Geislingen „Wer die Bücher zum Freund hat ...“

Geislingen / Von Bettina Verheyen 14.11.2018
Das Lesenetzwerk Geislingen lässt in der Stadtbücherei Dritt- und Viertklässler aus einem bekannten und einem unbekannten Text laut lesen. Der Einsatz der Schüler ist toll.

Bei den kleinsten Teilnehmern baumeln die Beine noch in der Luft, wenn sie da an dem Tisch im Obergeschoss der Geislinger Stadtbücherei sitzen und ihrem Publikum von Seeräubern, Drachen, den Vorstadtkrokodilen, von Bibi und Tina, Conni oder Liliane Susewind vorlesen. Es sind die Dritt- und Viertklässler von Geislinger Grundschulen, die sich dem Vorlesewettbewerb stellen, den das Lesenetzwerk Geislingen jedes Jahr im November veranstaltet. Und wie beim bekannteren Vorlesewettbewerb des Börsenvereins für Sechstklässler, der von Schul- bis auf Bundesebene reicht, dürfen auch die Jüngeren aus einem vorbereiteten Text lesen und müssen sich in einer zweiten Runde mit einem ihnen unbekannten Text auseinandersetzen.

Daniela Scheller, stellvertretende Bibliotheksleiterin, begrüßt die Vorleser, die teilweise ihre Eltern und Geschwister, Mitschüler oder Lehrer mitgebracht haben – so kommt ein recht ansehnliches Publikum zusammen. Sie stellt ihnen auch die Juroren vor, die ihnen ganz genau zuhören werden und den Vortrag nach Kategorien wie Textgestaltung, Textverständnis und Lesetechnik bewerten werden. Dies sind: Anette Bihl, Gymnasiallehrerin, Claus Bisle, Autor, Maurice Nuding, Lehramtsstudent, Andrea Wagner, Bibliothekarin und Bettina Verheyen, Kulturredakteurin.

Und dann geht es los: Bei den vorbereiteten Texten flutscht es fast bei allen. Manche lesen noch arg leise und zurückhaltend, manche galoppieren durch den Text, als würden sie alles möglichst schnell hinter sich bringen wollen – der Zuhörer hat Verständnis und freut sich einfach, wie engagiert jedes einzelne Kind ist. Je besser die Ausschnitte gewählt sind, desto mehr können sich die Vorleser profilieren, indem sie etwa Dialoge spannend gestalten.

Vor allem bei den Drittklässlern entscheidet sich dann viel beim unbekannten Text. Dieses Jahr hat Daniela Scheller einen Klassiker ausgesucht: Oh wie schön ist Panama von Janosch. Eigentlich doch leicht zu lesen, denkt der Erwachsene – einfache Sätze, die von Bären, Tigern und Abenteuern erzählen. Doch die Vorleser tun sich schwer, der Vortrag wird stockend, Betonungen bleiben aus. „Man muss sich einfach klar machen, dass die Jüngeren ja erst aus der zweiten Klasse raus sind“, betont Scheller.

Doch auch bei den Viertklässlern, die nach der ersten Runde in der Bewertung noch dicht zusammenliegen, wird in der zweiten Runde deutlich, wer einen Text schnell erfassen kann und das Zeug dafür hat, ihn dem Zuhörer auch ansprechend rüberzubringen. Für die Älteren hat Scheller das Buch Bluma und das Gummischlangengeheimnis von Silke Schlichtmann ausgewählt.

Die Juroren waren sich am Ende schnell einig, wer aus der jeweiligen Gruppe herausstach. Bei den Drittklässlern waren dies Amelie Köberl von der Albert-Einstein-Schule (1. Platz) und Jannik Schmid von der Grundschule Aufhausen, bei den Viertklässlern Jasmin Schurr von der Grundschule Eybach (1. Platz) und Luise Sontheimer von der Uhlandschule.

Aber – und das wird Daniela Scheller nie müde zu betonen – bei diesem Vorlesewettbewerb gibt es keine Verlierer. Deshalb bekommen alles Teilnehmer stets eine Urkunde und einen Büchergutschein der Buchhandlung Ziegler. Die stellvertretende Bibliotheksleiterin freut sich jedesmal, dass sie fast alle Vorleser kennt – fast alle haben einen Leseausweis. Ein Zeichen für Scheller, dass die Bemühungen der Einrichtung fruchten,  Kinder fürs Lesen zu begeistern. Mit einem passenden Zitat aus Russland beendete sie den Wettbewerb: Wer die Bücher zum Freund hat, kennt keine Langeweile.

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