Am Sonntag, dem 4. Advent, lud der Amadeus-Kinderchor unter der Leitung von Christel Wittmann zu seinem traditionellen Weihnachtskonzert ein – die reizvolle Mischung aus barocken Weihnachtskonzerten und bekannten Liedern begeisterte das Publikum.

Wie immer bei diesem Konzert zogen die Chormitglieder singend und mit brennenden Teelichtern auf die dunkle Bühne ein, um das Publikum in der nächsten Stunde auf eine Weihnachtsreise mitzunehmen. Der Schwerpunkt des Konzerts lag auf eher selten gespielten Werken des Barock, untermalt von instrumentaler Begleitung.

Den Anfang machte die Kantate „Machet die Tore weit“ von Christian Ludwig Boxberg. Der Chor wurde begleitet von Christina Horvath und Almut Schmiedel an Geigen und Hanna Laun und Gisela Kohle an Altblockflöten. Christel Wittmann spielte den für das Barock obligatorischen Generalbass am Flügel. Bereits dieses erste Stück bildete typische Barockelemente ab – im ersten Satz wurde die Singstimme fugenartig begleitet, der zweite Satz verzauberte mit spielerischen Koloraturen.

Nach diesem Auftakt kam mit „Natus est Jesus“ von Philipp Friedrich Böddeckers ein Höhepunkt des Abends. In dem Weihnachtskonzert für Sopran und Generalbass von 1651 werden unterschiedliche Perspektiven auf das Weihnachtsfest eingenommen: Ein auktorialer Erzähler nach Art der Engel kündet auf Latein die Botschaft von der Geburt Gottes Sohns, musikalisch anspruchsvoll mit Tonsprüngen und Koloraturläufen umgesetzt. Darin verwoben ist als Stimme Marias, der behütenden Mutter des Säuglings, das deutsche Volkslied „Joseph, lieber Joseph mein“. Durch die Rhythmuswechsel und den Wechsel zwischen feierlicher und fein-fragiler Stimmung entsteht ein ganz eigener, zeitloser Zauber.

In „Willkommen, süßer Bräutigam“ von Vincent Lübeck spielte der Chor mit unterschiedlichen Besetzungen: Tutti, Mezzo Solo, Sopran Solo und Duett Solo und erzeugte so reizvolle Dynamiken in der Barockmusik mit der typischen Suche nach höherer Ordnung und Struktur.

Wieder unterschiedliche Ausprägungen desselben Themas spiegelten die beiden Schlaflieder „Es wird scho glei dumpa“ aus Tirol und „Schlaf mein Kindlein“ aus Russland – geerdet und menschennah das Lied aus Österreich, mit dem Ausblick auf die Herrschaft Jesu endend die russische Melodie.

Die romantische Motette „Laudate pueri“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy bildet musikalisch wie textlich ein anderes Empfinden gegenüber Gott und der Weihnacht ab, als dies die barocken Werke tun. Kraftvoll, sicher und präzise zeigten hier die größten Mädchen des Chores ihr Können.

Vier Weihnachtslieder aus unterschiedlichen Ländern Osteuropas wurden in mehrstimmigen Sätzen mit Instrumentalbegleitung arrangiert, bevor der „Abendsegen“ aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck und das beliebte Weihnachtslied „Maria durch ein Dornwald ging“ den Abend ausklingen ließen.