Koproduktion „Zunächst einmal passt das nicht zusammen“

Peter Schubert bei der Arbeit: Mittlerweile hat er sein Sprachmaterial in der Skulpturengruppe untergebracht.
Peter Schubert bei der Arbeit: Mittlerweile hat er sein Sprachmaterial in der Skulpturengruppe untergebracht. © Foto: Markus Sontheimer
Türkheim / Bettina Verheyen 07.11.2018

Seit dem 28. Oktober kann man in der Sankt-Vitus-Kirche in Türkheim jeweils mittwochs, samstags und sonntags ein Gemeinschaftskunstwerk von Arthur Goldgräbe und Peter Schubert sehen – und begehen – und hören. Die Klanginstallation trägt den Titel „Fürchte dich nicht!“ (wir haben berichtet): Mit seinen Holzskulpturen stellt Goldgräbe die Grundformen der Angst dar, für die Trostworte, die die Besucher hören können, ist Schubert verantwortlich. Bettina Verheyen wollte von dem Klangkünstler wissen, wie er der Skulpturengruppe die Töne beibrachte.

Herr Schubert, Sie haben für dieses Projekt als Klangkünstler mit einem Bildhauer zusammengearbeitet. Wie kommt man da auf einen Nenner?

Peter Schubert: Ja, das passt zunächst einmal nicht unbedingt zusammen. Unsere Grundlage war eine Idee und daraus entstand ein Konzept. Man kann ja ein Thema von zwei Seiten aus angehen und dann gemeinsam realisieren.

Wie sah das konkret aus?

Es bedurfte natürlich vieler Absprachen. Wir haben uns beim Geislinger Kunstfrühling kennengelernt. Kurz danach hat mich Arthur Goldgräbe angesprochen. Er hatte bereits das Thema und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, mitzumachen. Es war klar, dass Goldgräbes Figuren innerhalb eines Quadrates aufgestellt werden sollten. Unser erster Gedanke war, dass wir jeder Skulptur Geräusche spendieren.  Letztendlich sind daraus Trostworte geworden, die der Besucher beim Begehen der Skulptur zu hören bekommt.

Wie kamen Sie zu dem Sprachmaterial?

Nach langem Brainstorming kam uns die Idee, dass wir Pfarrer auffordern könnten, uns zum Thema passende Sprachnachrichten zukommen zu lassen, mit denen ich dann arbeiten könnte.

Aber die Pfarrer spendeten nicht genug Trost?

Nein, es kamen viel zu wenig Rückmeldungen, daher fragten wir ganz allgemein nach Trostworten. Und durch diese Öffnung kamen neue Gedanken rein. Wir erhielten nicht nur Bibelzitate, sondern eine große Bandbreite an Sprachnachrichten.

Zum Beispiel?

Einer sagte frei von der Leber weg: „Wenn ich nachts Angst habe, mache ich das Licht an“, ein Zweijähriger sang „Heile, heile Segen“ und eine ältere Frau sprach das „Gegrüßest seist du Maria“.

Wie haben Sie Ihr Material verarbeitet?

Aus den kürzeren Nachrichten habe ich so eine Art Zwiegespräch zusammengeschnitten, die Texte werden mal lauter, mal leiser wiedergegeben, drängen sich mal in den Vordergrund oder bleiben im Hintergrund. Die längeren Sequenzen habe ich anschließend dazugepackt.

Und wie bringen Sie die Skulpturen nun zum Klingen?

Die Skulpturen, die ausgeglichene Personen darstellen, stehen auf einem Unterbau. In diesen habe ich Abstandssensoren eingebaut. Wenn nichts geschieht, gibt es aus der Mitte einen molligen Grundton. Bewegt sich jemand innerhalb der Installation, wird das, was ich aus den Nachrichten gemacht habe, abgespielt.

Öffnungszeiten und Zusatzprogramm

Die begehbare Klanginstallation von Arthur Goldgräbe (Skulpturen) und Peter Schubert (Klang) steht in der Türkheimer Sankt-Vitus-Kirche. Öffnungszeiten: mittwochs zwischen 17 und 19 Uhr, samstags zwischen 14 und 16 Uhr sowie sonntags zwischen 12 und 16 Uhr (bis 25. November).

Heute hält Günther Alius, Bildungsreferent bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Geislingen einen Vortrag zum Thema Angst. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Weitere Informationen unter www.tuerkheim-alb-evangelisch.

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