsentierte sich toll abgemischt.          

Das neue Album von Aja Soul Group

Das neue Album „Territory“ wurde live im Studio eingespielt, es ist beim ­Label Little Big Beat erschienen und ­umfasst zwölf Songs: acht von Aja und vier von Aja und Toni Eberle.
Mehr unter www.aja-soul.com