Interview Für Kino-Stars ist Spaß „disziplinierte Arbeit“

Geislingen / Von Sabine Graser-Kühnle 02.01.2018
Bei der Premiere des Kinofilms „Do goht dr Doig“ plaudern Regisseur Michael Rösel und Schauspielerin Ulrike Barthruff über die Branche.

Der Film „Do goht dr Doig“ besticht durch Situationskomik und Witz. Geht’s am Set genauso lustig zu? Welche Chancen hat die Schwaben-Komödie bundesweit? Darstellerin und Regisseur standen unserer Zeitung Rede und Antwort.

Sie sind mit zum Kinostart von „Do goht dr Doig“ in 40 Kinos auf Tour und erleben die Reaktionen der Zuschauer hautnah. Wie kommt der Film beim Publikum an?

Ulrike Barthruff: Wir sind in vier Teams unterwegs und haben alle das Gefühl, der Film gefällt den Leuten sehr gut.

M. Rösel: Bisher haben wir eine sehr gute Resonanz erhalten, nicht nur auf unserer Kinotour, sondern auch bei den vielen Previews bei den Sponsoren.

Produzent Frieder Scheiffele sagte einmal, der Kinobesuch der ersten Woche sei entscheidend, ob ein Film angenommen wird. Wie schätzen Sie die Chancen von „Do goht dr Doig“ ein?

Barthruff: Man darf ja nicht unken, aber wir sind sehr hoffnungsvoll.

Rösel: Unser Stuttgarter Filmverleih „Kinostar“ hat auch schon erste Auswertungen, die uns sehr zuversichtlich machen. Tatsächlich ist das Kinogeschäft ein gnadenloses System. Gute Zuschauerzahlen brauchen wir auch, um einen zweiten Film drehen zu können. Oder eine dritte Staffel der TV-Serie „Laible&Frisch“, die ja dem Kinofilm vorausgegangen ist. Oder gar ein weiteres Theater, was wir ebenfalls vor dem Kinofilm in Stuttgart vor stets vollen Häusern aufgeführt haben.

Barthruff: Der Film wurde im Vorfeld auch sehr gut beworben. Die Idee mit dem Blubberteig hier in Geislingen etwa von der Bäckerei Gansloser ist super.

Zu den Dreharbeiten: Wie finden sich Nichtschwaben in einer
schwäbischen Komödie im Dialekt zurecht?

Barthruff: Ganz ehrlich: Unsere Sprache ist ja keine Fremdsprache. Es wird viel drum rum gemacht und geht es ums Verständnis, sind immer wir Schwaben dran. Eine Kielerin sagte mir nach der Vorstellung, sie habe jedes Wort verstanden. Und Simon Licht, der gebürtige Hannoveraner, kann mittlerweile sogar „Muggabätscher“ sagen.

Sind Schauspieler wie Sie, Frau
Barthruff oder Winfried Wagner und Trudel Wulle und Walter Schultheiß mit am Set, gibt es da nicht viel
Klamauk?

Barthruff: Klar machen wir auch mal Spaß, aber so darf man sich das nicht vorstellen. Im Prinzip ist das eine sehr disziplinierte, konzentrierte Arbeit.

Rösel: Bei 21 Drehtagen war das eine taffe Drehzeit und für einen Kinofilm eigentlich fast unmöglich. Raum für Experimente haben wir da kaum. Und eine Komödie zu spielen ist oft Knochenarbeit. Dass die Leute da lachen, wo wir es uns vorstellen, ist wunderbar. Tatsächlich kann es sein, dass beim Schnitt dann da, wo es beim Dreh lustig war, gerade das Gegenteil passiert.

Der Film ist gefördert von der  Filmförderung Baden-Württemberg und dem Deutschen Filmförderfonds. Auffallend viele Filme im Kino und TV sind gefördert. Geht es überhaupt noch ohne finanzielle Unterstützung?

Rösel: Tatsächlich fällt mir nur ein Film ein, den die Schwabenlandfilm ohne Förderung gedreht hat: Stromberg. Aber da gab es die Marke schon. Einen Film zu produzieren ist teuer, das geht nicht ohne zusätzliche Finanzierung. Und hätten wir nicht schon mit der TV-Serie und den zwei Theaterstücken sowie dem Hörspiel von Laible&Frisch die Marke gehabt, gäbe es den Kinofilm wohl nicht. Damit war die Marke immer wieder neu belebt und so haben wir sehr viele Sponsoren gewinnen können.

Haben sich die Figuren bei diesen unterschiedlichen Formaten denn weiter entwickelt?

Barthruff: Ja, die Figuren machen ihren Weg. Das macht die Sache spannend und schauspielerisch reizvoll.

Rösel: Mit den Figuren wird gespielt, die Schauspieler müssen teilweise gegen ihr Naturell anspielen, das finde ich beachtlich. Das Format hat dazugewonnen und ebenso hat der Autor gelernt. Für mich ist der Kinofilm daher „Laible&Frisch 2.0“.

TV-Serie und Theater ebnen den Weg ins Kino

Dass es der Film in die Kinos geschafft hat, liegt vor allem an den Erfolgen seiner erfolgreichen Vorgänger: den beiden Fernsehstaffeln von „Laible&Frisch“ und zwei im Stuttgarter Marquard aufgeführten Theaterstücken. „Do goht dr Doig“ ist am 28. Dezember in 35 Kinos im süddeutschen Raum gestartet. Die Kosten von etwa 1,45 Millionen Euro (geplant waren 1,8 Millionen) wurden neben Filmförderungen mittels Crowdfunding von Sponsoren mitfinanziert.

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