Lesung „Mitmischen, denn es gibt so viel zu tun“

 Talk-Profi Wieland Backes stellte am Sonntag in Geislingen sich selbst in den Fokus.
 Talk-Profi Wieland Backes stellte am Sonntag in Geislingen sich selbst in den Fokus. © Foto: Brigitte Scheiffele
Geislingen / SWP 21.11.2018

Er kann’s einfach: Wieland Backes, charmanter Gastgeber und Gründer der SWR-Talkshow „Nachtcafé“, spricht im voll besetzten Burr’schen Gewölbekeller in Geislingen über seine Lebensphase als Fernsehjournalist. Der unbeirrbare Könner und offensichtliche Frauenschwarm zeigt sich souverän und geistreich wie eh und je, einfühlsam und „lacht immer noch so nett“, wie aus dem Publikum zu hören ist.

5000 Gäste begrüßte Backes von 1987 bis 2014 in 700 Sendungen, auf der Höhe seines Erfolgs mit einer Einschaltquote von 20 Prozent, die Rolle des Gastgebers an Michael Steinbrecher weitergeben. Dass er zum Fernsehen kam, verdanke er seiner Tochter: Nach der Probe zu ihrem Abschlussball habe sie ihm attestiert: „Papa, wenn du nicht schwätzen könntest, könntest du gar nichts.“  So habe sich die Leidenschaft ihren Bann gebrochen. Fazit: Fernsehmoderator.“

Backes berichtet vom straffen Arbeitsplan einer Woche, gibt Einblick hinter die Kulissen, erzählt von Schwierigkeiten, Missgeschicken und amüsanten Sendungen, auch von Gästen wie Dieter Wedel, der ihn „über die Maßen forderte“, und von Aufzeichnungen mit ernsten Themen wie Suizid und Missbrauch. Seine Schilderungen ergänzt er mit Lesungen aus seinen Büchern und mit Zitaten, mit denen er schon in seinen Sendungen gern jonglierte: „Als ich noch schlanker war, standen wir uns näher“ – sein Lieblingszitat von Georg Kreissler.

Ein etwas anderer „Backes“ kommt an dem Sonntagvormittag zum Vorschein, als er den Fernsehmoderator ablegt und zum Familienmitglied wird: „Ich bin ein Flüchtlingskind Banater Schwaben“, sagt er. Fünf Brüder, die Eltern Lehrer, die erst nach Österreich flüchten und schließlich im Kreis Backnang eine neue Heimat finden. „Meine Kinderzeit war von Liebe geprägt“, so der Auftakt zu seiner Biografie, die in flotter Schilderung folgt.

Schon die Brüder hatten sich für „brotlose Künste“ entschieden, weswegen Backes Chemie und Geografie studierte. Beinahe übt er zur Freude seiner Eltern einen anständigen Beruf aus, doch die Filmproduktion zur Doktorarbeit in Geografie gibt den Impuls: 1973 wird er ein Kind des SDR und späteren SWR, wird verantwortlich für die Abendschau. Und weil Talkshows dünn gesät waren, wird das „Nachtcafé“ zum Glücksfall:  „No names waren die Spezialität: Menschen, die eine eigene Geschichte haben und nicht von der Leuchtreklame herunterblitzen“, betont Backes. Das Alter sei eine aufregende Lebensphase und die Freiheit des Alters etwas Wunderbares, endet er. Natürlich gehe es langsam bergab, aber das sei etwas Selbstverständliches. „Mitmischen, das ist die Devise, denn es gibt so viel zu tun.“

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