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IS
Geislingen / KATHRIN BULLING  Uhr
Die Nächstenliebe ist in allen Glaubensrichtungen ein zentrales Thema. Das wurde beim interreligiösen Gespräch im Cafe Wunderbar deutlich.

35 Personen haben am interreligiösen Gespräch im Cafe WunderBar teilgenommen. Eingeladen hierzu hatte die Vorbereitungsgruppe aus den Geislinger Gemeinden von Aleviten, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion  (DITIB), evangelische Kirche, katholische Kirche und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) – erstmals vertreten waren die neuapostolischen Christen, die Gemeinde Gottes und die Jesiden. Besonders der Jeside, ein Flüchtling aus dem Irak, der die 2014 bekannt gewordene zehntägige Aushungerung durch den Islamischen Staat IS auf einem Berg mit anderen Jesiden zusammen erlitten hat, beeindruckte alle Anwesenden. Er schilderte in gut verständlichem Deutsch die Geschehnisse  engagiert und ohne Hass.

Das Hauptthema des Abends war „Nächstenliebe“. Egal welcher religiösen Glaubensrichtung man auch angehörte – alle Redner beschrieben die Nächstenliebe als zentral wichtig in ihrem Glauben. Weil Gott der Geber des Lebens sei, gelte es, alles Leben zu achten und zu unterstützen. Es bestand Einigkeit darüber, das Göttliche in einem jeden Menschen wahrzunehmen und zu respektieren. Doch wie wird dies zur Tat? Einige Gesprächsteilnehmende berichteten von ihrem Engagement in der Flüchtlingshilfe. Sie stimmten darin überein, dass sie durch diese aktive Nächstenliebe persönlich sehr viel Gutes zurückbekämen. Der Imam der DITIB-Gemeinde aus Ulm berichtete die Geschichte von dem Propheten und den zehn Geldmünzen, wie aus Gottes Barmherzigkeit in empathischer und kreativer Begegnung zwischen den Menschen sehr viel Gutes geschehen konnte. Der evangelische Dekan Martin Elsässer erzählte die biblische Geschichte vom Barmherzigen Samariter, in der Jesus vorbildlich für alle die Nächstenliebe beschrieb mit der Tat eines Fremden, der einem ihm ebenfalls fremden Notleidenden vorbehaltlos hilft. Hanna Schöfisch (evangelisch) aus Hofstett-Emerbuch und in der Flüchtlingshilfe im Benzwang engagiert, zeigte sich enttäuscht,  warum insgesamt nur wenige Menschen den Flüchtlingen aktiv helfen würden. Mehrere Gesprächsteilnehmende gaben zu bedenken, dass Nächstenliebe nicht so einfach sei, weil man ja als Voraussetzung sich selbst sicher sein müsste. Hingewiesen wurde darauf, dass die Liebe zu Gott beziehungsweise Allah zur Nächstenliebe gehöre.

Sezer Erin, Vorsitzender der Geislinger DITIB-Gemeinde, kritisierte, dass der sich selbst so bezeichnende Islamische Staat IS immer noch bei diesem Namen genannt werde. Dieser Name sei falsch. „Der Terror und Islam gehören nicht zusammen, da der Islam ‚Frieden’ bedeutet.“ Erin vermisste auch die Nächstenliebe den Muslimen gegenüber. In dieser schwierigen Zeit bestehe von den Nichtmuslimen in Geislingen und der Region kaum Interesse, wie es den Muslimen hier aktuell gehe.

Die Moderatorinnen des Gesprächs Fadime Ercik, Leyla Kücük und Maren Pahl dankten allen Teilnehmern für ihre Beiträge und für das respektvolle Zuhören. Klar war, dass das Gespräch weitergehen soll, und es wurden viele Vorschläge gemacht, auf welche Weise dies gut geschehen könnte.

Info Das nächste interreligiöse Gespräch findet am  Donnerstag, 20. Oktober, von 18 bis 19.30 Uhr im Café WunderBar statt. Das Thema dabei: „Wie erziehen wir unsere Kinder?“