Geislingen „Jetzt darf ich endlich wählen“

Urkundenübergabe bei der Rätsche (von links): Manfred Gottwald vom Landratsamt Göppingen, Lorella Heyde, Nastja Wick, Santo  Randazzo, Sandra Badami und Oberbürgermeister Frank Dehmer.
Urkundenübergabe bei der Rätsche (von links): Manfred Gottwald vom Landratsamt Göppingen, Lorella Heyde, Nastja Wick, Santo Randazzo, Sandra Badami und Oberbürgermeister Frank Dehmer. © Foto: Brigitte Scheiffele
Geislingen / Brigitte Scheiffele 10.07.2018
Beim Internationalen Fest in Geislingen haben vier Menschen ihre Urkunde zur Einbürgerung erhalten.

Oberbürgermeister Frank Dehmer hat beim Internationalen Fest am Sonntag vier Einbürgerungsurkunden überreicht: Santo Randazzo hat italienische Wurzeln, ist mit einer deutschen Frau verheiratet und hat mit ihr gemeinsame Kinder. Jetzt will auch er Deutscher sein: „Alle in unserer Familie sollen die gleiche Nationalität haben“, beantwortete er die Frage von Oberbürgermeister Frank Dehmer, weshalb er sich dazu entschieden habe.

Nastja Wick stammt aus Slowenien und lebt seit 1986 in Deutschland. Eigentlich sei ihr die Staatsangehörigkeit egal und bisher auch „der Wisch“, auf dem diese bescheinigt sei. Als Mensch akzeptiert und respektiert zu werden, das sei hingegen für sie das Entscheidende. Da sich nun aber in Deutschland eine neue Partei gegründet habe, die dann auch noch in den Bundestag eingezogen sei, habe sie sich darüber Gedanken gemacht. „Da habe ich mich geärgert, dass ich nicht wählen darf. Jetzt ist es möglich, und ich werde auf keinen Fall die AfD wählen“, verkündete sie beim Internationalen Fest frei weg von der Bühne, auf der die Urkunden überreicht wurden.

Seit 1959 lebt Sandra Badami in Geislingen. „Als ich hierher kam hießen die Emigranten noch Gastarbeiter“, erzählt sie. Lange Zeit habe sie an ein einiges Europa geglaubt. „Jetzt sieht sich auf einmal jedes Land wieder zuerst und alles ändert sich. Ich will nicht mehr zurück nach Sizilien, meine alte Heimat ist mir fremd, ich kenne niemanden mehr und möchte weiter in Deutschland bleiben.“ Deswegen habe sie sich für einen deutschen Pass entschieden.

Lorella Heyde stammt von den Philippinen. Im Jahr 1999 kam sie nach Deutschland, heiratete und hat mit ihrem Mann zwei gemeinsame Kinder. „Auch ich will Deutsche sein“, erklärte sie, bevor Dehmer die Einbürgerungsurkunden überreichte. Der OB betonte: „Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit sind in Deutschland ein wichtiges Gut und eine Form der Demokratie.“ Im Jahr 2017 wurden im Landkreis Göppingen 390 Personen eingebürgert, 59 davon kamen aus Geislingen.

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