Barrierefrei Abgefräste Bordsteine für mehr Barrierefreiheit in Geislingen

Die Fräsmaschine entfernt die Bordsteinkante an Überwegen bis auf 0,5 bis einen Zentimeter Höhe. Rollstuhlfahrern erleichtert dies die Überquerung von Straßen erheblich. Foto: Markus Sontheimer
Die Fräsmaschine entfernt die Bordsteinkante an Überwegen bis auf 0,5 bis einen Zentimeter Höhe. Rollstuhlfahrern erleichtert dies die Überquerung von Straßen erheblich. Foto: Markus Sontheimer © Foto: Markus Sontheimer
Kathrin Bulling 14.10.2016
Die Geislinger Stadtverwaltung lässt derzeit die Bordsteinkanten an Überwegen abfräsen, um Behinderten das Vorwärtskommen zu erleichtern.

Zwei Spezialfahrzeuge sind seit Dienstag in Geislingen unterwegs, um Bordsteinkanten abzufräsen – bislang ist dies an insgesamt 25 Überwegen entlang der B 10 und der B 466 geschehen. Die Gehwege, der sogenannte Anschlag, sei für Behinderte zu hoch, erklärt Ulrich Weingart, der Leiter des Geislinger Tiefbauamtes. „Wir lassen sie ­abfräsen, um den Übergang zu ­erleichtern.“

Zwei bis drei Zentimeter nähmen die Schneideblätter der Fräsmaschine ab, erläutert Weingart, übrig blieben 0,5 bis ein Zentimeter Gehsteigkante. Dieser kleine Anschlag müsse bleiben, um zum einen Blinden mit Gehstock eine Orientierung zu bieten und zum anderen das Abfließen von Regenwasser zu ermöglichen.

Mit den Arbeiten reagiert die Stadtverwaltung auf die Wünsche des Stadtbehindertenrings (STeiGle) und des Skateparkvereins, die in der Vergangenheit immer wieder bemängelt hatten, dass die Schwellen an Überwegen wie etwa beim Nel Mezzo zu hoch für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte mit Rollatoren seien.

Erst am Wochenende hatten die beiden Initiativen eine Rolli-Rallye durch die Fünftälerstadt veranstaltet und unter anderem Oberbürgermeister Frank Dehmer auf diese und andere Barrieren aufmerksam gemacht (wir berichteten). Weingart bestätigt, dass es bei der Stadtverwaltung viele Beschwerden gegeben habe – „darauf haben wir jetzt reagiert“. Er betont: „Das ist eine freiwillige Leistung von uns, viele Städte machen das nicht.“

Die Rolli-Rallye vom Wochenende war indes nicht der Auslöser – die Arbeiten seien bereits im Juni nach einem Vor-Ort-Termin mit den Initiativen beschlossen worden, so Weingart. Im Haushalt seien für 2016 rund 15 000 Euro bereitgestellt worden. Man werde die Gehwege dieses Jahr allerdings noch nicht flächendeckend anpassen können, „wir machen das sukzessive“, sagt Weingart. Anders als die Bordsteine gehörten die Verkehrsinseln in den Zuständigkeitsbereich des Straßenbauamtes, das sich selbst um die barrierefreie Anpassung kümmern müsse. „Uns wurde aber zugesagt, dass das ab November gemacht wird“, erläutert der Tiefbau-Chef.

Während die Gehsteige in der Regel aus Granit bestehen und sich deshalb problemlos abschrägen lassen, bereiten die meisten Verkehrs­inseln größere Probleme: Sie sind aus Betonstein. Aufgrund seiner grobkörnigen Struktur könne man diesen nicht einfach abfräsen, so Weingart: „Er würde zerbröseln.“ Stattdessen müsse man die betreffenden Stücke herausnehmen und durch flache Steine ersetzen.

Auch wenn für die Arbeiten am Fahrbahnrand der Verkehr nicht unterbrochen werden muss, bildeten sich in den vergangenen Tagen vor allem auf der B 10 Staus.

Klaus Kohle vom Stadtbehindertenring ist zufrieden mit der Reaktion der Stadtverwaltung: „Das ist grundsätzlich gut und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“ Er habe sich allerdings noch nicht selbst vom Ergebnis überzeugen können, „wir werden das bei der nächsten Gelegenheit mit einem Rollstuhl austesten“, sagt er. Eine nachträglich abgeschrägte Gehsteigkante sei allerdings nie so perfekt wie ein komplett abgesenkter Bordstein, meint er. Eine Alternative hätte darin bestehen können, auf Bodenniveau angebrachte Steine mit Riffelung oder Noppen zu verlegen, mit denen auch Blinde zurecht kämen. Allerdings müsse man immer die schwierige Haushalts­situation der Fünftälerstadt betrachten. „Wenn man mit dem Vorhandenen den größtmöglichen Effekt erzielt, ist das auf jeden Fall eine Erleichterung“, sagt Kohle.

Julia Röder vom Skatepark-Verein spricht von einer „ganz tollen Sache“, die sie und die anderen Mitglieder sehr freue. „Es ist großartig, dass die Stadt auf unsere Wünsche reagiert.“

Barrierefreie Gebäude im Internet

Göppingen Die ­Kreisstadt hat jetzt
eine Übersicht zur
Barrierefreiheit ihrer städtischen Gebäude
im Internet veröffentlicht. Zu finden ist das Dokument auf
www.goeppingen.de
unter dem Stichwort Bürgerservice -> Barrierefreiheit. Die Hochbauverwaltung will die öffentlichen Gebäude schrittweise untersuchen lassen, beginnend mit den Objekten mit dem höchsten Publikumsverkehr. Es soll festgestellt werden, bei welchen Gebäuden es mit verhältnismäßigem Aufwand möglich ist, die Barrierefreiheit zu verbessern. 2017 soll es erste Ertüchtigungsmaßnahmen im Sinne der Barrierefreiheit geben, teilt die Presse­stelle mit.

Geislingen Eine ­Auflistung barrierefreier ­Zugänge der Ver­waltungsgebäude auf www.geislingen.de gibt es laut der städtischen Mitarbeiterin Julia Röder noch nicht. Dies sei aber im Zug der Überarbeitung der Homepage geplant.