Konzert Abschied mit Irish Folk, Rock und Ska

Nuju aus Italien überzeugten mit ihrer Mischung aus Tarantella, Polka und Balkanmusik mit modernen Rock-Rhythmen  in der Geislinger Seemühle.
Nuju aus Italien überzeugten mit ihrer Mischung aus Tarantella, Polka und Balkanmusik mit modernen Rock-Rhythmen  in der Geislinger Seemühle. © Foto: Konstantin Heidemann
Konstantin Heidemann 18.05.2017

Mit einem großartigen Abschlusskonzert verabschiedete sich jetzt die Geislinger Musikeriniative von ihrer allseits geliebten Seemühle. Zehn Jahre lang war das alte Gemäuer die Kulturstätte in Geislingens Oberer Stadt, wo regelmäßig Konzerte, Kabarett, der Poetry-Slam  oder feststehende Indoor-Festivals auf dem Jahresprogramm standen.

Mit Irish Folk von „Daddy was a Leprechaun“ aus Geislingen und rockiger Balkanmusik mit Polkarhythmen von „Nuju“ aus Italien gab es nun zum letzten Mal Live-Musik auf der Seemühlenbühne. Die letzten Besucher wollten die aus Süditalien angereisten Musiker von „Nuju“ gar nicht mehr gehen lassen und forderten immer weiter Zugaben, die sie mit frenetischem Beifall belohnten. Ein Heimspiel dagegen hatte die aus Geislingen stammende Irish-Folk-Band „Daddy was a Leprechaun“, die den Konzertauftakt mit einer Reise über die grüne Insel einläutete und die Zuhörer in eine Welt von Klängen und Stimmungen traditioneller Songs als auch Lieder mit Mitsingcharakter und Balladen eintauchen ließ.

Mit ihrer gefühlsbetonten Musik, die mal fröhlich, mal melancholisch oder mystisch klang, versprühte die Band einen Hauch Irland. Abwechslungsreicher und kraftvoller Irish-Folk, gespielt von Simon Klaus (Gesang, Gitarre, Bodhran) und Kai Wohland (Gesang, Gitarre, Mandoline, Geige, Tin Whistle), die vor sieben Jahren als Gitarrenduo begonnen haben, verwandelte sich im Lauf des Konzerts mit Uli Striffling (Gesang, Banjo, Gitarre) in ein Irish-Folk-Trio. Musik-Allroundgenie Wolfgang Mayer (Tin Whistle, Bouzouki, Gitarre, Dudelsack, Gesang) ist erst vor einem halben Jahr dazu gestoßen, nach dem die Bandmitglieder ihn zufällig auch bei einem Seemühlenkonzert in einer anderen Gruppe kennengelernt haben.

Kurzerhand hatte man das schon vorhandene Repertoire etwas überarbeitet, sodass sich der vielseitige Instrumentalist Wolfgang Mayer bestens miteinbringt. Mehrstimmiger Gesang, feinfühlig und frisch klingend, sowie eine Vielzahl ständig wechselnder Instrumente bestimmen jetzt ihr Programm aus Traditionals, Gassenhauern und Liebesliedern.

Die vier Multitalente präsentierten ihre Songs mit Spielwitz und Virtuosität dem begeisterten Mühlen-Publikum. Ihre musikalischen Storys reichen von Titeln wie „Black and Tans“ – ein rebellischer Song aus dem Ersten Weltkrieg bis zu  dem bizarren Song namens „Mac Phesson“, in dem ein fröhlicher Barde lustig und  locker zum Galgen schreitet. Diese urkomischen Geschichten aus dem Leben der Iren verkündeten sie auf ständig wechselnden Instrumenten, und in kurzen Live-Mitschnitten ging es an irische Originalschauplätze.

Zur zweiten Konzerthälfte standen Nuju aus Süditalien im Rampenlicht, die für das letzte Seemühlenkonzert eine Anreise von rund Tausend Kilometern in Kauf genommen haben, um  ihren traditionellen Mix aus Folk und Rock und Ska zu präsentieren. Beim Auftakt ihrer ungewöhnlichen Show konnte man erst gar nicht genau ausmachen, was eigentlich für elektronische Gerätschaften im noch  abgedunkelten Bühnenspot standen. Was aber bei wechselndem Scheinwerferlicht schnell deutlich wurde. Inmitten ihrer Bühne waren vor Sänger Fabrizio Cariati zwei ungewöhnliche Musikinstrumente wie ein Teremin und ein Minikorg, eine Art Miniorgel mit Synthesizer, aufgebaut. Ihre unberechenbare Mischung aus Tarantella, Polka und Balkanmusik mit modernen Rock-Rhythmen zeigte den gespannten Zuschauern schnell, was die heißblütigen Italiener aus Kalabrien  alles so auf dem Kasten haben. Mit ihrem erfrischend andersartigen Stilmix aus Improvisationen mit dem Teremin und dem Synthesizer, den permanent groovig rockigen Nuancen, sowie rhythmischen Verschiebungen in der Musik von Nuju, zogen sie die Zuhörer fast wie magisch, nach und nach in Richtung Bühnenrand. Die rasant feurigen Songs ließen die Füße der Gäste im Innenraum einfach nicht mehr stillstehen. Virtuosität gepaart mit purer italienischer Lebensfreude hatten die sechs Musiker wohl mehr als genug und präsentierten hauptsächlich Titel aus ihrem 2016 entstandenen Album „Pirati & Pagliacci“ was Piraten und Clowns bedeutet. Zum Höhepunkt des Show-Acts griff Sänger Fabrizio noch kurzerhand zu den Drum-Sticks und glänzte zusätzlich mit einer lockeren Trommeleinlage. Sein Solo sorgte für großen Jubel im alten Seemühlengemäuer.