Erfahrungsbericht Abi und Lernstress: Wie Angelina Neuwirth ihren „Alptraum“ überlebt hat

Schokolade ist die berühmte Nervennahrung für die gestressten Abiturienten. Das Abitur ist trotzdem kein Zuckerschlecken, sondern bedeutet harte Arbeit. Wer es geschafft hat, ist in seiner Entwicklung aber einen großen Schritt weiter.
Schokolade ist die berühmte Nervennahrung für die gestressten Abiturienten. Das Abitur ist trotzdem kein Zuckerschlecken, sondern bedeutet harte Arbeit. Wer es geschafft hat, ist in seiner Entwicklung aber einen großen Schritt weiter. © Foto: Markus Sontheimer
Angelina Neuwirth 08.05.2017
GZ-Jugendredakteurin Angelina Neuwirth macht dieses Jahr ihr Abitur am Michelberg-Gymnasium. Sie erzählt ganz offen, was Lernstress bedeuten kann.

Abitur am Michelberg-Gymnasium in Geislingen – mein persönlicher Alptraum in sechs Worten. Denn: Das Abitur ist wirklich eine große Herausforderung. Es fühlt sich für mich an wie ein kaum zu bewältigender Berg. Abgesehen davon, dass ich Lernen nie wirklich mochte, löst allein der Gedanke an das Abitur und das damit verbundene Lernpensum Panik bei mir aus.

Erwachsene reagieren auf solche Ängste oft nur mit einem Kopfschütteln. „Du schaffst das schon, bist ja ein Käpsele“, heißt es dann, aber Intelligenz reicht nicht immer und schon gar nicht bei einer Prüfung wie dem Abitur. Hier ist Nervenstärke gefragt, Durchhaltevermögen und ein gutes Gedächtnis. Von meinen Nerven will ich gar nicht erst anfangen und mein Gedächtnis ist auch nicht das allerbeste, aber Durchhaltevermögen habe ich. Und daran habe ich mich festgehalten.

Rückblickend war die Vorbereitung auf den bislang größten Test meines Lebens wirklich schlimm – morgens fehlt die Motivation aufzustehen, weil der Tag sowieso nur Unmengen an Stoff zum Lernen mit sich bringt. Abends komme ich lange nicht zur Ruhe, weil ich daran denken muss, was ich noch alles lernen könnte oder müsste. Und die Papierberge scheinen nur noch mehr zu wachsen.

Wenn meine Freunde erzählen, wie weit sie schon mit dem Stoff sind, bekomme ich Schweißausbrüche, weil ich noch nicht einmal die Hälfte davon geschafft habe; jedes Mal, wenn ich aufs Neue an einer Mathe-Aufgabe verzweifle, werde ich nervöser. In einer Ausnahmesituation wie dieser fängt man an, so sehr an sich selbst zu zweifeln, dass man am Ende nicht mehr sicher ist, ob man überhaupt noch etwas kann. Zumindest war es bei mir so, und ich bin niemand, der generell an seinen Fähigkeiten zweifelt.

Vor der Woche des schriftlichen Abis war ich mir zwar sicher, dass mir die Deutsch- und die Englischprüfung gelingen werden; unmittelbar nach den Prüfungen fragte ich mich aber, ob ich überhaupt zusammenhängende Texte geschrieben habe. Obwohl ich das Wort noch kein einziges Mal genannt habe, ist es dem ein oder anderen bereits in den Sinn gekommen: Lernstress.

So gut wie jeder Schüler kennt ihn. Und ich habe in den letzten vier Schuljahren immer wieder damit zu kämpfen gehabt, aber noch nie so sehr wie jetzt. Es steht so viel auf dem Spiel, es ist die letzte große Klausur, bevor man in die Freiheit entlassen wird. Motivationsmangel kann „tödlich“ sein. Deswegen peitscht man sich förmlich zum Lernen, versucht um jeden Preis, noch ein bisschen mehr Stoff ins Hirn zu prügeln, nur um dann abends erschöpft ins Bett zu fallen und sich zu sagen: „Noch zwei Wochen, dann bin ich fertig!“

 Und diese zwei Wochen ziehen sich. Ich hatte das Gefühl, ich würde es niemals bis zum Abi schaffen und wenn doch, müsste ich ein leeres Blatt Papier abgeben, weil mein Kopf komplett zugemacht hat. Jetzt, wenige Tage nach der letzten schriftlichen Prüfung, bin ich stolz auf mich. Ich bin über meine Grenzen hinweggegangen, habe alles gegeben und dem Lernstress mal gezeigt, wo der Hammer hängt.

Ob die vielen schlaflosen Nächte, die Selbstzweifel und der Schokoladenkonsum, der beim  Lernen um 300 Prozent gestiegen ist, es wert waren, kann ich sagen, wenn ich meine Ergebnisse bekomme. Bis dahin gilt für mich: Mich kann ab jetzt gar nichts mehr stressen, ich habe das Abitur überlebt.