Frankfurt/Geislingen "McEgg" der WMF erneut abgekupfert

Original und Plagiat: Links der WMF-Eierbecher McEgg, rechts die unverfrorene Kopie.
Original und Plagiat: Links der WMF-Eierbecher McEgg, rechts die unverfrorene Kopie. © Foto: Susanne Schmauz
Frankfurt/Geislingen / RODERICH SCHMAUZ 18.02.2013
Wie ein Ei dem anderen gleichen sich der Eierbecher für Kinder der WMF und der aus Dubai. Wie gemeldet, wurde für diesen dreisten Fall der Produktpiraterie der Schmähpreis "Plagiarius" verliehen.

Schon zum zweiten Mal hat ein ausländischer Hersteller den lustigen Eierbecher "McEgg" der WMF schamlos abgekupfert und auf den Markt gebracht. Die Geislinger haben vom fröhlichen Handwerker-Eierbecher für Kinder mit aufklappbarem Helm und Löffel in der Hand über eine Million Exemplare verkauft, weiß der Chef des WMF-Produktmanagements, Hans-Peter Schuon. Solch ein Erfolg lockt Produktpiraten, auch wenn "McEgg" als eingetragenes Gebrauchsmuster geschützt ist.

Am Freitag wurde der von Professor Rido Busse 1977 ins Leben gerufene Negativpreis "Plagiarius" (schwarzer Zwerg mit goldener Nase) auf der Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt zum 37. Mal verliehen. Originale und Kopien standen dort auf dem Präsentierteller. Zehn krasse, unverfrorene Fälle von Ideenklau wurden "prämiert". Produktpiraterie soll damit an den Pranger gestellt werden. Da stand also denn der fröhliche "McEgg" der WMF - daneben derselbe Eierbecher, bloß rosa statt himmelblau, von der "RNA Resources Group" aus Dubai. Hergestellt sicher nicht in Arabien, sondern irgendwo in Asien, mutmaßt Schuon. Alles Weitere ist Sache der Rechtsanwälte. Ob sie etwas werden ausrichten können, ist ungewiss. Als es vor Jahren zum ersten Mal aufgeflogen war, dass der Eierbecher plagiiert worden war, erreichte die WMF immerhin, dass alle illegalen Raubkopien vernichtet wurden.

Dass ein Produzent mit ein und derselben Entwicklung mehrfach Plagiatsopfer werden kann, zeigte die Verleihung des "Hyänen-Preises": Vom Küchenschneidegerät eines Schweizer Herstellers lagen Plagiate aus sieben verschiedenen Fälscherwerkstätten vor - die meisten in China beheimatet.

"Laudator" bei der jüngsten Plagiarius-Verleihung war der frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister Dr. Walter Döring (FDP). Gerade deutsche Weltmarktführer mit ihren innovativen Spitzenprodukten seien bevorzugte Zielscheiben der Produktpiraten, sagte er. Laut einer Studie werden 80 Prozent der deutschen Unternehmen mehrmals im Jahr Opfer von Produktfälschern und dadurch um 50 Milliarden Euro geschädigt. Hinzu kommt der Imageschaden durch qualitativ minderwertige Plagiate. Der Technologievorsprung durch selbst entwickelte Spitzenprodukte sichere bei uns Arbeitsplätze, gab Döring zu bedenken. "Geistiger Diebstahl bringt die Hersteller der Originale um ihren verdienten Lohn." Döring machte zudem klar, dass erst die Nachfrage bei Kunden nach billigen Kopien den Markt für Plagiate schafft.

Auf der "Ambiente" mit 4700 Ausstellern aus aller Welt schickt die WMF - wie andere Markenhersteller auch - Scouts fünf Tage durch die Messehallen: Rechtsanwälte, mit den WMF-Mustern bestens vertraut, halten Ausschau nach unlauteren Kopien. Eine WMF-Rechtsanwältin verfolgte interessiert die Plagiarius-Verleihung. Sie hätte bereits Nachschub parat, denn sie war bereits wieder fündig geworden: Auf ihrem Smartphone hatte sie speziell geformte Wasserkaraffen aus Glas abgelichtet. Bis zum Verschluss mit einem Kunststoffdeckel gleichen sie einem WMF-Modell.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel