Lob geht den Schwaben nur sehr schwer über die Lippen. "Nix gschwätzt isch gnuag globt" (auf Deutsch: Nichts gesagt ist Lob genug) sagt ein Sprichwort. Umso verwirrender ist es, wenn ausgerechnet zwei Schwaben aus Geislingen mit Lob Geld verdienen wollen. Claus Mollenkopf und Mike Reinke sind jedenfalls davon überzeugt, dass ihre junge Geschäftsidee den Markt nicht nur in und um Geislingen erobern wird, sondern die Grenzen des Ländles hinter sich lässt. Denn die beiden unkonventionellen Jungunternehmer haben für fast jeden Anlass einen Lober - ein wohlschmeckendes alkoholisches Getränk zwischen 16 und 40 Volumenprozent. Erst damit macht loben richtig Spaß. Sie firmieren als "Reimol, allesLOBer" und werden ihrem Namen zweifellos gerecht.

Der Fußballlober, für den das Double von Diego Maradona, Abi Atici, bekannt als Täles-Maradona, die Werbetrommel rührt, hat 20 Volumenprozent. Fußballerische Hochleistungen sind Grund genug, mit dieser schmackhaften Geheimrezeptur die Kehle zu spülen. Insbesondere die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft ist nach Ansicht der beiden Geschäftsführer prädestiniert, die Umsatzzahlen des Fußballlobers nach oben zu treiben.

Der Alleslober, ein Eisbonbonlikör braucht keinen bestimmten Anlass. Er ist für jede Art von Lob das richtige Getränk zum Anstoßen. Anders der Geburtstagslober. Er ist ein Johannisbeerlikör und wird bei gelungenen Geburtstagsfeten, gutem Festessen oder dann genossen, wenn das Geburtstagskind trotz seines Alters für sein faltenfreies Äußeres Lob erntet.

Der Hochzeitslober in der Herz-Schmuckflasche mit rotem Weinbergpfirsichlikör ist ein Getränk, das die Feierlichkeiten vom Besuch der Kirche am Morgen bis spät in die Nacht begleitet. Denn ob die Krawatte des Bräutigams, der Lidschatten der Braut, das Kleid der Schwiegermutter oder die Hochzeitskapelle gelobt wird, Gründe um ein 20-Milliliter-Fläschchen zu leeren oder einen Schluck aus der 0,5-Liter-Premium-Pulle zu nehmen, gibt es zuhauf am vermeintlich schönsten Tag im Leben der Braut.

Die Idee mit den Lobern wurde geboren, als Claus Mollenkopf, Schlossermeister und Inhaber eines sechs Mitarbeiter zählenden metallverarbeitenden Betriebs in der Karl- Benz-Straße 6 in Geislingen gemeinsam mit seinem Kumpel Mike Reinke Urlaub machte. In einer feucht-fröhlichen Laune machten sie sich über typisch Schwäbisches Gedanken. Von Brezeln über Spätzle und Maultaschen kamen sie auch auf das Christbaumloben. Gemäß dieser alten Tradition wird meist am zweiten Weihnachtsfeiertag zusammen mit Freunden von Haus zu Haus gezogen. Die geschmückten Tannenbäume werden überschwänglich und in den höchsten Tönen gelobt. Erst wenn der Besitzer des Baumes einen Schnaps, meist einen Obstbrand, ausgibt, wird das Lobpreisen beendet und - je nach Kondition - zum nächsten Christbaum aufgebrochen.

Wie Mike Reinke sagt, wurde an jenem Urlaubstag der Christbaumlober als erstes Produkt der mittlerweile sechs Mitglieder zählenden Loberfamilie geboren. Ihn gibt es in der Tannenbaum-Flasche als feinsten Obstbrand aus Äpfel und Birnen oder als süffige Ladys Edition aus Gewürzapfellikör.

Dass das junge Unternehmen noch in tiefroten Zahlen steckt, scheint die Laune der beiden Geschäftsführer nicht zu trüben. Nicht nur auf der Intergastra in Stuttgart im vergangenen Monat fand ihre Geschäftsidee viel Zuspruch und Interesse. Auch der Vertrieb über den Einzelhandel und übers Internet ist nach den Worten von Mike Reinke ständig am Wachsen.